Jahrgang 
1867
Seite
736
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ſeine Freunde daran verhindert. Alle Welt war erſtauut und man fragte ſich, ob im neunzehnten Jahrhundert ein derartiges Urtheil noch Anwendung finden könnte. Der Gerichtshof beantwortete nach vielen reiflichen Berathungen im April 1818 die Frage dahin, daß das engliſche Geſetz dieſe Art von Herausforderung geſtatte, da die alten Rechtstitel, die dies erlaubten, noch nicht außer Kraft geſetzt worden wären, und daß man die Herausforderung Thornton's nicht verhindern könne. Dieſer wurde denn auch in Freiheit geſetzt. Er beeilte ſich, nach Amerika zu gehen, und Niemand hat je wieder etwas von ihm gehört.

Wie man ſich in Amerika vergnügt.

Auf einem Balle in der kleinen Stadt Rozeburg(Dregon) hatte man bereits mehrere Stunden getanzt, als fünf Männer Sol. Colver, John Fitzbugh, Bob Fitzbugh, Bob Forbes, John Annon und Abe Crow in der unverkennbaren Abſicht ins Local traten, das Vergnügen zu ſtören; denn kaum im Saale, beleidigten ſie einen der Gäſte, George Vonnet, aufs gröblichſte, welcher als Erwiderung Sol. Colver einen Schlag mit dem Kolben ſeines Revolvers ver⸗ ſetzte. Als hierauf ein zweiter der Gäſte, Namens Beranger, hin⸗ zutrat, um Ruhe zu ſtiften, feuerte John Fitzbugh ſein Piſtol auf ihn ab und ſtreckte ihn todt nieder. 3

Ein gewiſſer Aſh Clahton, der Geigenſpieler des Orcheſters, zieht ſein Meſſer und ſticht Sol. Colver in den Rücken, ſeitwärts der Schulter dies ſehend, ſtürzt Abe Erow zu Hülfe und feuert auf Elahton zwei Piſtolenſchüſſe ab, von denen der eine in den Schenkel dringt, während die Kugel des zweiten dem Knochen des Stirnbeins entlang geht und im Hinterkopfe ſtecken bleibt; nicht genug daran verſetzt Crow ihm noch einen letzten Meſſerſtich in den Kopf, welcher eine grauenhafte Wunde zurückläßt.

Während dies hier vorgeht, wirft ſich Fitzbugh, nachdem er bereits Beranger getbdtet, auf einen andern Gaſt, Tom Thompſon, wird jedoch von ihm mit zwei Revolverſchüſſen niedergeſtreckt; Annon, ſeinen Gefährten fallen ſehend, ſchlägt Thompſon, der ſich ſchnell umwendet und ihm eine Kugel in die Bruſt ſendet, und als hierauf Bob Forbes an ſeine Stelle tritt, ſtreckt er auch dieſen mit einem furchtbaren Schlage an der Seite ſeiner Gefährten nieder.

Schon glaubte man Alles beendigt, als zwei Individuen, Bob Woodruf und Sy, mit Piſtolen bewaffnet, ins Local ſtürzen, um die Gefallenen zu rächen. Ein Mann, deſſen Name unbekannt ge⸗ blieben, ſchlägt den erſtern mit einem wohlberechneten Schlage ſeines Piſtolenkolbens ins Genick nieder, während Fitzbugh, den man todt glaubte und welcher ſich erholt hatte, ſich erhebt und dem zweiten eine gräßliche Wunde mit ſeinem Meſſer in den Unterleib beibringt.

Jetzt war wirklich Alles beendigt von elf Männern, welche am Kampfe theilgenommen, lagen neun am Boden todt oder tödlich verwundet.

Intereſſant wäre es zu wiſſen, ob der Ball fortgeſetzt wurde wahrſcheinlich bleibt's immer!

Eine Zuſammenſtellung der Beſoldung des Marſchalls Vaillant, Miniſter des kaiſerlichen Hauſes, welche uns zufällig vorliegt, läßt in der That, wie man zu ſagen pflegt, das Waſſer im Munde zu⸗ ſammenfließen.

Derſelbe erhält jährlich:

In ſeiner Eigenſchaft als Marſchall als Miniſter. 5 als Senator. als Großoffizier der Krone. als Inhaber des Großkreuzes der Ehrenlegion 600 Zuſammen 221,000 Francs.

Außerdem erhält er freie Wohnung, Heizung und Wäſche als Großoffizier der Krone; ſeine Equipage wird durch die Civilliſte unterhalten und mit Ausſchluß der Garderobe und des Tabacks wird etatsmäßig Alles ihm bezahlt. R.

40,000 Francs. 0000 30,000 48,000

Voltaire ward von einem Herrn, der ſich von ihm beleidigt fand, herausgefordert. Er ſchlug es aber aus folgendem Grunde abDie Partie iſt nicht gleich, ſagte er,Sie ſind groß, und ich bin klein; Sie ſind tapfer, ich bin feig. Sie wollen mich dem⸗ nach tödten? Gut, ich halte mich für todt. Sind Sie jedoch auch mit dieſer Genugthuung nicht zufrieden, ſo gehen Sie in den Wald

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Baum oder Strauch. Ich halte es nicht für der Mühe werth, mein Blut einer Kleinigkeit wegen zu verſpritzen. Das Schickſal lehrte Ihnen den Degen, mir aber die Feder führen; der Degen tödtet, die Feder verwundet nur; ich wiederhole alſo nochmals, die Partie iſt nicht gleich.

Friedrich II. ritt eines Tages früh in guter Stimmung in Potsdam zum Thore hinaus, als ihm eine Erxtrapoſt begegnete. Er warf einen Blick auf den Inſaſſen des Wagens und erkannte in demſelben einen General v. B., der, eine ſolche Begegnung vielleicht ſo wenig wünſchend als erwartend, einige Verlegenheit zeigte. Guten Morgen, lieber B., ſagte indeſſen der König gnädig. Er hat ſich ja ſchon ſehr früh auf die Beine gemacht.

Als der General erkannte, daß Friedrich bei Laune war, er⸗ freute ihn dies nicht allein, ſondern er gründete darauf auch ſofort einen Plan, durch deſſen möglichen Erfolg er aus einer unange⸗ nehmen Verlegenheit geriſſen werden konnte.

Ja, Majeſtät, ich muß wol! antwortete er ſchnell.

So wer treibt Ihn denn? fragte der König.

Ich will mich heute mit meinen Gläubigern ſetzen! erwiderte der General.

B. hatte nämlich ſehr viel Schulden und nicht gewagt, den König um Tilgung derſelben anzugehen. Indeſſen that Friedrich bei vorkommenden Gelegenheiten mitunter, ohne gebeten zu werden, ein Uebriges, und der General glaubte, einen ſolchen Moment erfaßt zu haben. Er ſollte ſich indeſſen täuſchen.

So, ſo! meinte der König trocken,da hätte Er indeſſen immer in Berlin bleiben ſollen. In Potsdam findet Er ſchwerlich Stühle genug zu dieſem Zwecke!

Damit ritt Friedrich weiter. C. S.

Novellen von Otto Girndt.(erlin, Hausfreund⸗Ex⸗ pedition. 1, Thlr.) In dieſer Novellenſammlung unſers geſchätzten Mitarbeiters befinden ſich zwei im Hausfreund abgedruckte Novellen: Lang' iſt's her(X. Jahrgang) undDie Waffe(X. Jahr⸗ gang). Ein Urtheil hierüber brauchen wir nicht abzugeben, da wir unſere Anſicht über ihren Werth durch die Aufnahme in unſer Blatt genugſam documentirt haben. Die beiden andern Erzählungen: Y. 1 undVon zehn zu zehn Jahren ſtehen den genannten nicht nach; wir möchten ſogarY. 1 nächſtLang iſt's her für die gelungenſte erklären. Alle vier Novellen geben treue, lebens⸗ warme Bilder der Gegenwart und der Geſellſchaft, ſie beruhen außer⸗ dem auf wirklichen Thatſachen und die darin handelnden Perſonen leben zum Theil noch heute.Y. 1 hat der Verfaſſer zu ſeinem Luſtſpiel gleichen Namens(Hamburg, Otto Meißner, benutzt, daſſelbe iſt hier im königlichen Schauſpielhaus und auf allen großen Bühnen Deutſchlands mit durchgreifendem Erfolg aufgeführt worden. Das hübſch ausgeſtattete Buch iſt durch jede Buchhandlung zu beziehen, wird auch in jeder guten Leihbibliothek bereits vorräthig ſein.

Führer durch Berlin.(Berlin, G. F. Lenz. 10 Silbergr.) Es iſt kein Mangel an Führern durch Berlin; der vorliegende empfiehlt ſich durch ſein handliches Format, ſeine gedrängte Kürze und ſeine Billigkeit. Allerdings ſind auch manche Abſchnitte, z. B. Reſtaurationen und Vergnügungslocale, recht mangelhaft behandelt worden. Der Beſitzer von Vauxhall, einem der anſtändigeren Concertſäle, wird ſich nicht dafür bedanken, daß man ſein Publikum mit dem des Orpheums und der Villa nova in eine Linie ſtellt. Ueber das Dienſtmanns⸗ Inſtitut iſt gar nichts geſagt, die Omnibustouren ſind auch nicht ge⸗

nannt. Vollſtändig überflüſſig ſind die Illuſtrationen am Schluß des Vuches, dieſe ſind ſo ſchlecht, daß ſie ſich überhaupt jeder Kritik entziehen.

Trotz dieſer Mängel erfüllt das Buch ſeinen Zweck durch die oben angegebenen Vorzüge, denen noch ein ſehr ſauberer und über⸗ ſichtlicher Plan von Berlin zugerechnet werden muß.

Kleine Voſt der Redaction.

Herrn Ober⸗Steuer-Controlleur D. in 8. Der Verfaſſer wünſcht nicht ge⸗ nannt zu werden. R

Kinderlaube und die Lachtaube. Wir möchten Ihnen das letztere empfehlen.

Herrn Dr. P. in M. Man darf nichts übertreiben, legten wir gegen den Hoff⸗ Humbug nochmals eine Lanze ein, wir könnten in Verdacht kommen, ſelbſt Reckame dafür zu machen.

und führen Sie Ihren kanſtgewandten Degen gegen irgend welchen 3h 8 gen geg 8

Herrn J. M in Stettin. Leider nicht verwendbar, da nicht Hriginal.

Der Hausfrennd erſcheint achttäglich in Nummern von zwei Bogen mit ſchönen Original⸗Illuſtrationen und iſt zu beziehen für 15 Sgr. vierteljährlich durch alle Buchhandlungen, für 17 ½ Sgr.(incl. Poſtaufſchlag) durch alle Poſtanſtalten.

Verlag der Hausfreund⸗Expedition(E. Graetz) in Berlin, Kronenſtraße Nr. 21. Verantwortlicher Herausgeber: Hans Wachenhuſen.

Haupt⸗Expedition und Druc bei F. A. Brockhaus in Leipzig.

Frau v. G. in S. Unſeres Wiſſens gibt es nur zwei Kinderjournale: die