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muß er ſich ergeben!“
wiedererkennen werden;
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ſchuldig, und ich will,
Beweiſe ſind nöthig!“ rief Julia.
„Ach, verzeihen Sie, ich meinte Sie bereits abweſend!“ „Wirklich?“ bemerkte Vibert mit ſichtbarer Bitterkeit,
„ich gelte hier nichts mehr, ſeitdem man meiner Dienſte nicht
mehr bedarf.“
Dann beſann er ſich wieder, n
„Hat die ziemlich lange Unterhaltung wenigſtens eine kleine Frucht getragen?“
MNein!“
„Sie ſtehen immer noch auf dem alten Fleck?“
Ja!“
„Dann müſſen Sie die Sache von vorn anfangen!“
„Das thu' ich nicht!“
Erſtaunt über eine ſolche Antwort maß Vibert die Sprechende mit ſeinen Blicken, als dieſe plötzlich auf Vibert losſchritt und ihm zurief:
„Wiſſen Sie? Das, was wir hier vorhaben, iſt eine Niederträchtigkeit!“.
„Und weshalb denn, wenn ich fragen dürfte?“
„Weil er mich liebt und— leidet!“
„Ach ſo!“ erwiderte ebenſo außer ſich wie Julia, der Polizei⸗ Agent,„er liebt Sie, und hat es Ihnen ſveben geſagt?“
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„Und Sie glauben es ihm?“
„Ich glaube es!“
Vibert kreuzte die Arme über der Bruſt, Julia zu, und rief in rauhem Tone:
„Nun, und was genirt Sie denn, Madame?“
„Ich habe nicht das Recht, ihn derartig leiden zu laſſen!“
Vibert fixirte ſie ſcharf.
und fragte in ſanfterm
ſchritt auf
Er entgegnete mit großer Härte
und mit tiefer Stimme:
„Meinen Sie wirklich nicht dieſes Recht zu haben, einem Menſchen gegenüber, welcher Ihren Gatten gemordet hat?“
„Wenn er ihn nun aber nicht gemordet hat?“
„Ach, Sieczweifeln jetzt?“
„Ja wohl, zweifle ich“, antwortete Julia, welche das Haupt ſenkte, als ſchäme ſie ſich ihrer Schwäche.„So oft er abweſend iſt, und ich mich allein ſehe, ſcheint er mir ich muß mich rächen; iſt er aber an meiner Seite, dann glaube ich's nicht!“
Bleich, die Lippen feſt geſchloſſen, hörte Vibert die Sprechende an, ohne ſie zu unterbrechen. Dann ſagte er: „Wir müſſen uns beeilen, aus all dieſem Zweifel, aus all dieſer Ungewißheit herauszukommen! Dieſer Zuſtand iſt ſee
„ Unerträglich!“ wiederholte Julia.
„Es iſt durchaus nöthig“, begann Vibert aufs Neue, i er uns Beweiſe ſeiner Unſchuld gibt; damit iſt meine Aufgabe erfüllt ich kehre zu meiner Arbeit zurück, und habe hier nichts weiter zu ſchaffen! Iſt er aber ſchuldig, dann
„Es genügt nicht, zu ſagen:
„Dieſe Beweiſe brachte ich zur Stelle!.... Können Sie mir ſagen, welher P der Mörder Ihres Gatten ſich bediente?“
Vibert nieelt bei dieſen Worten einen Gegenſtand aus
dem Papier, den Julia, erbleichend betrachtete. „Eines Meſſers und eines Dolches!“ erhielt er zur
AQntwort.
„Freilich eines Meſſers, Madame, das Sie jedenfalls es gehörte Vidal!“
„Und dieſes Meſſer?“ fragte Julia, noch mehr erbleichend,
. nachdem ſie ihr Auge auf den Gegenſtand in Vibert's Händen
„Hat mir der Actuar des Juſtizpalaſtes anvertraut. Hier „ iſt es!“ „Was wollen Sie damit beginnen?“ bemerkte Julia
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Er muß ſich ergeben!
„Ich ſpiele es Savari in die Hand! Möglich, daß er ſich verrathen vid Wollen Sie mir bei dieſem Verſuche nicht Geſellſchaft leiſten?“
„Sehr gern“, erwiderte Julia mit Energie,„es iſt ſo⸗ gar meine Pflicht!“
Um ſieben Uhr Abends trafen Vibert, Julia und Savari im Café Anglais zuſammen. Es war daſſelbe Café, in welchem Albert Savari eine Stunde vor dem an Vidal begangenen Morde zu Mittag geſpeiſt hatte.
Die Unterhaltung glitt anfangs über ziemlich gleichgültige Dinge hinweg. Dann nahm Vibert das Wort, indem er Savari feſter ins Auge faßte.
„Rathen Sie einmal, wo ich vor einer halben Stunde war?“
„Das iſt ſchi ver zu errathen!“ antwortete der Letztere.
„In dem Seſe
„Was in aller Welt haben Sie da zu ſchaffen ge⸗ habt?“
„Ich konnte mich nicht länger halten!... Ach, ich habe dort Vieles und Manches geſehen, und ſehr merkwürdige Erinnerungen heimgetragen! Noch ſtehen ſie mir vor Augen: der Saal der(Pas Perdus», eine Kammer der Zuchtpolizei, der Saal der Geſchworenen, und jene berühmte Zelle, in welcher Marie Antvinette gefangen ſaß....“
„Ein eigenthümliches Vergnügen!“ bemerkte Savari, welcher Julia ſoeben um die Erlaubniß gebeten, ſich eine Cigarre anſtecken zu dürfen.
„Und was ſahen Sie weiter?“ fuhr er fort.
„Ich ſah verſchiedene Papiere, Anklageacte, Waffen, deren ſich die Angeſchuldigten bedient haben ſollen, unter Anderm einen Hut, den ein ſolcher auf der Flucht verloren, ein blutiges Taſchentuch, zuweilen ein Kleidungsſtück des Opfers ſelbſt und entwendete Uhren— alles Gegenſtände, welche dazu dienen ſollen, den Herren Geſchworenen über die betreffende Schandthat Licht zu verſchaffen.
„„Aber wozu dieſe Gegenſtände hier, wenn der Proceß einmal entſchieden iſt? fragte ich.
„(Einige davon ſind den Eigenthümern zurückgeſtellt worden?, antwortete mir der mich umherführende Beamte, candere ſind verkauft worden. Sie begreifen jetzt» fuhr der Mann fort,«daß der ganze Juſtizpalaſt nicht geräumig genug wäre, wenn er Alles das bergen ſollte, was ſeit Jahren darin aufgeſpeichert wird.»
„„Und wann findet der Verkauf jener Gegenſtände ſtatt? fragte ich.
„(Zu beſtimmten Zeiten, ganz in der Nähe....»
„Und nun denken Sie ſich, lieber Freund: hin und kaufte—“
„Etwa einen geſtohlenen Diamanten?“ fragte Savari, eine Rauchwolke entſendend.
„O, bei weitem etwas Beſſeres, als das!“
„Vielleicht das Kleidungsſtück irgend eines Opfers, das
z. B. eben jetzt, und zwar hier
ich ging
das Schaffot beſtiegen?“
„Nein, nein! Ich kaufe nur ſolche Sachen, die für mich einen ſittlich⸗materiellen Werth haben... utile dulci. wie der Dichter ſagt. Schauen Sie her!“
Bei dieſen Worten hob Vibert das bekannte Meſſer, das er ſo lange unter dem Tiſche verborgen gehalten, hoch empor. Julia, zur Hälfte ihres Körpers über dem Tiſche ſchwebend, betrachtete es bleich und zitternd.
Vibert dagegen fixirte, das Meſſer wieder hinabſenkend, mit äußerſter Schärfe den muthmaßlichen Mörder.
Savari zeigte Anfangs eine Art Abneigung, das ihm vorgehaltene Meſſer zu berühren. Dann aber nahm er es in die Hand, betrachtete es genau und legte es wieder bei Seite, indem er ſagte:
„Ich würde Ihnen keineswegs rathen, bei Gelegenheit
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