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uniform ſein, Du warteſt ſieben Stunden in einer ſehr ſchönen Galerie, wo Du Dich nicht ſetzen darfſt, von Zeit zu Zeit ſagt man Dir, was bei ſeiner Hoheit vorgeht. Seine Hoheit ſteht ſoeben Du mußt bei dieſen Worten niederknien, ſpäter ſagt man Dir: Seine Hoheit wird ins Bad ſteigen, Du knieſt wieder nieder. Seine Hoheit zieht ſich an, Du knieſt nochmals nieder. Seine Hoheit nimmt den Kaffee ein, und Du knieſt bei jeder dieſer einzelnen Nachrichten nieder, und mit immer ſteigender Ehrfurcht.
Endlich bringt man Dein Inſtrument, man ſchraubt die Füße ab, aus Achtung vor dem Parquetboden der Galerie, eine koſtbare Moſaikarbeit aus den ſeltenſten Hölzern. Der ungeheure Flügel wird auf fünf Türken geſetzt. Die Unglücklichen knien ineinander gebückt nieder, erdrückt von dieſer ungeheuren Maſſe. Aber, ſagſt Du, ich kann nicht auf einem Flügel mit fünf Türken ſpielen; man glaubt, daß Du zögerſt, weil das Inſtrument nicht gerade ſteht, nimmt ein Kiſſen, und legt es dem kleinſten Türken unter die Knie. Sobald das Inſtrument auf dieſe Weiſe gerade geſtellt iſt, ladet man Dich zum Spielen ein. Man läßt ſich nicht träumen, daß ein Menſchlich⸗ keitsgefühl Dich abhält; Du biſt gezwungen, dieſes Feingefühl der Civiliſation zu erklären, und das dauert ſehr lange.
Endlich ſchraubt man an Deinen Flügel wieder ſeine eigentlichen Füße an, der Sultan erſcheint. Nach allen möglichen feierlichen Begrüßungen, befiehlt man Dir zu ſpielen, Du bitteſt um einen Stuhl, es gibt keinen Stuhl, man ſetzt ſich niemals in Gegenwart ſeiner Hoheit. Nun, ſagſt Du, man kann nicht Klavier ſpielen, wenn man nicht ſitzt. Endlich hat der Sultan Erbarmen mit Deinen Qualen, und läßt Dir einen Sitz geben. Du ſpielſt, und er hört Dir zu; er bewundert Dich, denn er iſt Kenner, er iſt ein Schüler von Donizetti's Bruder, der in Konſtantinopel wohnt, und Muſiklehrer des Sultans iſt. Der Sultan kann Klavier ſpielen, was verlangt man mehr?
Aber es ſind ſehr viele Veränderungen, ſeit jener Zeit vorge⸗ gangen, und unſere Sitten fangen an bei den Türken durchzudringen, hauptſächlich in den Regierungskreiſen. D.
Eine Theater⸗Vorſtellung in San-Francisco.
Mancher alter Californier wird ſich noch des erſten ſchwachen Berſuchs erinnern, den die Deutſchen in San⸗Francisco machten, um dort ein deutſches Theater zu errichten. Statt ſich nun mit kleineren Sachen, wie Poſſen und Luſtſpielen, zu befaſſen, gab man thörichter Weiſe größere und ſchwerere Stücke, was bei einer Geſellſchaft, die nur aus Dilettanten beſtand, eine Lächerlichkeit wurde.
So wurden im Anfange der funſziger Jahre an einem Sonn⸗ tage„die Räuber“ aufgeführt, und trotz der bedeutenden Mittel, die dieſes Stück erfordert, mit Seelenruhe zu Ende geſpielt. Das Publikum, welches größtentheils aus Goldgräbern beſtand, nahm es mit der Aufführung nicht ſo genau, wenn es ſich nur amüſirte, und ſelbſt mitſpielen konnte. Die Amalie gab eine Frau F., die Frau eines Lehrers, welche in der beſten Stelle des Stückes ſtecken blieb und nicht weiter ſpielen konnte. Außerdem paſſirte ihr das Unglück, daß, als ſie Franz Moor's Dolch aus der Scheide ziehen wollte, derſelbe nicht herausgehen wollte, weil er zu verroſtet war. Franz rief ihr zwar zu, den Dolch herauszuziehen, aber Amalie entgegnete:„Er iſt zu eingeroſtet!“ Als das Räuberlied geſungen werden ſollte, waren die Räuber nicht aufzufinden, und erſt nach längerem Suchen fand man ſie in einem benachbarten Bierlocal; wo ſie des Guten zu viel gethan hatten, ſo daß, als man ſie auf die Bühne brachte, ſie kaum ſtehen konnten. Der alte Moor, welcher im Thurm ge⸗ fangen ſaß, ſang ruhig mit:„Ein freies Leben führen wird“, um nur die Räuber ein wenig im Tact zu erhalten, was ihm auch ſo ziemlich gelang. So weit ging Alles ziemlich gut, doch fiel leider der Thurm um, wo der alte Moor gefangen ſaß; trotzdem ſah man ihn ruhig weiter ſingen, weil er den Umſturz des Thurmes nicht gleich bemerkt hatte, was mit einem brüllenden Gelächter des Publikums belohnt wurde.
Als in den letzten Scenen Daniel(im bürgerlichen Leben ein Cigarrenhändler), mit Karl Moor, einem biederen Hamburger, auf der Bühne ſtand, wurde es dem guten Daniel zu ängſtlich, er lief durch die Hinterthür aus dem Theater, was aber von einem großen Theile des Publikums bemerkt wurde, welches hinter ihm herlief. Da die Straße, wo das Theater ſich befindet, ziemlich ſteil iſt und dem unglücklichen Daniel ſein Degen zwiſchen die Beine kam, ſo fiel er nieder, wurde aber von dem nachfolgenden Publikum aufgehoben und im Triumph nach einer benachbarten Schenke getragen. Der biedere Karl Moor, dem die Zeit zu lang wurde, und der allein nicht weiter ſpielen wollte, trat vor und ſagte zum Publikum, welches noch der Dinge harrte, die da kommen ſollten, mit Stentorſtimme:„Meine
Herren, wenn Sie glauben, daß ich die Räuber allein ſpielen ſoll, ſo irren Sie ſehr, daß kann ich ganz gewiß nicht!“ Das Publikum war darüber ſo verblüfft, daß es gar nichts ſagte und langſam ſich aus
So endete dieſe erſte Aufführung von Martin Ezechel.
dem Theater entfernte. Schiller's Räubern in San⸗Franciscv.
*„ Der Componiſt Verdi.
Wie franzöſiſche Zeitungen melden, hat Verdi, der Componiſt des Troubadour ꝛc., ſeine Reſidenz in Genua aufgeſchlagen. Die Municipalität dieſer Stadt wollte ihm ein Zeichen ihrer hohen Ver⸗ ehrung geben; ſie faßte den Beſchluß, ſeinen Namen in das goldene Buch der Stadt einzuſchreiben und ihm das Ehrenbürgerrecht derſelben zu verleihen. Gleichzeitig ſoll eine der Straßen Genua's Via Verdi getauft werden.
Das Genie des großen Mannes kündigt ſich meiſtens ſchon vor Beginn ſeiner eigentlichen Laufbahn, durch gewiſſe vorherverkündende Zeichen an, die keineswegs den gerade Geltung habenden Regeln des Anſtandes, Gehorſams oder Reſpects vor ern Perſonen entſpre⸗ chen. Man kann dieſelben vielleicht paſſend mit entferntem Wetter⸗ leuchten oder dem Grollen fernen Donners vor Ausbruch eines Ge⸗ witters vergleichen. Doch wie nicht alle ſich ankündigenden Wetter wirklich zum Austoben kommen, ſo wird auch dem Genie nicht immer erlaubt, ſich zu entfalten, und ſehr häufig ſcheitert daſſelbe eben an jenem erſten abnormen Ausdruck, wenn ihm nämlich nicht die rich⸗ tige Würdigang zu Theil wird. Dieſem Schickſal hätte auch ſehr leicht der berühmte ſchwediſche Feldherr des dreißigjährigen Krieges, Torſtenſon, verfallen können, weni verletzte Autorität und fürſtliche Unfehlbarkeit in einer gewagten genialen Keckheit nichts als Un⸗ gehorſam und Frechheit gefunden hätte. Torſtenſon befand ſich 1624 während des polniſchen Krieges im Gefolge Guſtav Adolph's als Page. Am Tage einer Schlacht hatte der König alle ſeine Adju⸗ kanten bereits mit Befehlen entſendet und ſah ſich deshalb gezwungen, in Ermangelung eines ſolchen, zum Ueberbringer eines nöthig ge⸗ wordenen neuen Befehls den Pagen zu wählen. Der ſechzehnjährige Jüngling ſprengte davon. Nachdem er ſich entfernt, machte jedoch der Feind eine andere als die vom Könige vermuthete Bewegung, die nicht allein das dieſſeits auszuführende Manöver überflüſſig, ſondern ſogar im höchſten Grade verderblich machen mußte. Guſtav Adolph konnte ſeinen Platz nicht verlaſſen und erwartete beſorgt den Ausgang der nunmehr unangemeſſenen Evolutionen. Zu ſeinem nicht geringen Staunen erkannte er jedoch, daß der General, dem er ſo⸗ eben ſeine Befehle zugeſendet, vollkommen entſprechende und deshalb ſehr bald günſtig wirkende Manöver ausführte. Bald darauf kommt der Page zurückgeſprengt und meldet ganz keck:
„Sire, verzeihen Sie! Der Feind hat ſeinen Marſch verändert ich den Befehl!“
Der König bemerkte keine Silbe auf dieſe ebenſo unangemeſſene Meldung wie über die faſt beiſpielloſe That des kecken Pagen. Doch nach gewonnenem Siege ernannte er den jungen Mann zum Fähn⸗ rich in der Garde, und bereits vierzehn Tage ſpäter, nach neuer Auszeichnung, verlieh er dem Jüngling eine Compagnie. Torſtenſon commandirte bereits ein Regiment, ehe er zwanzig Jahre zählte, und ſeine Anlage zum Feldherrn bewährte ſich hinreichend im dreißig⸗ jährigen Kriege.
Wie ganz anders dürfte die Laufbahn des jungen Mannes ge⸗ weſen ſein, wenn der König ihn nicht durchſchaut und die bei ihm entdeckten Fähigkeiten zugleich gewürdigt hätte! Pe
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Zu den ſonderbarſten Erſcheinungen in der Menſchenwelt gehört der im Jahre 1506 geborene König Ludwig II. von Ungarn. Er ward ohne Haut geboren— im Jahre 1508, alſo zwei Jahre alt, ge⸗ krönt, und ſuccedirte im zehnten Jahre. Im vierzehnten Jahre wuchs ihm der Bart, im funfzehnten ward er vermählt, im achtzehnten be⸗ kam er eisgraue Haare, und im zwanzigſten Jahre(526) fiel er in der Schlacht bei Mohacz. Das Ganze erſcheint als eine complete „Ueberſtürzung des Lebens.“ T.
Kleine Poſt der Redaction.
Miss Gt. Dwyer in Bedford in England.— Leider nicht verwendbar.
Herrn Advokat Dr. K. in E.— Es fehlt uns an Quellen, Ihren Brief er⸗ ſchöpfend zu beantworten, aber wir können Ihnen nur rathen, ſich an das genannte Inſtitut zu wenden.
Herrn Aſſeſſor F. L. in C.— Ihr Wunſch wird in nächſter Nummer erfüllt, wegen der Gedichte müſſen wir bei unſerm Schreiben vom 15. d. M. bleiben.
Der Hausfreund erſcheint in Bänden von je 16 Heften mit humoriſtiſchen
Bildern illuſtrirten Umſchlag elegant geheftet.
a 6 großen Bogen mit ſchönen Original⸗Illuſtrationen, mit einem
Preis pro Heft 5 Sgr.
Verlag der Hausfreund⸗Expedition(E. Graetz) in Berlin, Kronenſtraße Nr. 21. Verantwortlicher Herausgeber: Hans Wachenhuſen.
Haupt⸗Expedition und Druck bei F. A. Brockhaus in Leipzig.
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