Jahrgang 
1867
Seite
717
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¹ Des Friedens Recht. (1648.)

i Der Thurm iſt ſchon verfallen, die Kirche längſt iſt leer, Der Bruder Glöckner irret allein hier noch umher.

Das Kloſter ward verwüſtet der Schwede raubt' es aus

Und ließ zuletzt den rothen Hahn krähen auf dem Haus.

it Die Flamme, wie beſprochen, hat nur am Thurm geleckt, Dort ſaß der Bruder Glöckner im Glockenſtuhl verſteckt. Drei Tage raucht' und qualmt'es dann wagt'er ſich hinab; Er ſand die Brüder erſchlagen und trug ſie all' zu Grab.

So harrt er vierzehn Jahre am öden Ort gebannt Da einſt hört er ein mächtig Läuten im ganzen Land: Das treibt auch ihn zu greiſen mit alter Kraft zum Strang, f

Als müßt' er ſelbſt die Todten rufen zum Lobgeſang. Und ſieh! da naht auch Einer doch iſt's ein Mann von Stand,

Halb Krieger und halb Schreiber, trägt ein Papier in der Hand. Wer ſeid Ihr? alſo ſpricht er,daß Ihr die Glocke rührt? Leſit dies Proclam, dies Kloſter iſt ſäculariſirt.

Was heißt das? ruft der Alte.Dein Wort verſteh' ich nicht. Ich bin des Kloſters Glöckner und lebe meiner Pflicht;

Ich hörte von dem Frieden und läutet' ihn mit ein;

Gottlob! dies Haus wird wieder bald reich und mächtig ſein! Ha, Mönchlein! lacht der Schreiber,ſetz' dich nur nicht zur Wehr;

Das Stift ward Herzogs Eigen braucht keinen Glöckner mehr.

Der Frieden, den du läuteſt, blüht für ein neu' Geſchlecht,

Dich treibt er in die Fremde das iſt des Friedens Recht. Des Friedens Recht?.. Der Glöckner reckt noch einmal die Hand,. Die Glocke kreiſcht, ihr Klöpfel rollt heiſer längs dem Rand. Ein Ruck da kracht die Glocke mitſammt dem Steine nieder: Erſchlagen liegt der Schreiber den Mönch ſah Keiner wieder. M. Int. Miendork.

ſi ſiz