t
Rückſtande: von ihm hatte Vibert, laut der Schuld„aufs Wort“, vierzehntauſend Franes zu fordern.
Das Spiel war zu Ende; man erhob ſich, ſtreckte Arme und Beine aus, und nun erſt empfand Jeder tauſend ver⸗ ſchiedene Ermüdungen, die er in der Fieberhitze des Spiels unbeachtet gelaſſen.
Gleichzeitig ſandte durch zurückgezogene Vorhänge die Sonne ihre Strahlen in den Salon und beſchämte alſo die erlöſchenden Kerzen.
Man betrachtete ſich und fand ſich über alle Maßen häß⸗ lich. Die Damen vor Allen boten einen hinlänglich ent⸗ täuſchten Anblick: das Weiß des Teints, das Roth, womit ſie ſich am Vorabende geſchmückt, das Schwarz, welches dazu dienen ſollte, ihre Augen zu vergrößern, Alles dieſes, bei
———
Licht faſt gar nicht ſichtbar, aber nicht geeignet, den Glanz des hellen Tages zu ertragen, verlieh ihnen ein ganz ſonder⸗ bares Ausſehen.
Bevor ſich Savari bei Vibert verabſchiedete, fragte er dieſen:
„Wo werde ich Ihnen den Betrag meiner Schuld zurück⸗ zahlen können, mein Herr?“
„Wenn Sie ſo gut ſein wollen, in der Rue Richelieu, im„Hötel des Princes“, wo ich intermiſtiſch wohne“, er⸗ widerte, ohne zu ſtocken, der Polizeiagent, welcher ſich auf dieſe Frage verließ.
Sie grüßten ſich freundlich, und entfernten ſich nach ver⸗ ſchiedenen Richtungen.
Müde und abgeſpannt ſchleppte ſich Vibert aus der Rue Blanche, konnte aber trotz ſeiner Ermattung nicht ſchlafen; ſelten übrigens auch vermag es ein Spieler, welchen das Glück begünſtigt hat: er zählt ſein Geld und überläßt ſich ſinnend tauſend Narrheiten— natürlich bleibt er munter.
Wachenhuſen's Hausfreund. X. 15.
Pariſer Welt⸗Ausſtellung.— Der Palaſt des Bey von Tunis.
Wer dagegen mit Unglück geſpielt, der ſchläft gewiß ein— er träumt, zu Hauſe angekommen, einen ſchweren Traum; er vergißt auf dieſe Weiſe wenigſtens für eine kurze Zeit ſeinen Verluſt.
Wir dürfen Vibert indeß keineswegs zu den glücklichen Spielern zählen. Nicht die Freude über ſein Glück hielt ihn wach, ſondern die freudige Ueberzeugung, die nächſten Hinder⸗ niſſe ſeines ſchwierigen Unternehmens beſeitigt, und den erſten Sieg errungen zu haben. Er trug kein Verlangen danach, mit Hülfe ſeiner Banknoten irgend einer Laune zu fröhnen; er rief vielmehr:„Savari befindet ſich in meiner Gewalt! Von mir hängt es ab, ihn einkerkern zu laſſen, noch bevor man ihn ins Eriminalgefängniß abgeführt! Ich bin ein ge⸗ fährlicher Unterſuchungsrichter, denn ich verfüge über Zeit und
Raum; mir geht überdies eine Frau an die Hand, deren Kraft ich beherrſche, eine Frau, welche mein Vorhaben ungleich mehr intereſſirt, als mich ſelbſt! Mein Geld endlich ſetzt mich in den Stand, mich ſo glänzend wie nur immer möglich ein— zurichten und hinſichtlich meiner Identität einen Jeden zu täuſchen!“
So mit ſich ſelbſt redend, gelangte Vibert durch die Straße Chauſſee⸗d'Antin auf den Boulevard. Sein Haupt ſchien ihm leichter, ſeine Füße waren wieder gelenkig geworden.
Er entwarf einen neuen Plan, und beeilte ſich, ihn ſo⸗ fort auszuführen. Er ſprang in die nächſte Droſchke und fuhr nach ſeiner ärmlichen Wohnung in der Straße lArbre⸗Sec. Hier, im fünften Stock, ordnete er ein wenig ſeine Toilette und verſteckte an einer ſicheren Stelle ſein Geld. Hierauf eilte er in die Rue de la Paix.
Julia Vidal erwartete ihn.
Vibert erzählte ihr Alles, was ihm noch nach Mitternacht bei Madame d'Ermont begegnet war, und theilte ihr ſeinen neuen Plan mit, welchen ſie gut hieß.
90


