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erfolge mit Zuverſicht rechnen dürfe. Der Director Hanow erkennung hat, als ihr Gemahl in den reich geſegneten Kreiſen
dankte jedem Einzelnen tiefbewegt. Eine Jubel⸗Cantate für ſeiner Wirkſamkeit. Chor⸗ und Sologeſang mit Begleitung des Orcheſters, welche Nach dem Feſtdiner wurde unter dem bekannten Ceremo⸗ niell und mit einer Reihenfolge trefflicher Denkſprüche der Grund⸗
der Muſikdirector Gäbler für die Feier componirt hatte,
6 bildete mit ihren melodiöſen Solis und ihrer prächtigen ſtein zu dem neuen Hauſe gelegt. Möge der Geiſt, der in t. Schlußfuge den würdigen Abſchluß des Feſtactus. den alten, zerwitternden Fachwerken herrſcht, auch in ihm Der Reſt des Tages wurde buchſtäblich verjubelt: ſolennes weilen und es zu einer Stätte machen, wo die Schüler dem Diner mit mehr Champagner als gut iſt, Feſtturnen, bei dem Lehrer aus freiem Antriebe Liebe und Verehrung entgegen
ſich ein älterer Herr zum Ueberfluß noch einen Korb mit tragen können. Der Abend war zunächſt dem geſelligen Zuſammenſein
n Champagner erſprang, Ausſlüge nach den Weinbergen, deren Lage und Ausſicht über den Ruf der gepreßten Traube weit in dem hübſchen kleinen Park der Inſtalt, der Penſionär⸗ nn einem Tanzvergnügen in der
erhaben iſt, endlich ein recht anſtändiger Fackelzug mit einem garten genannt wird, da Aula gewidmet. Für unſre Jahre paßt wol das nunc est
Fabrikat, das die doppelte Rauchkraft der Pechfackel ent⸗ wickelte, jeder Mann eine Locomotive. pibendum, aber nicht mehr das nune pede libero pulsanda t dem Feſtgottesdienſt in der tellus. Laßt ſie tanzen! Wir hatten einen Jugendfreund
3 Der zweite Tag begann mi Kirche der Anſtalt. Paſtor Marquard, Prediger des Waiſen⸗ gefunden, der anderthalb Meilen von Züllichau mit doppelten Rittergütern geſegnet iſt und außerdem unſere Jugendſünden
hauſes und Lehrer am Pädagogium, ein Veteran aus den Freiheitskriegen, aus denen er als Lieutenant heimkehrte, im in Hexametern in treuem Gedächtniß behalten hat. Kann übrigen aber ein Redner voll Kraft und Feuer und fremd man ſchwanken zwiſchen ſolcher Huldigung vor dem dichteri⸗ aller orthodoren Verhimmelung, hielt die Feſtpredigt. Das ſchen Genius und der Ausſicht, beim Tanzen unwillkommener n Feſtdiner wurde in der Aula abgehalten. Den üblichen zu ſein, als die rüſtigen Primaner und tapfern Ulanen? 8 Toaſt auf den König brachte der Director Hanow aus; Ab⸗ Gewiß nicht. Wir ſind nicht an Anerkennung gewöhnt und geordneter Wachsmuth ein Hoch auf die Frau Directorin, nehmen ſie auf dem wackeren Herrenſitze an. Vale Zuellicha- 3 eine Dame, die in ihrem ausgedehnten wirthſchaftlichen Reſſort via, valete Commilitones. Wir fahren mit unſerm Guts⸗ K und in ihrer Mühewaltung um die der Anſtalt anvertrauten herrn, noch dazu Einem, der immer ſtandhaft für Wachsmuth
Waiſen kaum ein minderes Anrecht auf die allgemeinſte An⸗ geſtimmt hat.
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16 Pariſer bilder.
I. Clichy iſt nicht mehr!
Clichy, das berühmte, berüchtigte Clichh in Paris iſt nicht wie allgemein anerkannt iſt, unter allen Umſtänden wie ein
e mehr, und der 18. Juli wird in mancher Familie ein unver⸗ großes Unglück betrachtet werden muß.
it geßlicher Freudentag ſein. Dieſe beiden entgegenſtehenden Meinungen bekämpfen ſich
h Was iſt Clichy? Du wirſt davon geleſen, gehört haben, in unſern civiliſirten europäiſchen Staaten bereits ſeit ſo
d lieber Leſer. Es iſt in der Mehrzahl der franzöſiſchen Romane lange, als man überhaupt zu der Einſicht gekommen iſt, daß
und Sittenſchilderungen davon die Rede, als von dem unfrei⸗ Jedermann frei ſein müſſe, um ungehindert ſeine Menſchen⸗
in willigen Aufenthaltsort ſorgloſer Genies, inſolventer Geſchäfts⸗ und ſpeciell ſeine Bürgerrechte zu üben. Da der ganze
n leute, Ariſtokraten, die mit ihrem Gelde nicht ausgekommen, Geſchäftsverkehr unſerer Nationen auf einem unumgänglichen
. Unglücklicher, die vom Schickſal verfolgt werden, und endlich gegenſeitigen Vertrauen beruht, ſo ſagen alle Geſchäftsleute:
einer ganzen Reihe von unbezeichenbaren Menſchen, die das wir können und dürfen keinem unſerer Nächſten Vertrauen
d Unglück hatten, zu borgen, um nicht wiedergeben zu können. ſchenken, wenn wir nicht das Recht haben, ihn einſperren zu
Mit einem Wort: es iſt das Pariſer Schuldgefängniß. laſſen, ſobald er dieſes Vertrauen misbraucht, wir können alſo Es gibt Leute, die der entſchiedenen Ueberzeugung ſind, hinfort keine Geſchäfte mehr machen, wenn die Baſis aller
daß Schuldgefängniſſe nothwendig, um leichtſinnige, ſäumige Geſchäfte, das Schuldgefängniß, aufgehoben wird. Jammervolle Welt, die das Schuldgefängniß zum Funda⸗
oder böswillige Schuldner zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen
1 e anzuhalten. Sie mögen von ihrem Standpunkt aus Recht ment ihres Verkehrs gemacht! 6 haben; jedenfalls gehören die meiſten von ihnen zu der Klaſſe Aber iſt dem etwa nicht ſo? Gibt es einen anderen e Derer, die Geld haben, die Geld oder Waaren verborgen, Grund, die Schuldgefängniſſe zu erhalten, die mit den er die eine Beruhigung darin ſehen, ihre Schuldner durch ein conſtitutionellen Principien unſerer modernen Staaten doch im er letztes Mittel zur Zahlung zwingen zu können. ſchreiendſten Widerſpruch ſtehen? Haben wir dieſen Grund 1 Dahingegen gibt es Leute, die da ſagen: wie darf in nicht aus allen Reden der preußiſchen Kammer gehört, welche einem freien, civiliſirten Staate ein Menſch das Recht haben, dieſelbe veranlaßten, über die Sache zur Tagesordnung über⸗ ſeinen Nächſten, den er doch nach der chriſtlichen Lehre lieben zugehen, alſo Alles beim Alten zu laſſen? n ſoll wie ſich ſelbſt, ſeiner Freiheit zu berauben, die Familie Ja noch mehr: die preußiſche Regierung, die ſich einſt⸗ deſſelben brotlos zu machen, nur um ſchnöden Geldes willen, weilen gegen Abſchaffung der Schuldgefängniſſe erklärte, ſie während doch der Staat ſelbſt, die Regierung keinen Staats⸗ ſorgte dafür, die Schuldgefangenen in ein wirkliches Ge⸗ . bürger einſperren darf, es ſei denn, er ſei eines Verbrechens fängniß umzuwandeln, als es ihr erſchien, daß dieſe Unglück⸗ dringend verdächtig oder gar überwieſen? lichen ein viel zu angenehmes und ſorgloſes Leben in dem Auch dieſe Leute haben Recht, gewiß noch viel mehr Recht bekannten„Möſersruh“ führten. 4 als die vorigen, denn inſofern die Freiheit das höchſte Gut Inzwiſchen dachte Napoleon III., wie er ſelbſt in einer 2 des Menſchen, ſteht das Geld nothwendig unter dieſem Gut ſeiner letzten Reden äußerte, darüber nach, wie er die Frei⸗ 1 und darf die erſtere nicht verletzen. Niemand iſt gezwungen, heit ſeines Volkes immer mehr ausbauen könne. einem Andern Geld oder Geldeswerth zu borgen; wenn er Er fand bei dieſem Nachdenken, daß es eine unglückliche es thut, ſo iſt das ſeine eigene Schuld, er hat ſich unter Klaſſe von Menſchen gebe, die aus keinerlei politiſchen hundert Fällen durch Gewinn⸗ oder Habſucht, ſehr ſelten durch Gründen im Kerker ſchmachteten, deren ganze Schuld darin Edelmuth dazu verleiten laſſen, und die Behörden des Staats beſtand, daß ſie kein Geld hatten. dürfen nicht die Verpflichtung haben, ſeiner Habſucht noch ihren Es kam ſonach in dem Geſetzgebenden Körper von Frank⸗ Arm zu leihen, einen Staatsbürger ſeiner Freiheit zu berauben, reich die Frage auf das Tapek, ob es mit den Grundſätzen weil er ſchon unglücklich genug iſt, kein Geld zu haben, was, der freiheitlichen Völker in Einklang zu bringen, daß außer —————— S——————————
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