Jahrgang 
1867
Seite
687
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England dieſe Unterſtützung zu finden hoffte, denn er nahm ſeinen neuen Freund zu dieſem Zweck mit nach London.

Die dortige geographiſche Geſellſchaft verſprach Gerard auch wirklich Geld, Leute und Waaren zu einer Expedition nach Timbuctu, welche die Wüſte in commerciellen Zwecken ausbeuten ſollte.

Wie das aber oft geſchieht, machte ſie hinterdrein Schwierig⸗ leiten. Die Geſellſchaft äußerte die Anſicht, man müſſe, um in der Wüſte Handelszwecke zu verfolgen, erſt einen Pionnier vorausſchicken, der das Land erforſche. Man rieth ihm, erſt allein zu gehen, und Gerard ging, um nicht wieder zu kommen.

Jetzt kam Pertuiſet auf den Gedanken, eine gleiche Reiſe zu unternehmen, das Land zu erforſchen, den Löwen zu jagen und dann die Jäger Europas zu einer großen Expedition zu ſammen zu rufen.

Pertuiſet reiſte im Januar 1865 nach Algerien.

In Philippeville angelangt, erzählte man ihm von zwei Löwen, die man bei St.⸗Charles geſehen haben wollte. Er begibt ſich dorthin und legt ſich die Nacht hindurch auf die Lauer.

Man muß, wie Schreiber dieſes, ſein Zelt des Nachts in der großen Steppe aufſchlagen, muß die unermeßlichen Stimmen der Natur gehört haben, welche zeitweiſe die Stille der Nacht durchdringen, um ſich in Pertuiſet's Erzählungen hinein denken zu können.

Gebrüll und Geſchrei erhob ſich auf allen Seiten um ihn, während er auf dem Anſtand. Er hörte das Geſchrei der Hyänen, der Schakale, der Raubvögel, er hörte den eigenen Herzſchlag, während er den Feind erwartete.

Dieſer kam nicht.

Pertuiſet zog weiter nach Jemmappes, legte ſich auch hier Nächte hindurch auf die Lauer, bald am Rande der Waldungen, bald in einer Lichtung, ſcharf umherſpähend, mit offenem Ohr auf jedes Geräuſch lauſchend.

Endlich, nachdem er dreißig Nächte vergeblich gewartet, vernahm er das Gebrüll eines Löwen gegen 1 Uhr morgens. Er kam näher, endlich bis auf zwanzig Schritte.

Es war, wie Pertuiſet ſagt,als zitterten die Berge und als ſpieen ſie alle Teufel und böſen Geiſter aus.

Faſt gleichzeitig ließ ſich ein zweites Gebrüll auf der entgegengeſetzten Seite vernehmen; mit ihm erhob ſich auch das Geſchrei der Männer, Weiber und Hunde aus dem be⸗ nachbarten Duar(Zeltdorf.) Pertuiſet eilte in dieſe Richtung; Gebrüll entfernte ſich wieder; die Löwen zogen ſich zurück.

Müde des vergeblichen Wartens in der Nacht, beſchloß Pertuiſet, ſeinem Feind bei Tage aufzulauern.

In den Wäldern von Martineau, erzählt er, an den ſcharfen, waldigen Abhängen des Feds⸗el⸗Fehul befand ſich ein Löwenlager. Pertuiſet nahm ein Dutzend arabiſche Treiber mit ſich, die, während er ſich in einer Keinen Lichtung auf den Anſtand begab, in welcher die Spuren der Löwen zu ſehen waren, mit Geſchrei die Gebüſche durchziehen mußten.

Wirklich ließ ſich ſchon nach wenigen Minuten ein dumpfer Lärm im Gebüſche hören, und in den nächſten Minuten trat bereits, auf dreißig Meter Entfernung, ein enormes Löwen⸗ paar in die Lichtung.

Ich wählte, erzählt Pertuiſet, den günſtigſten Moment, legte die Büchſe an die Backe, zielte und drückte ab.

Das Zündhütchen brannte ab, unerklärlicherweiſe aber blieb die Kugel im Laufe. Bei dieſem Knalle hielten die

beiden Löwen inne, blickten mich mit glühenden Augen an

und ſetzten ihren Weg fort. In demſelben Augenblick fiel mein zweiter Schuß.

Der zwiſchen der Löwin und mir ſtehende Löwe ſtieß ein wüthendes Gebrüll aus. Mit einem Sprunge fiel der Löwe fünf Meter von mir entfernt vor mir hin, während die Löwin ſich rechts hinbog.

Ich geſtehe, mir erbebte einen Augenblick das Herz. Die Löwin, verſteckt zu meiner Rechten durch das Gebüſch, ſtieß wenige Schritte von mir ein fürchterliches Geheul aus, während der Löwe vor mir mich anſtarrte.

Mich zurückziehend, glaubte ich meine zweite Büchſe zu ergreifen, faßte aber das mit Blei geladene Jagdgewehr. Ich erkannte mit Entſetzen meinen Irrthum und war überzeugt, daß ich verloren ſei. Zu meinem Erſtaunen aber trat der Löwe den Rückzug auf drei Füßen an und verſchwand, ehe ich meine zweite Büchſe ergreifen konnte, in dem Gebüſch.

Mein Erſtaunen über dieſe Feigheit war groß. Tiefe entſetzliches Schweigen herrſchte einige Secunden um mich her. Da kamen meine Araber und erzählten mir, der Löwe müſſe getödtet ſein, das beweiſe ſein Geheul.

Wirklich ließen mich danach drei große Blutlachen glauben⸗ daß der Löwe tödlich verwundet worden. Das Gebüſch war ſo dicht, daß es unmöglich, der Blutſpur zu folgen. Zudem ſürchtete ich, daß der Löwe noch im Stande ſein könne, ſich zu vertheidigen, und jedenfalls war es klüger, ihn ruhig ſterben zu laſſen, als ihn auf einem Terrain von Neuem anzu greifen, auf welchem jede meiner Bewegungen durch das Dickicht gehindert waren.

Ich beſchloß daher, am andern Morgen mit meinen Arabern zurückzukehren und uns mit Aexten zu bewaffnen, um uns einen Weg in das Dickicht bahnen zu können.

Zwei Tage hindurch ſuchten wir vergebens, wohl aber überzeugten wir uns durch die Spuren, daß der Löwe nicht ganz unſchädlich gemacht worden ſei. Später erſt fanden wir ſeine Leiche.

In ähnlicher Weiſe erzählt Pertuiſet ſeine letzte Jagd in einem Fach⸗Journal, demDerby!

Etwa hundert Meter von Barral war am Abend des 23. April eine Löwin geſehen worden, die eben im Begriff, ein Pferd zu zerreißen. Ich begab mich in dieſe Gegend und an den bezeichneten Ort. Die Spuren überzeugten mich, daß es eine Löwin und zwar ein erwachſenes Thier ſei.

An demſelben Abend legte ich mich in kurzer Ent⸗ fernung von dem Pferdegerippe auf den Anſtand.

Gegen 8 Uhr hörte ich die Löwin ein mattes Gebrüll ausſtoßen. Sie näherte ſich, um den Reſt ihrer Beute zu verſpeiſen.*

Dennoch ließ ſie mich lange warten. Es ward Mitter⸗ nacht. Schon war ich halb entſchloſſen, meinen Platz zu ver⸗ laſſen.

Da vernahm ich in ganz entgegengeſetzter Richtung ein Gebrüll, das dem erſten durchaus nicht ähnlich. Es war zu laut und anhaltend, mußte alſo von einem Löwen herrühren.

Bald hörte ich auch ſchwere Tritte. Es war, als nähere ſich eine Rinderheerde. Das Auge geſpannt, die Büchſe bereit zum Schuß, ſtand ich da.

Plötzlich trat in die Lichtung eine junger Löwe, der ſich ahnungslys mir näherte.

Das Thier befand ſich in einer Entfernung von etwa ſechs Schritt, als plötzlich an ſeiner Seite ein gigantiſches Thier, ein alter Löwe auftauchte.

Schneller als der Gedanke die Richtung wechſelnd, jagte ich ihm meine Kugel gerade in den Kopf.

Ein fürchterliches Gebrüll antwortete meinem Schuß. Die beiden Löwen ſprangen zur Seite, der Pulverdampf wölkte ſich aber ſo dicht vor meinen Augen, daß ich nicht im Stande war, ihnen einen zweiten Schuß zu ſenden.

Ich hörte beide Löwen fliehen; die Zweige des Gebliſches knackten unter ihren Füßen.

Einige Minuten hindurch erdröhnte das Gebirge von dem mit Heulen untermiſchtem Gebrüll der Löwen, welchem aus verſchiedenen Richtungen andere Löwen wie ein tolles Echo antworteten. Dann ward Alles wieder ſtill.

Noch in der Nacht nach Barral zurückkehrend, weckte ich zwei von meinen Leuten aus dem Schlaf und mit Tagesan⸗ bruch begaben wir uns, Jeder mit einer Büchſe bewaffnet, an den Ort zurück.

Wenige Meter von der Stelle begann die Blutſpur; weiterhin befand ſich eine große Lache, die Stelle bezeichnend, wo der getroffene Löwe zuerſt hingeſunken. Von hier ab zeigten ſich an verſchiedenen Stellen Blutſpuren. Schon glaubten wir,