Die Uhr. Rrrrrrrrrr! Die Katze(ſpitzt die Ohren). Was mag das für ein Geräuſch ſein? Die uhr ſchlägt halb.) Sonderbar! Die Uhr.
Tiktak, tiktak, tiktak!
Die Katze.
Was mag denn dieſes ewige Tiktak nur bedeuten!(Sie öffnet die Augen halb.) Und dieſe Maſchine da, an der ſich das Ding da unauf⸗ hörlich hin und her bewegt!
Die Uhr. Tiktak, tiktak, tiktak! Die Katze (der ſo viel Gedanken durch den Kopf gehen, daß ſie nicht ruhig liegen bleiben kann, erhebt ſich, zieht ihre Beine an und macht einen Buckel).
Es iſt doch nichts ermüdender, als das Nachdenken!(Sie ſpaziert umher, denn ſie weiß, daß das die Gedanken in Schwung bringt). Die Uhr. Tiktak, tiktak, tiktak! Die Katze. Dieſe Maſchine da wird wirklich langweilig!
Die Uhr. Rrrrrrrrrrr! Eins, zwei, drei, vier, fünf, ſechs, ſieben, acht, neun, zehn, elf. Die Katze.
Zu was nur die langen Fäden ſein mögen, die da an dieſer Maſchine herab hangen! Sehen wir einmal nach!(Sie poſtirt ſich vor
die Uhr). Die Uhr.
Tiktak, tiktak, tiktak!
Die Katze.
Tok!(Sie gibt den Uhrgewichten einen Schlag mit der Pfote.) Dieſe Stricke ſind gewiß nur da, damit ich daran ſpielen kann! Amuſiren wir uns! Tok! Tok!(Gibt den Gewichten wieder zwei Schläge mit der Pfote.) Ein bischen Ghymnaſtik kann nicht ſchaden!(Springt nach den Bindfäden der Gewichte, fällt auf ihre Pfoten zurück und ſtellt ſich hin, um den Effect zu be⸗ trachten.) Ah, jetzt ſteht der Perpendikel ſtill! Es iſt doch hübſcher,
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— wenn er hin und her geht! Man muß ihn wieder in Bewegung ſetzen!(Springt nach den Bindfäden.) Noch nicht genug!(Schlägt mit den Pfoten daran.)
Pritte Scenr. Die Katze. Der Hausherr ttritt ein). Der Hausherr. He, was thuſt du denn hier? Die Katze. Es iſt Zeit, unter die Kommode zu kriechen! Der Herr iſt ſchlech⸗ ter Laune!
Die Uhr.
Der Hausherr. Was iſt denn das mit der Uhr? Die Katze wird daran geſpielt
haben!... Louiſe! vierte Scene.
Die Uhr. Die Katze(unter der Kommode). Der Hausherr. Louiſe. 4₰ Der Hausherr. 4
Daß du mir in Zukunft nicht wieder die Katze herein läßt! Das Thier ruinirt Alles! Hat eben wieder die Uhr in Unordnung ge⸗ bracht! Du ſollteſt aufpaſſen!
Louiſe. Aber ich war in der Küche beſchäftigt!... Wo iſt denn die tatze?
——
Der Hausherr. Dort, unter der Kommode! Geffnet die Thür.) Hinaus mit der ₰ Katze! Die Katze. Mit Vergnügen(läuft hinaus). Der Hausherr.
Hilf mir die Uhr wieder in Ordnung bringen—, Louiſe!... So; jetzt bring' mir meine Cotelette! Ich bin überzeugt, ſie iſt wieder angebrannt!
—
Louiſe (iſt hinausgegangen und kehrt erſchreckt wieder zurück).
Die Katze hat die Cotelette geſtohlen!
(Der Hausherr fährt ſich wüthend in die Haare und die Katze verzehrt ihre Cotelette ungeſtört auf dem Hausboden). W.
Als ich ihn zum letzten male ſah, ſprach
Gerard iſt todt. von der er nicht
er bereits von einer großen Erforſchungsreiſe, wiedergekehrt iſt.
Aber es ſcheint, als ſollten die Löwen trotzdem keine Ruhe behalten. Gerard hinterließ einen Nachfolger, der frei⸗ lich ſeinen Jagdreſultaten gegenüber nur wie ein Schüler zu betrachten iſt, der, wie es ſcheint, mit großen Plänen gegen den König der Thiere umgeht.
Wenige Häuſer von mir, in der Rue St.⸗Georges in Paris, wohnt ein Mann, der ſoeben erſt die Jagdliebhaber aller Nationen öffentlich aufrief, an den Jagden theilzu⸗ nehmen, zu welchen er ſich eben rüſtet.
Gewiß gehört ſchon eine große Liebhaberei dazu, ſich einer ſolchen Expedition anzuſchließen, in welcher ſelbſt dem abgehärtetſten Nimrod jedenfalls die Uebung und Erfahrung fehlt, indeß der neue Löwenjäger macht ſich anheiſchig, überall „für den Riß zu ſtehen“, und ſo wird es ihm denn an Gefährten kaum fehlen, zumal Paris gerade jetzt während der Ausſtellung der Sammelplatz ſo mancher Touriſten und Wag⸗ hälſe iſt, die in einem ſolchen Unternehmen eine willkommene Gemüthsbewegung ſehen dürften.
Alſo Tod den Löwen, die, wie man ſagt, ſeit Gérard ihnen den Rücken gewendet, in den Algeriſchen Duars wieder die alten Verwüſtungen anrichten und keine Ahnung haben von der großen Treibjagd, die gegen ſie ausgerüſtet wird.
Nr. 31 in der Rue St.⸗Georges wohnt der Mann, oben in der fünften Etage. Vor ſeiner Thür liegt ein rieſiger Neufundländer mit zottigem Fell, aber mit den gutmüthigſten Augen, die mistrauiſch den Fremden anblicken, der nach Herrn Eugen Pertuiſet fragt.
Ausgeſtopfte Panther, Löwenfelle, Krokodille, Affen, Elefantenzähne, Bogen und Pfeile, Kleider und Schmuckſachen des Sudan, Schlangenhäute, ein Dutzend Jagdbüchſen, Piſtolen, Handſchars und Jägermeſſer blicken uns aus dem Zimmer
Ein nener Löwenjäger.
entgegen. Wir ſtehen in einem vollſtändigen Muſeum. Ueberall grinſen uns Panther⸗ und Löwenköpfe an; drohend blinken uns die ſeltſam geformten Waffen entgegen.
Im nächſten Zimmer finden wir den Herrn dieſer eigenthümlich ausgeſtatteten Wohnung, es iſt Herr Eugen Pertuiſet, ein Mann von etwa vierzig Jahren, mit dichtem, hellbraunem Schnur? und Backenbart, offenem und ehrlichem, ſonnverbranntem Geſicht, blauen, ehrlichen Augen, muskulöſer breitſchulteriger Geſtalt und einer Haltung, die den Mann der Abenteuer und Gefahren kennzeichnet.
Pertuiſet empfängt ſeine Gäſte mit der liebenswürdigen, nachläſſigen Manier eines Menſchen, der„in ſeinen eigenen Schuhen ſteht“, wie der Amerikaner dergleichen Leute treffend bezeichnet. Er iſt der Welt noch gänzlich unbekannt, denn man hat noch niemals von ihm gehört und führt ſich ſelbſt
eben erſt ein. 5 Er hat ſeine Zeit weder in der Geſellſchaft, noch auf dem Straßenpflaſter verbracht, iſt ſeinem abenteuerlichen Hange
uachgegangen, hat ſich in Afrika die Sporen verdient, indem er bisher drei Löwen erlegte und denkt jetzt ſeine Carriere in ſeiner eigenen Weiſe zu machen. Pertuiſet iſt in Genf geboren, kam von da vor funfzehn Jahren nach Frankreich und zeigte ſich ſtets als wüthender Fäger. Im Jahre 1861 zeichnete er ſich beim Schießen in Pincennes aus und gewann den erſten Preis. Man erfuhr, daß er der Erfinder einer eigenthümlichen, explodirenden Kugel ſei. Hier in Vincennes lernte er Gérard kennen und dieſer verſprach, ihn mit auf die Löwenjagd zu nehmen. 3 Gerard ging damals gerade mit dem Plan um, eine Expedition in das Innere Afrikas zu unternehmen. Wie er mich um jene Zeit glauben ließ, war es die franzöſiſche Regierung, welche ihn zu dieſem Zweck mit Geld auszurüſten verſprochen hatte, indeß hört man durch Pertuiſet, daß er in
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