Jahrgang 
1867
Seite
684
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beweglichen Gegenſtand vor ſich zu haben glaubt. Dies liegt einmal in ihrer Natur. Sie kratzt auch das Kind, das ſie allzu lange ihrer Freiheit berauben will, ihren Hals zwiſchen den Händen preßt, oder ſie an den Ohren, am Barte zupft. Das Kind hat keinen Begriff davon, daß es dem Thier damit wehe thut; die Katze aber empfindet den Verluſt ihrer Frei⸗ heit, den Schmerz, und bedient ſich in ſolchem Falle mit Recht ihrer natürlichen Waffen.

Ich habe niemals eine Katze ohne triftige Gründe kratzen geſehen; ebenſo wenig aber vergreift ſie ſich an den Schwächeren, wie es der Hund thut.

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und Schweſtern zuſammen zu leben. Die Viere ſchliefen in einem Bett und fraßen aus einer Schale. Der Hund aller⸗ dings fraß zuerſt und das Beſte, aber er vergaß die Katze nicht, die uneigennützig genug war, der Maus gewiſſe kleine Leckerbiſſen zu laſſen, welche dieſe beſonders liebte, und dieſe ließ dem Sperling die Brotkrumen, auf welche die andern keinen Werth legten.

War das Mahl beendet, ſo leckte der Hund die Katze und dieſe wieder den Hund; die Maus ſpielte zwiſchen den Füßen der Katze, die wohlerzogen ihre Sammetpfötchen machte und ihre Krallen bei dieſem Spiel einzog. Der Sperling

Kaiſer Maximilian von Mexico.

Jedermann, fährt unſer Naturforſcher fort,kann eine Bemerkung machen, die dem Katzengeſchlechte zum Vortheil gereicht. Wenn die Katzen aus einer Schale freſſen, ſo halten ſie Frieden. Wenn die Hunde ein gemeinſchaftliches Mahl halten, ſo beißen ſie ſich. Das ſogenannte heimtückiſche, egviſtiſche Thier alſo läßt ſeinen Kameraden das ihrige; das ſanfte, ſchmeichelnde reißt ſeinem Nachbarn den Knochen weg.

Flourens alſo ſagt von der Katze, ſie ſei weder geſellig noch gelehrig. Ich habe indeß Katzen im ſchönſten Einverſtänd⸗ niß mit Papageien, Affen, ja ſogar mit Ratten leben ge⸗ ſehen, und es iſt durchaus nichts ſo Seltenes, daß man Katzen und Hunde daran gewöhnt, auf einem Lager zu ſchlafen.

Man erzählte mir von einer Dame, die durch Klugheit und Erziehungskunſt einen Hund, eine Katze, einen Sperling und

ſeinerſeits flog zwiſchen Allen hin und her und ſchnäbelte bald den einen, bald den andern, ohne eine Feder zu verlieren. So herrſchte zwiſchen dieſen Vieren das ſchönſte Einverſtänd⸗ niß und niemals ward von einem Zank gehört.

Im Jardin des plantes beobachtete man einen alten

Kater, der ohne Zweifel ſeinen Herrn verloren hatte und ohne Hülfsmittel auf den Raub angewieſen war. Abgemagert und mit verwildertem Fell ſchlich er einher und ſchlug endlich in der Nähe eines Küchenfenſters ſein Lager auf. Sobald er niemand in der Küche ſah, ſtürzte er ſich mit wüthendem Hunger herein und ſchleppte fort, was er faſſen konnte. Natür⸗ lich ward er als Räuber von Allen verfolgt.

Eines Tages ſitzt der Herr des Hauſes im Fenſter und

ſieht den abgemagerten Kater, ſo ſchwach, daß er ſich kaum

eine Maus dahin gebracht hatte, einträchtig wie Brüder

auf ſeinen Beinen erhalten konnte. Er ſuchte einige Fleiſch⸗

ſücke dieſe nehm und wohl in di die L

Zwei

und lihes