Jahrgang 
1867
Seite
683
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zwanzigſten; Gold und Banknoten ſchienen von einer Art Gefallſucht ergriffen zu ſein, vor ihm ſich aufzuſpeichern; ſelt⸗ ſame Gedanken zuckten durch ſein Gehirn und nöthigten ihm ein Lächeln ab.

Ich wünſchte, ſagte er in ſich hinein,meine Vorge ſetzten ſähen mich in dieſem Moment, ein Agent der Polizei amüſirt ſich beim Hazardſpiel unter Menſchen, die zu über⸗ wachen er beauftragt iſt; er gewinnt dieſen Menſchen das Geld ab wahrlich, ein kühner Einfall!

Plötzlich, und zwar in demſelben Augenblicke, in welchem er einen bedeutenden Gewinn eingeſtrichen, fühlte er, daß ſich Jemand an die Lehne ſeines Stuhles ſtützte, er wendete ſich und erblickte Savari.

Sie ziehen Vortheil aus meinem Unterricht? ſagte dieſer.

Leider einen ſehr geringen!

Wie? ſehr gering? Sie haben da wenigſtens fünf⸗ bis ſechstauſend Franes vor ſich!

Eine Kleinigkeit, erwiderte Vibert mit dem freimüthigen Ausdruck eines Millionärs.

Da Sie ſo wenig auf Ihren Vortheil bedacht ſind, werde ich mit meiner Botſchaft Ihnen unbequem ſein, man ſendet mich eben zu Ihnen.

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Es iſt, wie ich ausdrücklich vorausſchicken muß, keine Naturgeſchichte, die ich dem Leſer hier nach den Aufzeichnungen Champfleury's biete; nur ein originelles Bruchſtück, aus Blicken auf das Leben der Katze beſtehend, keine pikanten Beobachtungen, die aber gewiß ihren Reiz haben.

Freilich ſpielt in Deutſchland die Katze nicht die bedeut ſame Rolle in der Familie, wie in Frankreich, wo ſie nirgend fehlen darf, wo ſie im Kaffeehauſe, im Reſtaurant, im feinſten Modemagazin, wie im häuslichen Kreiſe ihren Platz behauptet, im Boudoir die Geſellſchafterin ſpielt und ſich ſogar in die Salons zu ſchleichen weiß; immerhin aber hat die Katze auch bei uns ihren Platz in der Naturgeſchichte.

Alle unſere Hausthiere, ſagt der berühmte Naturforſcher Flourens, ſind ihrer Natur nach geſellig. Der Ochſe, das Schwein, der Hund, das Kaninchen leben in Geſellſchaft und in Heerden. Nur die Katze ſcheint auf den erſten Blick eine Ausnahme zu machen, denn ſie liebt das Alleinſein.

Iſt ſie aber wirklich ein Hausthier?

So, man ſendet Sie! Was wünſcht man von mir?

Man wünſcht ſich zu entfernen und hat mich gebeten, Ihnen dies zu ſagen.

Vibert beeiferte ſich, aufzuſtehen.

Jetzt folgte eine allgemeine Bewegung des Schreckens.

Wie? Sie gehen? Das Abendamüſement hat kaum begonnen! Es iſt noch nicht drei Uhr früh....

Ach, es iſt ſchlecht, bemerkt die Spanierin,nament lich, da Sie uns ſo viel Geld abgewonnen haben!

Der Herr befürchtet, daſſelbe wieder zu verlieren! ſpöttelt Antoine.

Ich hatte mehr Vertrauen zu Ihnen, Herr Graf, ſchreit Pelagie.

Vibert begriff, daß ſein Fortgehen falſch gedeutet würde, und daß er eine Thorheit ſich zu Schulden kommen ließe, wenn er zu heftig die Unzufriedenheit der Geſellſchaft provocirte, unter welcher er ſich befand.

Meine Damen, ſagte er,ich bin verpflichtet, die Dame nach Hauſe zu begleiten, mit welcher ich mich in Ihre Mitte zu begeben die Ehre hatte, und die Sie in der Hitze Ihres Spiels ganz und gar vergeſſen. Ich werde augenblicklich zurückkommen; auf dem Tiſche laſſe ich mein Geld, um mir meinen Platz zu merken.(Fortſetzung folgt.)

unſer Gaſt zu ſein, ſie nimmt den Schutz an, den wir ihr gewähren, die Nahrung, die wir ihr bieten; ſie geht ſogar ſo weit, unſere Liebkoſungen zu verlangen, aber ſehr launiſch und nur, wie es ihr gerade beliebt, ſie anzunehmen. Die Katze verkauft ihre Freiheit nicht; während wir ſie zu brauchen glauben, benutzt ſie uns; ſie will weder unſer Diener ſein, wie das Pferd, noch unſer Freund, wie der Hund. Nach den Anſichten dieſes Naturforſchers iſt die Katze des Attachements, und ſogar in einem ſehr hohen Grade fähig; aber man muß ſie gehen laſſen und ihre Liebkoſungen er⸗ warten. Eine Katze z. B., die es niemals leiden konnte, daß man ſie anfaſſe, kam freiwillig auf den Schoos geſchlichen, wenn ſie überzeugt zu ſein glaubte, daß man ſie nicht feſt halten wolle. Sie blieb ungern allein und folgte ihrem Herrn leiſe miauend, wie ein Hund, durch die Zimmer. Das Alleinſein war ihr unangenehm; ſie brauchte Geſellſchaft. Jedesmal, wenn ſich ihr Herr auf einige Tage entfernte, ſah man die Katze nicht; ſie fand ſich aber pünktlich ein, ſobald

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Sie lebt bei und mit uns; aber ſchließt ſie ſich uns Sie empfängt unſere Wohlthaten, aber vergilt ſie uns ſelben durch Gehorſam, durch Folgſamkeit, Gelehrigkeit

an? die⸗ und

durch wirkliche häusliche Dienſtleiſtungen?

Weder Zeit, noch Sorgfalt, noch Gewohnheit haben ihre Wirkung auf eine Natur, wenn ſie nicht von Hauſe aus eine geſellige iſt, wie man das Beiſpiel an der Katze erlebt.

Flourens ruft für ſeine Meinung auch Bouffon zu Hülfe, der da ſagte: obgleich Bewohner unſeres Hauſes, ſind die Katzen dennoch nicht ganz häuslich und ſelbſt die zahmſten ſind immer noch widerſpenſtig und ungehorſam.

Hierauf antwortet der Naturforſcher Fée:Man be⸗ hauptet, die Katze ſei kein Hausthier, ohne zu erörtern, was man unter einem ſolchen eigentlich verſteht. Wir ſind der Anſicht, dieſe Häuslichkeit beſtehe darin, daß man in dem Thiere ſeine Gewohnheiten wechsle, ihm unſere Liebkoſungen angenehm, daſſelbe unſerem Rufe gehorſam mache, daß man das Thier an unſern häuslichen Herd feſſele oder es wenigſtens in unſerer Mitte zu leben gewöhne. Die Ziege und das Pferd ſind unſere Sklaven, die Katze iſt es nicht; darin liegt der ganze Unterſchied.

Hat Fee etwa nicht Recht?

Unter den Thieren iſt der Panther das unzähmbarſte; das einzige, das tödtet, um zu tödten, iſt der Jaguar; das einzige, deſſen Natur eine ſanftere, iſt der Leopard; das einzige wirklich intelligente iſt die Katze. Sie iſt bereit,

er zurückkehrte, und bezeigte dann außerordentliche Freude.

Ein Kater auf dem Lande wußte genau die Stunde, um welche ſein Herr von der Stadt zurückzukehren pflegte, und ging ihm mehrere hundert Schritte auf der Landſtraße ent gegen. Dergleichen Beweiſe von Sympathie waren nur durch ganz außerordentliche Güte erreicht worden.

Die Katze vergeudet ihre Liebe nicht; man muß ſich ſchon Mühe geben, dieſe zu erlangen. Ebenſo wenig genügt aber auch, ſie zu verlieren, und darin unterſcheidet ſie ſich am meiſten vom Hunde. Man nennt ſie heimtückiſch, weil ſie ihre Krallen benutzt, und dies thut ſie wirklich oft mit unverkenn barer Bosheit. Die Katze iſt nämlich durch die Elektricität ſehr reizbar, und vielleicht rührt gerade davon die Ungleich⸗ heit ihrer Laune her. Jedenfalls aber greift ſie niemals an.

Dieſe letztere Bemerkung unſeres Naturforſchers iſt eine unanfechtbare. Die Katze greift nie an und ganz gewiß nicht ohne Urſache. Ich gehe noch weiter: die Katze, wenn ſie das Alter der Vernunft, d. h. drei bis vier Monate, erreicht hat, kratzt nur, wenn man ſie zum Kratzen reizt.

Ihr Nervenſyſtem iſt von einer außerordentlichen Fein⸗ heit; zu lange Liebkoſungen reizen ſie; ſie beißt oder kratzt die Hand, die ſie ſtreichelt. Wenn aber ein Wort ſie zur Vernunft zurückruft, ſo ſchämt ſie ſich, einen Freund verkannt zu haben, indem ſie ſich einen Augenblick vergeſſen konnte. Sie ſtreckt auch die Krallen aus, wenn eine Hand immerfort vor ihren Augen ſich hin und her bewegt, ſodaß ſie einen