Jahrgang 
1867
Seite
667
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ihm denn nur der Vorwand, ſie ſei ſeine Geliebte, geblieben. Dieſer Vorwand war aber ebenſo unmöglich, da Julia gerade ſo wenig darauf eingegangen ſein würde, als er ſelbſt daran dachte, eine ſolche Anforderung an ſie zu ſtellen. Endlich wußte er aber ja zu gut, daß Pelagie ſich eine ſolche Beute keinesfalls entgehen laſſen würde. Wie richtig er gerechnet hatte, bewies ihre Antwort.

Wohl, theurer Graf, ſagte ſie nach kurzer Ueberlegung, bringen Sie Ihre Verwandte hierher. Ich werde mich freuen, ihre Bekanntſchaft zu machen. Ich ſage Ihnen aber im Voraus, daß es ſich bei mir nur um ein freundſchaftliches Beiſammenſein handelt. Es⸗wird nicht getanzt, es wird nicht muſicirt, wie unterhalten uns nur, höchſtens paſſirt es einmal, daß ein kleines Spielchen arrangirt wird. Apropos, ſpielen Sie?

Bisweilen.

Seien Sie zurückhaltend. Es iſt mir unangenehm, wenn Jemand mehr als drei oder vier Louisd'ors bei mir verliert. Alſo, heute Abend, theurer Graf, ich muß Sie ver⸗ laſſen, um Toilette zu machen, eine Freundin erwartet mich zu einer Spazierfahrt ins Bois.

Vibert hatte ſeine Rolle als Ausländer und als Mann von Vermögen, welcher nicht weiß, was er mit ſeinem Gelde beginnen ſolle, endlich als Gimpel und als ſolcher vollkommen geeignet, gehörig gerupft zu werden, ſo geſchickt geſpielt, daß Pelagie dErmont in der That ſich irreleiten ließ.

Das iſt übrigens nichts Außergewöhnliches; die Mode⸗ Damen gewiſſer Sphären, wie Pelagie, ſind während ihrer irdiſchen Laufbahn ſo vielen blutjungen Leuten, wie Männern im reifen Alter und albernen Greiſen begegnet; ſie haben die ſelben ihretwegen ſo viele Narrheiten begehen ſehen, daß ſie endlich dahin gelangen, ſchon in mehr abſoluter Weiſe das menſchliche Geſchlecht zu verachten, und die geſammte Männer⸗ welt von einem und demſelben Geſichtspunkte aus zu betrachten. Sie erblicken in jedem Individuum, das ihnen ſich vorſtellt, oder vorgeſtellt wird, nichts weiter als ein Opferlamm, das vor ſeinem Tode noch gehörig geſchoren werden muß.

So trommelte denn auch Pelagie, nachdem Vibert ſich empfohlen, das Aufgebot und den Heerbann ihrer Freundinnen eiligſt zuſammen.

Heute Abend wird bei mir Thee ſervirt ſchrieb ſie, d. h. mit andern Worten: Heute Abend wird es bei mir im Landsknecht und im Baccara heiß zugehen!

Schon um zehn Uhr waren etwa fünf bis ſechs der ver trauteſten Gefährtinnen in ihrem Salon verſammelt.

Es waren ſchöne Damen und routinirte Spielerinnen ſie ſind ſeit jener Zeit, in welche dieſe Erzählung hinüber⸗ greift, ein wenig gealtert: einige von ihnen, welche mit Gewalt die ewig brandende Meeresflut des Pariſer Lebens zu durch⸗ ſchiffen trachteten, verſanken darin mit Gut und Leben; andere hingegen entgingen glücklich jedem Schiffbruch; es gelang ihnen, ſich eine glänzende Exiſtenz zu ſichern, und obenein noch einer gewiſſen Gunſt und Berühmtheit bei der galanten Welt ſich zu erfreuen. Jeder Bürger aus der Provinz und jeder Fremde, der ſeinen erſten Ausflug in das Bois unternimmt, ſei es auf nur auf drei oder fünf Stunden, verfehlt nicht, dieſe Naturen gelegentlich ſich näher bezeichnen zu laſſen.

Inzwiſchen rückte die Stunde heran, in welcher man an ernſtere Dinge denken mußte um die Spieltiſche handelte es ſich; während die letzteren demnächſt zurecht geſtellt wurden, überließen ſich die Freundinnen der Madame d'Ermont, welche ſich übrigens durch die läſtige Anweſenheit irgend eines Fremden nicht im Mindeſten geniren ließen, gemüthlich ihrer Plauderei.

Wie kommt es, bemerkte Adele,daß du uns heute einladeſt, meine liebe Pelagie, hätten wir nicht beſſer daran gethan, wenn wir dieſe Woche uns nicht verſammelt hätten?

In der That! Aber es bot ſich heut' eine Gelegenheit dar, ein gut Geſchäft zu machen, und ich beeilte mich, ſie wahrzunehmen, weil ich überzeugt bin, daß das Reſultat auch angenehm ſein wird.

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Ohne Zweifel, ohne Zweifel! erſchallte es von allen Seiten.

Wen eigentlich erwarteſt du? fragte Armande, eine allerliebſte, der damaligen Mode ſo ſehr zuſagende Braune.

Ich erwarte, antwortete Frau von Ermont,den Kleinen von Fontelle, welchen ihr Alle kennt.

O, mit ihm ſpiele ich nicht, rief Adele,man geräth immer in Streit mit den Minorennen!

Zunächſt muß ich einwenden, bemerkte trocken Pelagie, iſt man bei mir niemals Streitigkeiten ausgeſetzt; dann hat die Perſon, von welcher hier die Rede iſt, die Vormundſchaft bereits hinter ſich.

Pelagie griff bei dieſen Worten über die Wölbung des Kamins, und präſentirte ihren Freundinnen einen gedruckten Brief, deſſen Inhalt ſie mit lauter Stimme verlas. Er ent⸗ hielt die Worte:

Der Baron Arthur von Fontelle beehrt ſich hierdurch, ſeine Freundinnen, Geliebten und Lieferanten davon in Kennt⸗ niß zu ſetzen, daß er am 10. dieſes Monats ſeine Großjährig⸗ keit erreicht hat.

Seine Freunde dürfen ihm deshalb ungeſtraft Geld im Spiel abgewinnen; ſeine Lieferanten dürfen ihm Credit ge⸗ währen, ſeine Geliebten ihn ruiniren.

Der Baron Arthur von Fontelle iſt für künftighin wegen ſeiner Handlungen allein verantwortlich.

Das merkwürdige Schreiben ging von Hand zu Hand.

Da ſind wir ja, was den kleinen Baron betrifft, voll kommen beruhigt? bemerkte Adele.Wen erwarteſt du noch?

Cordier.

O, ſagte eine Blondine, Antvine mit Namen, dieſer da gilt nicht! Er kommt regelmäßig mit nur fünf Goldſtücken her, und nimmt reißaus, ſobald er ſie verloren oder ihre Summe verdreifacht hat!

Ich habe ihn auch nicht zum Spiel, ſondern deshalb hier eingeladen, damit er als Staffage mein Bild zieren helfe. Ferner erwarte ich Cravoiſier, den dicken Colvel und den Vicomte Beaume.

Vortrefflich, ſchrie man,das ſind aufrichtige Spieler!

Ich ſehe voraus, daß wir nicht vor morgen früh zehn Uhr auseinander gehen werden, ſagte Armande.

Kümmert mich wenig, entgegnete Adele,ich habe meine Vorſichtsmaßregeln getroffen und heute bis ſieben Uhr Abends geſchlafen!

Eine Italienerin war's, die hierauf das Wort ergriff. Sie war erſt vor kurzem nach Paris gekommen und hatte ihrer ſtaunenswerthen Schönheit halber ſich bereits einen großen Ruf erworben.

Pelagie, bemerkte ſie,hat uns bis jetzt nur von Perſonen erzählt, die wir alle mehr als zur Genüge kennen; aber hatte es ſich nicht um einen Fremden gehandelt?

Ich bewahre ihn für den Schluß auf, antwortete Madame d'Ermont, es handelt ſich in der That um einen deiner Landsleute, den Grafen von Rubini!

Ich kenne ihn nicht; aber wir werden ihn kennen lernen. Iſt er reich?

Sehr reich, wie es ſcheint, und ich meine, ebenſo arg los wie reich.

Das iſt alſo etwas für mich, bemerkte naiv die blonde Antonine,ich fordere den Fremden für mich!.

Und Savari? fragte plötzlich Armande,werden wir ihn dieſen Abend denn gar nicht ſehen?

Wahrlich, mein kleiner Albert.... man ſpricht nicht einmal von ihm! Was iſt denn eigentlich mit ihm vorgegangen? bemerkte Adele.

Ich erwarte ihn, erwiderte Madame d'Ermont,es iſt das erſte mal, daß er ausgeht, ſeitdem ihn das Unglück getroffen!

Armer Junge! Wohl hatte er Grund und Urſache, ein wenig krank zu werden: des Meuchelmordes ſich angeklagt zu ſhen

Und während dreier Tage eingekerkert zu ſein! 84*