Jahrgang 
1867
Seite
668
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Es erhellt, daß gegen ihn auch nicht der geringſte Beweis vorlag.

Erſichtlich, denn er ward ja ſchon nach dem erſten Ver⸗ hör in Freiheit geſetzt!

Seine Inhaftirung war, ſagte man mir, das Ergebniß eines reinen Misverſtändniſſes..

Habt ihr die Zeitungen der Oppoſitionspartei bezüglich dieſer Angelegenheit geleſen? Sie haben die Beamten und die Unterſuchungsrichter gut gerüffelt!

Als Entgeld haben ſie unſeren Freund Albert bis in die Wolken erhoben er war eine Zeit lang der Held des Tages.

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Wenn es euch recht iſt, bemerkte Antoine,wollen wir ihm eine Huldigung darbringen, ſobald er eintritt.

Einverſtanden, erwiderte Adele,ich werde das Signal geben.

Mir ſcheint, daß man draußen ſchellt, fiel Pelagie d'Ermont ein.

Die Herren ſind unausſtehlich; ſie haben die häßliche Gewohnheit, auf die Boulevards hinaus und ins Theater zu wandern, ehe ſie uns beſuchen!

Zwiſchen elf und halb ein Uhr füllte ſich der Saal Pelagie's allmählich.

(Fortſetzung folgt.)

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Loſe Blätter nus dem Wanderbuche eines Schauſpielers. Mitgetheilt von Carl Glabiſch. (Schluß.)

Im Wieſenthale.

Z' Schopfen uf der Höh',

Nei, was cha me ſeh'.

O, wie wechsle Berg und Thal, Land und Waſſer überall'

3 Schopfen uf der Höh'!

Vier Wochen ſpäter. Unſer papiernes Zelt haben wir von Staufen nach Schopfheim getragen und allhier im Gaſt⸗ hofZum Engel aufgerichtet.

Habt Ihr einmal jene Gegend bereiſt? Kennt Ihr das Wieſenthal, jene herrliche Heimat des alemanniſchen Volks⸗ dichters*), der3 Schopfen uf der Höh' ſang? Wohl nur Wenige! Es liegt ihnen nicht im Wege, die alljährlich den Rhein hinauf nach den Alpen reiſen, es iſt einer von jenen verſteckten Paradieſeswinkeln der Erde, die vom Ge räuſche der großen Welt nie berührt werden, deren Poeſie noch kein ſpleeniger Gentlemen verſcheucht hat eine ver⸗ borgene Waldblume, deren Blütenduft noch von keinem Tou⸗ riſtenfuße abgeſtreift worden. Glückliches Thal, wie ſo ganz geſchaffen, eine gehetzte Menſchenſeele in dich aufzunehmen, daß ſie, durch den Balſamhauch deines Friedens geheilt, die erſte Stufe zur Wohnung der Seligen hinanſteige in dir möchte auch ich meine letzten Erdenwünſche begraben in deinem Schoße mein Haupt betten, wenn es altert!

Z' Schopfen uf der Höh' auf die hölzerne Bruſt⸗ wehr gelehnt, ſteh' ich und halte Umſchau. Drunten, wie ein ſchmeichelndes Kind ſich an die Kniee der Mutter ſchmiegt und, das Köpfchen zurückgebogen, ihr mit herzigen Augen in's Antlitz lächelt, liegt das freundliche, helle Städtchen mir zu Füßen und grüßt gar liebeſelig herauf. Mein Blick kann das ganze kleine Eden umfaſſen, weil es rings, bis auf die breite Oeffnung gen Baſel hin, vot Hügeln umrahmt iſt, über welche er nicht hinwegſchweift. Da rechts an jener ge⸗ öffneten Pforte blitzt das breite Silberband des Rheinſtroms vorüber. Langſam ſtreift mein Auge von dort zurück, trifft auf Lörrach, den gewerbſamen Hauptort des Thales, der

wohl ein Dutzend Rauchſäulen in die Luft ſtößt, wandert drüben an jenen ehrwürdigen Ruinen der Burg Rötteln vor⸗

über, wendet ſich links gen Hauſen, die liebliche Dichter⸗ heimat, überfliegt gleich dahinter die gewaltigen Eſſen eines Hammerwerkes und haftet an dem Vorſprung einer dunkleren Anhöhe, welche das Thal abſchließt und hinter welcher noch mit ſchüchterner Neugier die erſten Häuſer von Zell hervor⸗ lugen.

So liegt dieſer ſchmalbegrenzte Fleck Erde vor uns, ein ſaftiges Weinblatt, das von den Wellen des Wieſenfluſſes gleich einer funkelnden Ader durchzogen wird. Hier und dort ragen aus dunklem Laubwerk reinliche, helle Häuſer, glitzernde Matten, auf denen Leinwand gebleicht wird ja, es iſt

kein bloßer Ruhewinkel, dies kleine Thal; es wird hier reg⸗ ſam und fleißig geſchafft, und dies eben iſt es dieſes har⸗ moniſche Zuſammenwirken der Gegenſätze, dieſer arbeitſame Frieden, dieſes geſchäftige Behagen, dieſes thätige Glück, was uns mit gefälligem Zauber umſtrickt hält.

Es iſt ein treuherzig lieber Menſchenſchlag, der hier zu Hauſe iſt. Ein frommes, weiches Gemüth, eine einfache Sitte, ein heitrer Sinn, ein biedres Vertrauen wohnt bei den Leuten. Dieſe blühenden Geſichter, denen Ihr überall be⸗ gegnet auf jedem lächelt gleichſam ein heitres Idyll, Euch zum Leſen aufgeblättert. Schmucke, kräftige, rothwangige Burſche ach, und dieMeideli erſt! Bei Gott! Ihr blitzſauberen Dirnen! die Ihr weder von Lilionese noch Pau de lis was gehört habt, wo, zum Wetter! habt Ihr alle⸗ ſammt den ſchneeweißen Teint her, um den jede Ariſtokraten⸗ tochter Euch beneiden würde? Dies roſige Incarnat, das ſo herrlich zu Euren blonden Haarflèchten ſtimmt, juſt als hättet Ihr zu Rafael's Madonna geſeſſen? Geht Ihr in Maien⸗ nächten Euch in jenen Wellen baden, wo kurz vorher weiße Niren ihr Spiel trieben? Waſcht Ihr Euch bei dem Voll⸗ mond mit dem Thau von Aurikeln und Schneeglöckchen? O ſagt, wie macht Ihr's? Eine Million, Schätzchen ja, ich ſchwör's Euch: eine Million ſetzte die gelbe Gräfin von H. dran, käme ſie hinter dies Toilettengeheimniß! So theilt es ihr mit! Erbarmt Euch! Aber Ihr Wettermädel zeigt lachend die Zähne, ſchüttelt die Köpfe und triumphirt:Nicht um zwei Millivnen! das iſt unſer Geheimniß!

Heute iſt Sonntag und was für einer! Die Sonne hat ihr beſtes Kleid angelegt, das blitzt nur ſo von Dia⸗ manten und Goldfranſen. Ja!'s wird auch Johannisfeſt gefeiert da muß ſie dabei ſein! Der Nachmittags⸗Gottes⸗ dienſt iſt zu Ende. Vom Schopfheimer Kirchthurm läutet die Glocke fern in's Thal hin. Säuberlich geputzt wandert die Schaar der Kirchgänger vom Lörracher Thore her die Straße herauf, Alte und Junge, hier und dort trennen zwei ſich mit freundlichem Handſchlag, ein Paar der jungen Burſche bleiben auch wohl gleich vor der traubengeſchmückten Thür des Tannenwirths ſtehen, ungewiß, ob ein Trunk nach der Gottesſpeiſe wohl erlaubt ſei? Eine Geſellſchaft junger Leute, zu der auch

ich zähle, hat ſich dieſes Zweifels bereits enthoben; ſchon ſitzen

wir unter der ſchattigen Laube des Poſthauſes, die ſchäumen⸗ den Gläſer vor uns und in behaglicher Träumerei ſchweifen

unſere Augen über die fromme Schar hin, die uns von

dorther entgegenflutet. Ach! wiederum bleiben ſie wie vom Zauber gebannt an Euch haften, Ihr holden Dirnen, die Ihr mit lachenden Engelsköpfchen plaudernd und ſcherzend daher⸗ ſchwebt! Wie ich in Liebe zu Euch entbrannt bin! Hundert Herzen wünſcht' ich zu haben, daß ich Jeder von Euch eins ſchenken könnte!

Die trauten Schätzchen! Wie ſchmuck ihnen die knappe Tracht ſteht! Sie iſt allen gemeinſam, dieſe Tracht, und allen

heilig, denn ſie haben daß ich ſo ſage einen poetichen