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Schwer wird es dem Fremden, zu begreifen, warum die göttliche Vorſicht gerade das ſchönſte Land der Erde der niederträchtigſten und verruchteſten Nation zufallen ließ, ein Land, deſſen Vegetation alle europäiſchen und tropiſchen Früchte in ſich vereint.
Kommt man nämlich einmal aus der zona torida heraus, ſo herrſcht in dieſem unermeßlich ſchönen Lande überall daſſelbe Klima. An 325 Tagen des Jahres ſcheint die Sonne; Alles was die Erde hervorbringen kann, in Merico im größten Ueberfluß mit Ausnahme des Holz es, das man indeß nur in ganz geringer Quantität, und zwar zum Kochen gebraucht, da man das ganze liebe Jahr in leichter Tuch⸗ oder Leinenkleidung umhergeht und von der Kälte nicht angefochten wird.
Hätte mich der unglückliche Maximilian um Rath ge⸗ fragt und die Abſicht gehabt, dieſen Rath zu befolgen, er wäre gewiß nicht nach Amerika gegangen, und hätte er ge— ſehen, wie der älteſte Sohn des erſchoſſenen mexicaniſchen Kaiſers Iturbide, den Henri Herz und ich ſpöttiſcherweiſe immer den„Kronprinzen“ nannten, ſich von uns mit Cham⸗ pagner tractiren ließ und für zehn Freikarten, die wir ihm zu jedem unſerer Concerte gaben, ſich ſelbſt zum Chef der Claque machte, er hätte vorgezogen, in Miramar zu bleiben, anſtatt ſich mit ſolcher Bagage einzulaſſen.
Es fehlt mir an Worten, Ihnen das hämiſche Weſen, die Feigheit und Ruchloſigkeit jedes einzelnen Mexicaners, mit dem wir zu thun hatten, zu beſchreiben; es ſind dies die Vor⸗ i oF p io MohßBrDo b züge der ganzen Nation und auch die Behörden kennen und würdigen dieſelben hinlänglich.
Hier ein kleines Beiſpiel.
Einem Bewohner unſers Hotels wurde eines Tages eine Summe aus ſeinem verſchloſſenen Secretär geſtohlen. Auf die Anzeige des Gaſtes ſchickte der Hotelbeſitzer ſofort zum Polizei⸗Commiſſar. Dieſer unterſuchte die Sache und behauptete ſofort, wie es ſich denn auch ſpäter beſtätigte, der Diebſtahl ſei von einem Europäer verübt worden.
Als wir ihn fragten, wie er dies mit ſolcher Beſtimmt— heit behaupten könne, antwortete er:
„Wäre das Geld vom Tiſch oder aus einem offenen Secretär geſtohlen, ſo würde ich geglaubt haben, der Dieb ſei ein Mexicaner, Sie ſehen aber, der Secretär iſt erbrochen und dazu iſt der Mexicaner zu feig!“
Wie der Mann ſeine Landsleute kannte. wirklich ein Schweizer.
Ich ſelbſt, der ich an den Nationen ihre Fehler und Vorzüge zu beobachten, auch zu entſchuldigen oder zu würdigen gewohnt bin, habe mich trotz aller glänzenden Anträge nie⸗ mals entſchließen können, nach Mexico zurück zu kehren. Ich ließ deshalb auch Henriette Sontag allein dorthin gehen, um nicht wieder mit den Mexicanern in Berührung zu kommen. Ich genire mich niemals mein Urtheil offen auszuſprechen, und wenn mich ſelbſt Mexicaner fragten, wie mir das Land gefallen habe, antwortete ich:„Sehr ſchön! Wären nur keine Mexicaner darin.“
Niemals habe ich bei Veranſtaltung von Concerten mit ſo vielen Intriguen zu kämpfen gehabt wie in dieſem Lande, namentlich in der Stadt Mexico, und waren ſelbſt dieſe über⸗ wunden, ſo geſchah es, daß der damalige republikaniſche Präſident Herrera ſich von mir fünfhundert Einlaßkarten à zehn Dollar ausbitten ließ, um mit ſeinem ganzen Hofſtaat und den Mitgliedern der beiden Kammern den Concerten beizuwohnen.
Natürlich verabfolgte ich dieſe. Alle meine delicaten Anſpielungen auf die hohe Summe und die Bezahlung der⸗ ſelben blieben aber ſehr lange fruchtlos.
Endlich machte der Präſident der Republik wenigſtens einen Scheinverſuch, ſeine Unverſchämtheit zu bemänteln. Er ſchickte einen ſeiner Adjutanten zu mir und ließ mich fragen, was ich vorziehe: Das Geld oder ein Geſchenk.
Mir blieb nichts übrig als zu antworten, ich überlaſſe dies Sr. Excellenz. Nächſten Tages kam auch richtig das Geſchenk: die officielle Zeitung brachte den Befehl des Präſidenten, den Herren Herz und Ullmann durch ganz
Der Dieb war
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Mexico die Escorte gegen die Räuber unentgeldlich verab folgen zu laſſen!
Illuſion! Die Koſten dieſer Escorte ſind ſtets in den Fahrpreiſen der Diligencen ſchon mit berechnet, und da die Aventure von Puebla mich von der Nutzloſigkeit ſolcher Escorten hinlänglich überzeugt hatte, ſo hätte ich viel lieber mexicaniſche Staatspapiere angenommen als dieſe Vergünſtigung.
Wie die Behörden, ſo iſt auch die Journaliſtik von Mexico. Dieſe ſtellte die ſonderbarſten und ausſchweifendſten Forderungen an uns. Die beſten Sitze ſollten ihnen reſervirt werden; einer dieſer Journaliſten machte Henri Herz ſogar die Zumuthung, er ſolle ihm nach Beendigung der Concerte ſeinen Flügel ſchenken(den wir ſo mühſelig durch das Land ſchleppten!) und Rafael, der Redacteur des„Univerſal“, eines Jeſuiten⸗Organs, ein Freund Miramons, der in dem im⸗ perialiſtiſchen Trauerſpiel bekanntlich eine Hauptrolle ſpielte, Rafael verlangte, Herz ſolle ihm ſein nächſtes Muſikſtück dediciren. Kurz Alles, was man von Fiorentino und Marie Escudier erzählt, den ich mit ſeinem liebenswürdigen Bruder Leon Eseudier, Verleger der Verdi'ſchen Oper nicht zu ver⸗ wechſeln bitte, blieb hinter den Anmaßungen der mexica⸗ niſchen Kritik noch weit zurück.
Wollte ich einmal eine mexicaniſche Sängerin für unſere Concerte nicht gegen fabelhaftes Honorar engagiren, ſo wurde ich von allen Seiten vevfolgt, Alles ſetzte mir zu, man warf mir vor„che ho faltado ä la nacion“, ich habe die Nation beleidigt.
Unſere Concerte in Mexico machten inzwiſchen nieſige Einnahmen, die mit dem letzten annoncirten Abend ihren Höhe⸗ punkt erreichten. Noch heute denke ich mit Lachen an dieſe Komödie.
Ich ließ Herz zu dieſem Abſchiedsconcert einen National⸗ Marſch für zehn Claviere und zwanzig Pianiſten mit Be⸗ gleitung des Orcheſters componiren. Zur Execution dieſes Marſches ließ ich zehn Statiſten als mexicaniſche Soldaten kleiden und dieſe mußten im Finale ihre Gewehre in das Auditorium hinein abſchießen.
Nie habe ich einen Enthuſiasmus geſehen, wie ihn dieſe Farce hervorrief. Man verlangte ſtürmiſch ein Dacapo, ich aber ſah ein, daß mit dieſem Marſch noch ein allerletztes, großartiges Concert zu veranſtalten ſei, und verweigerte Herz die Erlaubniß zur Wiederholung. Hören die Mexicaner den Marſch heute zweimal, dachte ich, ſo kommt mir ſicher Keiner zu dem allerletzten Concert und ſo durfte das Dacapo unmög— lich ſtattfinden.
Das ſich jetzt erhebende Toben und Schreien des Publikums iſt unbeſchreiblich. Der Mexicaner iſt zwar nicht ſo gutmüthig wie es kleine Kinder zu ſein pflegen, aber ganz ebenſo unge⸗ zogen. Man begann die Sitzkiſſen auf die Bühne zu ſchleudern. Das Bombardement mit ſo ſchwerem Geſchütz ward drohend und verhängnißvoll, denn dieſer Sitzkiſſen waren eine Menge vorhanden. Will man nämlich in Mexico einen Sperrſitz im Theater miethen, ſo muß man noch obenein gegen zwei Real für den Platz ein Kiſſen miethen, deren die Garcons, die Sitzanweiſer ſtets acht bis zehn auf den Köpfen tragen.
Zufällig ward an dieſem Abend die Stadt Mexico zum erſten male mit Gas beleuchtet, natürlich auch das Theater. Angeſichts des Bombardements gerieth ich alſo auf die lumineuſe Idee, unter dem Vorwand, es ſei am Apparat etwas geſchehen, das Gas abſperren zu laſſen.
Die Dunkelheit und die Furcht vor einer Gas⸗Exploſion zwangen die Empörer zur Ruhe; ſie mußten abziehen, und ich wiederholte zwei Tage ſpäter das Concert mit der höchſten Einnahme, die je in Mexico erzielt worden iſt.
Das Drolligſte an dieſer Affaire iſt, daß dieſer ſchon in New⸗York componirte Marſch, für den Herz in Amerika keinen Verleger finden konnte, in Mexico durch Beſchluß der Kammern als National⸗Hymne adoptirt wurde.
Wenn alſo Händl das„god save the queen“ den Eng⸗ ländern, Rouget de Lisle die Marſeillaiſe den Franzoſen ge⸗ ſchenkt hat, ſo kann ich mich zuweilen nicht einer ſtillen Freude enthalten, mich an den Mexicanern ein wenig gerächt zu haben,
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