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nexicaniſchen Sänfte(ein Maulthier vor, eins hinter der⸗ ſelben) einer viel ärgeren Seekrankheit ausgeſetzt iſt als auf dem Dampfer zwiſchen Dover und Calais.
Trotzdem ich zweiundvierzig Mal den Oeean befahren, inundzwanzig Mal nach Amerika und ebenſo oft zurück, ward ich hier fortwährend vom mal de mer befallen. Ich befand mich in einem jammervollen Zuſtande, und dennoch durfte ich nicht wagen, die Sänfte zu verlaſſen, denn die glühende Hitze konnte dieſelbe verhängnißvolle Wirkung auf mich üben wie der Branntwein auf meinen Jankee. Golt und ich, wir beiden wiſſen allein, was ich auf dieſer Tour gelitten!
Ich muß hier bei dieſer Gelegenheit eine gelehrte Bemerkung über das gelbe Fieber einſchalten. Wenn Sie, lieber Freund, etwa Publikum wieder erzählen, was ich hier plaudere, und einige Aerzte meine Aeußerungen leſen, ſo werden ſie vielleicht darüber die Achſel zucken, aber das ändert meine Ueberzeug ung und meine Erfahrung an Andern nicht.
Wie entſetzlich der Ruf des gelben Fiebers auch ſein mag, es iſt nicht ſo gefährlich, wie man in Europa ſich vor— ſtellt— nicht ſo gefährlich, wenn man gleich die nöthigen Anſtalten gegen das Uebel trifft, wovon bei dem mexicaniſchen Volk natürlich niemals die Rede ſein kann.
Ich habe Europäer auf meiner Reiſe getroffen, die be⸗ haupteten, wenn ſie zwiſchen einer heftigen Erkältung und dem gelben Fieber zu wählen hätten, ſie dem letzteren unbedingt den Vorzug geben würden. Man kann an dem kleinſten Uebel ſterben, wenn man es groß werden läßt.
Das gelbe Fieber iſt an ſich weder eine ſchmerzliche noch gefährliche Krankheit. Hätte Jemand beſondere Luſt, es zu bekommen, ſo brauchte er ganz einfach Nachmittags ohne Regenſchirm in den Straßen von Veracruz ſpazieren zu gehen, ſich von dem um dieſe Zeit gewöhnlich ausbrechenden agua sero durchnäſſen zu laſſen und darauf ohne die Wäſche zu wechſeln gleich in die Sonne zu gehen. Die Krankheit wird ſich danach unfehlbar einſtellen.
Das gelbe Fieber beginnt gewöhnlich mit Kopfweh und Nierenſchmerzen. Mir haben Eingeborene, ſowohl in Habanna als überhaupt in Weſtindien verſichert, es gebe keinen beſſern Arzt bei dieſer Krankheit, als eine ſchwarze Krankenwärterin, die mit derſelben Beſcheid weiß.
Fühlt man die genannten Symptome zu gleicher Zeit, ſo hat man zwei Stunden darauf ein Brechmittel und ein Purgativ zu nehmen. Nach vier bis fünf Stunden läßt man eine Ader am Arm öffnen, aus der das erſte Blut dann
kohlenſchwarz herausquillt, denn das gelbe Fieber iſt nichts
als Verfaulung des Blutes. Einige Minuten ſpäter kommt indeß das geſunde, rothe Blut. Man läßt ſich den Arm wieder verbinden, beobachtet drei bis vier Tage danach die ſtrengſte Diät und genießt nur Bouillon und Limonade.
Acht Tage darauf iſt man nicht allein gerettet, ſondern viel geſünder als je.
Begeht man jedoch die Unvorſichtigkeit, nach dem erſten Anfall vierundzwanzig Stunden verſtreichen zu laſſen ohne Brechmittel und Aderlaß, ſo macht die Blutfäulniß rapide Fortſchritte, geht zum Herzen, man bricht ſchwarzes Blut und iſt unrettbar verloren.
Dieſes Auswurfs wegen nennt man die Krankheit eben vomito negro oder gelbes Fieber, weil ſich der Körper zwölf Stunden nach dem Tode gelb färbt.
So weit vom vowito negro, das mir meinen Yankee nahm und dem ich aus Veracruz entfloh.
Ich erreichte in meiner Höllenſänfte Jalapa und ging von da nach Puebla. Hier hatte ich zum erſten Mal Gelegen⸗
heit, mit den mexicaniſchen Räubern bekannt zu werden.
Trotzdem wir in der Diligence eine Cscorte hatten, wur⸗ den wir zwei Stunden hinter Puebla, wo dieſe Escorte uns aus nur zu errathenden Gründen verließ, von berittenen Leperos angefallen.
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Nach mexicaniſcher Sitte fährt die Diligence ſtets um 2 Uhr Morgens aus, was mir, der ich die Gewohnheit habe, bis 2 Uhr Nachmittags im Bette zu liegen, doppelt unbequem war. Dazu kommt man um 3 Uhr Nachmittags in der Stadt an, und iſt alſo gezwungen, hier zu übernachten.
Oft fragte ich nach der Urſache, warum man nicht um 6 Uhr Morgens fahre, um gegen 6 Uhr Abends einzutreffen, aber ich habe niemals eine andere Antwort bekommen, als „es cosi!“ Es iſt einmal ſo.
Natürlich herrſcht zwiſchen der Escorte und den Räubern das gemüthlichſte Einverſtändniß, indeß wie ſoll man ohne die Diligence ſeine Reiſe machen?
Wir ſchliefen alle drei Paſſagiere, ich, den Sarape(den Poncho) über den Kopf gezogen, eine Modiſtin neben mir, und uns gegenüber ein gemüthlicher Mexicaner in ſeiner kurzen Jacke und weiten mexicaniſchen Hoſen, ähnlich den ungariſchen Gattha⸗Hoſen, mit zwei Reihen Gold⸗Dollars an beiden Seiten ſtolz und vornehm beſetzt.
Ganz plötzlich wurden wir aus dem Schlummer geweckt. Die Diligence hielt an. Uns den Schlaf aus den müden Augen wiſchend, ſahen wir rechts und links zwei rieſige Piſtolen, ein paar Handkanonen, in die Wagenfenſter hereinblicken, die, wie uns die Räuber ſpäter ganz höflich geſtanden, nicht ein⸗ mal geladen waren.
Unſere Diligence war von ſechs berittenen Räubern um⸗ züngelt, deren Geſichter durch ein Taſchentuch, wie durch ein cachernez, derart verhüllt waren, daß man nur die Augen ſah.
Man erſuchte uns artig, uns aus dem Wagen zu be⸗ mühen. Wiederſtand wäre hier nutzlos geweſen. Meine Modiſtin rang flehend die Hände, mein gemüthlicher Mexicaner ſtöhnte.
Danach zwang man uns alle Drei, uns mitten auf der Landſtraße auf den Bauch zu legen und warnte uns, ja nicht aufzublicken.
Wie gewöhnlich fanden die Räuber eine ſehr ſchlechte Beute und zwar aus folgenden Gründen. Erſtens geſtattet die Diligence unter keiner Bedingung, mehr als zwanzig Pfund mitzunehmen. Zweitens iſt man ſtets auf dergleichen Beſuche vorbereitet, nimmt nur ſo viel Kleider mit ſich, um dieſelben einmal wechſeln zu können, und ſchickt das Uebrige mit der Conducta nach Mexico.
Man nahm uns alſo dies Wenige ab. Wer am ſchlechteſten dabei fuhr, das war mein Mexicaner mit ſeinen Golddollar⸗ Hoſen, denn da die Räuber ungern die Zeit verloren, welche das Abſchneiden der ſiebzig oder achtzig Golddollars erfordert hätte, ſo zogen ſie ihm ganz einfach die Hoſen aus, und da man in Merxico keine Unterhoſen trägt, auch das Hemd nach Landesſitte nur bis auf die Hüfte reicht, ſo befand er ſich in ärgerer Verlegenheit als die ihm gegenüber ſitzende Modiſtin, die einmal über das andere erröthete und nicht wußte, wohin
ſie die Augen thun ſollte.
Mit den Räubern waren wir alſo fertig, ſaßen ausge⸗ plündert einander gegenüber und erreichten eine Poſada, in welcher wir einen heftigen Kampf mit den Wanzen zu beſtehen hatten.
Alle Drei nervös durch dieſe Qual, ging's dann in einer unbeſchreiblich ſchnellen Fahrt das mexicaniſche Plateau hinab, eine halsbrechende Expedition, da die acht Maulthiere der Monſtre⸗Diligence ohne Vorreiter ſämmtlich vom Bock geleitet wurden.
Jeder von uns war froh, in der Hauptſtadt Mexico an⸗ gelangt zu ſein. Halbtodt traten wir in die auf franzöſiſchem Fuß eingerichtete, mit dem beſten europäiſchen Hotel wett⸗ eifernde fonda de commercio.
(Schluß folgt.)


