Jahrgang 
1867
Seite
646
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die Genoſſen in dem vollſten Genuß der Freude bis zum grauenden Tage zuſammenhält. Ein Feſt der beſten Art iſt vorübergegangen, ein Siegesfeſt der Bildung, der Civiliſation. Auf jedem einzelnen Geſicht lag der Stempel des ſtolzen Selbſt⸗ bewußtſeins, dieſem Gemeinweſen anzugehören, und ein Stückchen

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Beſitztitel zu haben, das wenigſtens ein kleines Partikelchen

Gold von der goldenen Medaille in Anſpruch nahm, welche

vor wenigen Tagen der Berliner Handwerkerverein vom Felde

der Pariſer Ausſtellung heimgetragen.- L.

Ullmann in Mexico.

Erzählt von Hans Wachenhuſen.

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Meine Leſer erinnern ſich der Fahrten und Abenteuer, welche ich mir von Bernhard Ullmann, dem Director der italieniſchen Oper in Newyork, dem Führer der Sontag, des Virtuoſen Herz u. A. in Amerika, dem Veranſtalter der Patti⸗ Concerte in Europa, erzählen ließ.

Ullmann und ich, wir begegnen uns überall, in Berlin, in Wien, in Paris und andern großen Handelsſtädten. Wenn ich irgendwo eintreffe, frage ich ſtets: iſt Ullmann noch nicht hier? Und wenn er nicht ſchon da iſt, ſo kommt er ganz gewiß in den nächſten Tagen.

So haben wir denn auch in Paris jetzt wieder beiſammen geſeſſen. Er kommt ſelten zum Erzählen, denn er hat ſtets ſeinen Kopf voll von Concerten, Engagements und den tauſenderlei Nothwendigkeiten, welche die Publicität erfordert.

Er raffinirt Tag und Nacht, berechnet die Wirkungen ſeiner Reclamen auf das Publikum, erfindet neue Mittel und Wege, um zu großen Zielen zu gelangen und überraſcht mich oft mit unglaublichen Reſultaten ſeines Nachdenkens.

Ideen, die ihm ein Anderer an die Hand gibt, hat er längſt verworfen, Beweiſe, daß er Unrecht habe, nimmt er niemals an, und giftig iſt er, wenn man ihm einen Künſtler ſchlecht macht, den er eben zu ſeinen Monſtre⸗Concerten gegen hohes Honorar engagirt hat.

Ullmann iſt wie eine Kreuzſpinne, die ganz Europa mit einem Reclamen⸗Netz überſpannt hat. Von ſeiner Raffinerie hier ein Beiſpiel, das ihm keinen geringen Triumph be⸗ reitet hat.

Carlotta Patti hatte es ſich in den Kopf geſetzt, in Paris ſingen zu wollen, und wenn ein Weib ſich einmal capricirt, ſo iſt nichts dagegen zu machen.

Selbſt Ullmann mußte vor ihrem Eigenſinn die Segel ſtreichen und nachgeben.

Ullmann fürchtete, daß Carlotta ihrer ſeit Jahren die italieniſche Oper über Waſſer haltenden Schweſter Adeline gegenüber vielleicht nicht den Erfolg haben könne, welchen er für unerläßlich hielt. Er fürchtete eine Niederlage dieſer ge⸗ feierten Schweſter gegenüber.

Aber Pieu veut ce que femme veut, und Carlotta reiſte mit ihm nach Paris, um im Theätre⸗Lyrique in Concerten auf⸗ zutreten.

Ullmann berechnete jetzt, daß ihm die Reclame in den Pariſer Zeitungen zu Gunſten Carlotta's mindeſtens dreißig bis vierzigtauſend Franecs koſten werde, und ſcheute er zu ſeinen Zwecken auch niemals große Koſten, ſo kraute er ſich doch hier bedenklich hinter den Ohren.

Als Ullmann und Carlotta in Paris eintrafen, erzählte mir der Erſtere, er habe ſich mit Carlotta erzürnt.

Ich blickte Ullmann prüfend an. Er ſchimpfte auf Carlotta und Carlotta auf ihn.

Es mußte alſo wohl etwas Wahres an der Sache ſein; aber Glauben ſchenkte ich ihm dennoch nicht.

Calchas! Calchas! rief ich. Ullmann aber ſchimpfte weiter über die Carlotta und alle ſingenden Weiber, und ſie ſchimpfte weiter auf ihn.

Sie mußten ſich alſo wohl allen Ernſtes erzürnt haben, und dennoch kannte ich meinen Ullmann.

Carlotta's Ankunft alſo ward von den Pariſer Zeitungen mit großer Theilnahme erzählt; ihre Concerte wurden annoncirt.

Ullmann kam inzwiſchen Abends ins Cafe und⸗ſchimpfte auf die Carlotta. 7

Inzwiſchen ſchrieb er einen Brief an die deutſchen Redactionen und beklagte ſich öffentlich über die Carlotta.

Dieſe trat im erſten Concert auf. Sie geſiel. Es folgte das zweite, das dritte u. ſ. w. Carlotta gefiel immer mehr, und die Pariſer Preſſe ſang einſtimmig ihr Lob.

Da eines Tages hatten Ullmann und Carlotta ſich wieder verſöhnt!

Ullmann's ſchwarzer Plan kam jetzt ans Tageslicht:

Um die großen Summen für die Reclamen zu erſparen,

ohne welche kaum ein Künſtler in Paris auf Erfolg rechnen kann, hatte Ullmann ſich mit Carlotta erzürnt.*

Dieſe war zu den Redactionen gegangen und hatte ſich über Ullmann beklagt. In ihrer Ritterlichkeit hatten die Redactionen ſofort für die ſingende Unſchuld Partei genommen, und Ullmann lachte ſich ins Fäuſtchen: er hatte ſeine runden dreißig⸗ bis vierzigtauſend Franes erſpart!

Ich erzähle da nur eine der zahlloſen Raffinerien dieſes Mannes und laſſe ihn jetzt ſelbſt über ſeine Erlebniſſe in Mexico ſprechen, die zugleich ein Licht auf die Zuſtände dieſes Landes werfen.

Eine der intereſſanteſten Rundreiſen, die ich machte, er⸗ zählt Ullmann, war die in Mexicv. Ich ging von den Ver⸗ einigten Staaten aus im Juni von Mobile nach Veraeruz, wo das gelbe Fieber eben graſſirte.

Offen geſtanden, war der erſte Eindruck kein günſtiger. Tropiſche Hitze, undurchdringliche Staubwolken in allen Straßen, dazu eine Geſellſchaft von Geiern, die ſich in den Kloaken mäſteten.

Mein Reiſegefährte war ein echter Yankee, der ſich damit wichtig machte, daß ſo ein benighted country es nimmermehr wagen dürfe, ſich durch Misgeſchick an der Perſon eines freien Amerikaners zu vergreifen, daß ihm alſo das gelbe Fieber nichts anhaben könne.

In ſeinem Selbſtvertrauen trank er gleich nach ſeiner Ankunft in Veracruz ein Glas Branntwein nach dem andern. Zwei Stunden barauf hatte ihn das gelbe Fieber gepackt und ſechs Stunden ſpäter war er mauſetodt.

Ich hatte alſo geſehen, wie wenig der vomito negro einen geborenen Yankee verſchonte und verſpürte keine Luſt, mich länger in Veracruz aufzuhalten, zumal ich nur ein adoptirter Amerikaner bin.

Die Diligence ging erſt am nächſten Tage; es blieb

mir alſo nichts übrig, als eine von Maulthieren getragene Sänfte zu miethen, um nach Jalapa zu kommen, wo die ge⸗ mäßigte Zone beginnt.

Der Mexicaner iſt ſtolz auf die von Vergeruz nach Jalapa führende Straße, und wirklich zieht ſich dieſelbe durch eine paradieſiſche Gegend, die den hängenden Gärten der Semiramis gleicht.

Ich habe der Naturſchönheiten ſchon ſo unendlich viele geſehen, daß ich ein wenig blaſirt bin, habe es mir auch zum

Princip gemacht, in meiner Lektüre alle Schilderungen von

ſolchen zu überſpringen. In dieſem ſpeciellen Fall mag ich auch für meine Gleichgültigkeit entſchuldigt werden, da ich ſpottwenig Genuß von allen dieſen Reizen der Natur haben

konnte. Lernte ich doch hier einſehen, daß man in einer

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