Jahrgang 
1867
Seite
644
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Sie wünſchten mich zu ſprechen? fragte Gourbet.

Ja wohl, ich wollte mich Ihnen zur Verfügung ſtellen hinſichtlich des Mordes in der Rue de la Pair.

Sie verſuchten ſchon einmal, ſich Madame vorzuſtellen? verſetzte der Richter, auf Julia deutend.

Vibert verneigte ſich abermals zuſtimmend, nachdem er Julia durch ſeine blaue Brille angeſehen hatte.

Kennen Sie die Sache in allen ihren Details? fragte der Richter weiter.

Ich glaube. Ich war einer der Erſten am Schauplatz des Verbrechens, ſobald daſſelbe bekannt geworden war.

Ganz recht, der Rapport des betreffenden Polizei⸗ Beamten erwähnt Ihre Anweſenheit, ſowie einen gewiſſen Verdacht, den Sie hegten.

Ein abſurder Verdacht, den ich von ganzen Herzen be⸗ dauere, verſetzte Vibert, lebhaft den Richter unterbrechend und einen reuevollen Blick auf Julia werfend.Mein Arg⸗ wohn hat ſich nach einer andern Seite gewendet, und zwar auf dieſelbe Perſon, welche Sie geſtern haben verhaften laſſen.

Der Richter reichte dem Polizei⸗Beamten das Protokoll über das eben beendete Verhör Savari's.

Vibert holte eine Brille aus ſeiner Taſche, ſtützte die Elnbogen auf den Tiſch, legte den Kopf in die Hand und vertiefte ſich in die Lektüre, während Gourbet ſich mit Julia unterhielt.

Nach Verlauf einer Viertelſtunde erhob fich Vibert und ſagte dem Richter ſeine Anſicht, daß das Reſultat des Ver⸗ hörs ſchwerlich eine Verurtheilung vor den Aſſiſen zur Folge haben würde, wenn nicht neue Momente hinzukämen. Uebrigens beſaß der geſchickte Polizei⸗Agent Selbſtvertrauen genug, als daß er an dem Auffinden neuer Momente verzweifelt hätte.

Vorausgeſetzt, unterbrach ihn Gourbet,daß Savari wirklich der Schuldige iſt.

Er iſt es! rief Julia heftig, die kein Wort von der ziemlich leiſe geführten Unterhaltung verloren hatte.

Ah, ſagte Vibert, ſich lebhaft zu Julia wendend; Madame iſt alſo von der Schuld des Angeklagten über⸗ zeugt?

Vollkommen.

Bravo! rief Vibert freudig.Bravo, Savari iſt ver⸗ loren, jetzt bin ich ſicher, Beweiſe gegen ihn zu finden.

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Der Freudenausdruck im Antlitz des Polizei⸗Agenten war nur vorübergehend. Sofort glättete ſich daſſelbe wieder, und beide Beamte ſetzten ihre Unterhaltung fort. Sie beſprachen jeden einzelnen Abſatz des Protokolls, Beide waren einig darüber, daß man es hier mit einem durchaus intelligenten Manne zu thun habe. Tage und ſelbſt Wochen der Haft konnten auf einen ſo energiſchen Charakter ſchwerlich Eindruck machen; von dem oft angewendeten Mittel, Savari dadurch,

zu einer unvorſichtigen Aeußerung zu veranlaſſen, verſprachen ſich beide Männer ebenſo wenig, und ſo gab denn Vibert dem Richter den Rath, den Gefangenen ſofort in Freiheit zu ſetzen. Dieſer ſtimmte den Anſichten Vibert's überall bei, fürchtete aber, Savari würde ſich weiteren Verſolgungen durch die ſchleunigſte Flucht entziehen.

Das iſt unwahrſcheinlich, ſagte Vbert.Hätte er fliehen wollen, ſo würde er ſchwerlich ſeine Verhöftung avge⸗ wartet haben. Beurtheile ich ihn richtig, ſo verläßt er ſich auf ſeine Ruhe und ſeine Geiſtesgegenwart, ja ſein Vertrauen zu dieſen Eigenſchaften wird noch größer werden, wenn er, bereits den Händen der Juſtiz verfallen, wieder frei gelaſſen wird. Endlich aber iſt Savari ein Pariſer vom reinſten Waſſer, das heißt, Paris und das Pariſer Leben iſt ihm

zu müſſen. Ich aber, ich werde ſein Schatten ſein, ich werde ihn unbemerkt mit einem ſolchen Spionageſyſtem umgeben, daß er im äußerſten Falle eine Flucht ſchwerlich bewerk⸗ ſtelligen ſoll.

Es ſei! entgegnete Gourbet. und ich vertraue ihn Ihrer Obhut. welches iſt nun Ihr Plan?

Mein Plan? Leider kenne ich ihn ſelbſt noch nicht, aber ich fühle, daß er gelingen wird.

Gourbet war, wie wir bereits ſagten, einer der ausge⸗ zeichnetſten Unterſuchungsrichter Frankreichs. Vibert den Mann, der, wenn Savari ſchuldig war, auch ſeine Schuld beweiſen würde. Er bewilligte dem Agenten Alles, was dieſer zu ſeiner Unterſtützung verlangte.

Vibert ſagte Julia noch einige artige Worte, dann empfahl er ſich geräuſchlos.

Der Gefangene iſt frei Aber ſagen Sie mir,

(Fortſetzung folgt.)

Berliner

Eine heitere Epiſode geht durch das Stilleben der Reſidenz. Die Stadt hat ihr Sonntagskleid angezogen, grüne Kränze und Guirlanden, denen ſich hier und dort wohl eine Roſe beimiſcht, ſchmücken viele Häuſer, ſchwarzweiße Fahnen laſſen ſich auf den Dächern vom Winde ſchaukeln, auch das Rothe macht hier und dort einen ſchwachen Verſuch, die preußiſchen Farben zurNorddeutſchen Tricolore zu ergänzen, die Ber⸗ liner Jugend zieht in größern Maſſen und in einem Anzuge, der einen feſtlichen Anſtrich hat, durch die Straßen, die Schuſterjungen ſchreien Hurrah, und durch die Lüfte dröhnen ſo und ſo viel Kanonenſchüſſe, zur Feier des Tages. Es iſt der Tag von Königgrätz! Vor einem Jahre iſt die große Schlacht geſchlagen worden, die eine Epoche macht in der Geſchichte Preußens, in der Geſchichte Deutſchlands, in der Geſchichte Europas. Mag man noch zweifelnd in die Zukunft ſchauen, mag es für den Augenblick unentſchieden ſein, ob aus der blutigen Saat die Roſen des Friedens und der Freiheit ſich entwickeln, mag Vater Arndt mit ſeiner voll⸗ berechtigten Forderung:Das ganze Deutſchland ſoll es ſein! noch ſorgenvoll ſein unſterbliches Haupt ſchütteln; mit dem Siege von Königgrätz iſt das Schickſal Deutſchlands in eine neue Phaſe getreten, und auch der eingefleiſchteſte Peſſimiſt muß heute ſeine Stirn entrunzeln und ſeine Sonntagslaune anlegen. Daß an einem ſolchen Tage der patriotiſche Pegaſus

Schnitzel.

ſeinen Stall verläßt, iſt begreiflich. Es gibt faſt keine Zeitung, in der man ihn nicht wiehern hört und ſeine Sprünge machen ſieht. Aber, wie ein abgezehrter, verhungerter Gaul, bewegt er ſich unbeholfen, holprig, ohne Muth, ohne Feuer, ohne Grazie, daß man ſich eines gewiſſen Mitleids nicht erwehren kann. Dieſes jammervolle Dichter⸗Pferderennen! Nirgends Wärme, nirgends Begeiſterung, nirgends dithyrambiſcher Schwung! Wir würden unſer armes Deutſchland ob ſeiner Armuth beklagen, müßten wir nicht glauben, daß bei ſolchen Gelegenheiten die keuſche Muſe ſich nicht gern öffentlich zeigt, daß nur Diejenigen dichten, die nicht dichten können, und die dichten können, nicht dichten. In der Tante Voß hat ein bekannter Poeta laureatus ſogar zur römiſchen Sprache ſeine Zuflucht genommen. Aber auch ſeine Production verdient nichts als eine ſofortige Conſumtion. Solchen Gedanken und Empfindungen wäre unſerer Mutterſprache ſchon gewachſen geweſen, und die gute Sappho wird ſich im Grabe herum⸗ drehen, wenn ſie Notiz nimmt von dieſen Sappho'ſchen Verſen und der Negation des Geiſtes und der Begeiſterung.

Wie die Zeitungsmuſe iſt auch die Theatermuſe in den Dienſt von Königgrätz getreten. Gott Mars hat ſich freilich ſehr im Lichte geſtanden, daß er den großen Sieg auf ein Datum gelegt hat, an welchem derkönigliche Apollo mit ſeinenlebenslänglichen Camönen ſich auf Reiſen befindet.

daß man ihm einen ſcheinbaren Mitgefangenen gab, vielleicht

unumgänglich nöthig, er kann nirgend weiter leben und wird- ſich den größten Gefahren ausſetzen, um Paris nicht verkaſſen

Er erkannte in

Er n der habe der verſc niede Sche Feſt ande S Schlo legen, worde ſeine reihu Son haft tichW Pa

ſie a ans( in B eine Ton ſind und ihre u die gur lich, iſt, duri des geiſt geſc Iuſ einl für gun Be and ab und wo die