Jahrgang 
1867
Seite
643
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63 nöthigt, Fuuerzweifelten Mitteln zu greifen, die, allerdings

ſchiedene Koſtbarkeiten, die ich aus dem Schiffbruch meines kleinen

Roulette und Trent⸗et⸗quarante geſpielt wird.

Haben Sie mich nicht verſtanden, oder brauchen ſie Zeit, ſich auf Ihre Antwort vorzubereiten? fragte der Richter.

Wenn, antwortete Savari lachend,ich mich auf dieſe Antwort hätte vorbereiten müſſen, hätte ich wahrhaftig während des langen Verhörs Zeit genug dazu gehabt. Ihre letzte Frage hat eine ſolche Wichtigkeit, daß ich ſie längſt erwartet habe. Wenn ich mit der Antwort zögerte, ſo kommt dies einzig daher, weil ich fühle, dieſe Antwort wird Ihnen nicht genügen.

So, ſie iſt alſo nicht erſchöpfend?

Für Sie, mein Herr, der Sie eine regelmäßige und geordnete Lebensweiſe führen, dürfte ſie nicht erſchöpfend ſein, denn Sie werden gewiffe Manipulationen, ſich Geld zu ver⸗ ſchaffen, nicht begreßen.

Ich bin neigierig, dieſe Manipulationen kennen zu

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Nachdem Savari ſo den Inſtructionsrichter geſchickt auf ſeine nun folgenden Auseinanderſetzungen vorbereitet hatte, fuhr er fort:

Seit zwei ich meinen Wechſelverpflichtungen gegen ſollte. Ich machte mir durchaus keine Geſinnungen dieſes Mannes gegen mich,

Schlimmſte von ihm zu befürchten hatte.

Monaten dachte ich nur darüber nach, wie Vidal nachkommen Illuſionen über die ich wußte, daß ich Ich war ge⸗

doch von Vielen im äußerſten Falle angewendet

nicht neu, Anfangs October verkaufte ich ver⸗

werden, ohne zu glücken.

Vermögens gerettet hatte, ich lieh von einem Freunde fünfund zwanzig Louisd'or, von einem andern dreißig und brachte ſo eine Summe von dreitauſend fünfhundert Francs zuſammen. Mit dieſem Geld reiſte ich nach Spa, wo, wie Sie wiſſen, Ich riskirte hier tauſend Francs und gewann durch eine neue Methode, über die ich lange ſtudirt habe, faſt zehntauſend Francs in zwei Wochen.

Der Richter lächelte ungläubig. Savari ſchien hiervon nicht die geringſte Notiz zu nehmen, ſondern fuhr fort:

40 verließ Spa und reiſte nach Deutſchland. Ich ging nach Baden⸗Baden, Homburg, Wiesbaden und ſpielte überall mit demſelben Glück. Kurz, nach einer Abweſenheit von wenigen Tagen kam ich am funfzehnten October mit einer Summe von fünfundfunfzigtauſend Franes nach Paris zurück, mit welcher ich meinen Gläubiger befriedigte. Dies iſt die ganze Geſchichte. Sie iſt, im Grunde genommen, ungeheuer einfach, aber, zum Unglück für mich ſcheint ſie, wie die meiſten einfachen Dinge, ſehr complicirt.

Sehr complicirt, in der That, beſtätigte Gourbet.

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mir durch den Bankhalter oder die Croupiers jeden Abend ein Atteſt geben zu laſſen.

Ohne auf dieſen Ausfall zu antworten, wo Savari zum erſten Male während des ganzen Verhörs ſeine Ruhe verließ, erhob ſich Gourbet und befahl dem Schreiber, die aufgenommene Verhandlung dem Angeſchuldigten vorzuleſen und von dieſem unterſchreiben zu laſſen.

Das Vorleſen nahm über eine halbe Stunde in Anſpruch. Savari hörte aufmerkſam zu, ohne irgend eine Bemerkung. Gourbet war in tiefes Grübeln verſunken. Er geſtand ſich, daß er, ungeachtet aller Bemühungen, keinen Schritt vorwärts gekommen ſei. Das Dunkel, welches das Verbrechen in der Rue⸗de la Paix umhüllte, wurde immer dichter. Albert Savari war der Einzige, auf den er mit einigem Grund einen Verdacht hatte werfen können. Und wie hatte er ſich von der Wahrheit dieſes Verdachts überzeugt! Auf die Kreuz⸗ und Querfragen, welche er Savari vorgelegt hatte, hatte dieſer allerdings nicht immer ganz befriedigend geantwortet, aber keine dieſer Antworten verdammte ihn. Wenn er auch ſeine Unſchuld nicht klar bewieſen hatte, ſo war doch auch kein Beweis ſeiner Schuld vorhanden.

Savari unterzeichnete das Protokoll und erwartete die weiteren Verfügungen des Richters. Dieſer bedeutete ihm, er ſei nicht im Stande, ihn aus der Haft zu entlaſſen, doch wäre kein Grund vorhanden, dieſelbe zu einer ſcharfen zu machen, er wolle ihn zum Beiſpiel nicht vom Verkehr mit der Außenwelt abſchließen. Savari dankte mit einer ſtummen Verbeugung und verließ, von dem Schreiber begleitet, das Zimmer.

Kaum hatte ſich die Thür geſchloſſen, da ſchlug Julia Vorhang zurück, trat ſchnell auf den Richter zu und rief, der Hand nach der Thür deutend;

Der Mann, der eben dies Zimmer verlaſſen hat, iſt Mörder meines Gatten!

den mit

der

Nachdem Gourbet die erſte Ueberraſchung über die ſtürmiſche, überzeugte Anklage überwunden hatte, bemühte er ſich, Julia begreiflich zu machen, daß ihr Schmerz ſie zu Ungerechtigkeiten verleite, ihr Eifer, ihren Gatten zu rächen, ſie überall Schuldige erblicken laſſe. Auf alle dieſe Ein⸗ wendungen hatte ſie nur die eine Antwort:

Ich irre mich nicht, ich bin meiner Sache ſicher.

Haben Sie denn, fragte der Richter,in ſeiner Haltung, ſeinen Augen, ſeinen Worten irgend etwas entdeckt, was mir entgangen wäre? Sie ſchütteln den Kopf. Worauf baſiren Sie denn Ihre Ueberzeugung?

Auf nichts und doch auf Alles. Vom erſten Augenblicke an, ſeit dieſer Menſch ins Zimmer trat, ging in mir etwas

Dieſe Erzählung hat in meinen Augen nicht den geringſten Werth, ſie dient in keiner Weiſe zu Ihrer Rechtfertigung, da Sie keine der von Ihnen angeführten Thatſachen als ſolche beweiſen.

Es wird leicht ſein, feſtzuſtellen, daß ich Paris in den erſten Tagen des October verlaſſen, daß ich in Spa im Hötel dHrange abgeſtiegen bin. Mein Name iſt dort im Fremden⸗

buch eingetragen. In Baden wohnte ich im Victoria⸗Hötel, in Homburg im Hötel Bellevue. Endlich werde ich leicht nachweiſen können, daß ich am funfzehnten October nach Paris zurückgekehrt bin.

Und wie wollen Sie den Gewinn von funfzigtauſend Francs nachweiſen?

Dies iſt allerdings ſchon ſchwerer, doch gibt es Leute, die mich ſpielen und gewinnen geſehen haben.

Nicht wahr? Deutſche, Belgier, Fremde, wie wollen Sie ſie herbeiſchaffen?

Aber, mein Gott, rief Savari lebhaft,als ich in Deutſchland war und an den Spieltiſchen ſaß, konnte ich nicht ahnen, daß ich in Frankreich des Mordes angeklagt werden, daß ich es nöthig haben würde, mein Gewinnen durch Zeugen zu beweiſen, um meine Freiheit und mein Leben zu vertheidigen! Hätte ich es vorausgeſehen, ſo würde ich nicht verfehlt haben,

Unbekannte;

Ungewöhnliches vor; das erſte Wort, das er ſprach, machte mein Inneres erbeben. Warum würde ich ſo vor ihm ſchaudern, wenn er unſchuldig wäre? Sie haben mir ſchon zwei Ver⸗ dächtige gegenübergeſtellt und ich bin völlig ruhig geblieben. Dieſer Sabari iſt mir nicht fremd. Sein Leben iſt eng mit dem meinigen verknüpft; er hat mir ſo unſägliches Leiden bereitet, ich bin ſicher, er iſt der Mörder, ich ſchwöre es Ihnen.

Madame, Sie ſind Italienerin, ihr Temperament regt

Sie auf.

Woher kommt das Grauen, das ich vor einem Meuſchen empfinde, den ich nicht kenne, den ich niemals geſehen habe? Er iſt der Schuldige, ich ſage Ihnen, er iſt es!

Julia's Bewegungen, ihre Haltung, der Ton ihrer Stimme, ihre blitzenden Augen ſprachen die Anklage zugleich

aus. Sie war hinreißend ſchön in dieſer wilden Aufregung, ſo mußte die Prieſterin des alten Rom ausgeſehen haben, die dem Volke die Schändung des Heiligthums klagte. In dieſem Augenblick trat der Schreiber wieder ein. Er überreichte dem Richter ein Papier. Laſſen Sie ihn kommen. Ein Mann, Namens Vibert, achtungsvoll.

trat ein und grüßte

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