Jahrgang 
1867
Seite
642
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Wirklichkeit gar nicht in dem Ueberzieher waren, mit Naſen⸗ bluten oder einer Verwundung am Finger entſchuldigen. Albert Savari beſtritt, wie wir geſehen haben, die Möglich⸗ keit geradezu und dies mit ſo ſicherem Weſen, ohne eine Miene zu verziehen, daß der Richter immer mehr von ſeiner Schuld⸗ loſigkeit überzeugt wurde.

Aus Ihrer Wohnung, fuhr er deſſenungeachtet fort, gingen Sie zu einer gewiſſen Pelagie d'Ermont, einer ſehr übel berüchtigten Dame der Demi⸗Monde, mit welcher Sie leben.

Entſchuldigen Sie, mein Herr, unterbrach Savari den Richter lächelnd,ich kenne allerdings Madame d'Ermont, aber ich lebe nicht mit ihr.

Streiten wir nicht um Worte. Sie ſind ihr Liebhaber.

Zugegeben. Ich theile dieſe Begünſtigung nur mit vielen Andern.

Das läßt ſich wohl denken. Sie müſſen zugeben, dieſe Frau lebt ſo luxuriös, ſie gibt ſo viel Geld für ihre Wohnung, ihre Toilette, ihre Equipagen aus, ohne andere Mittel zu haben als die, welche ſie von Ihnen empfängt.

Ich beſtreite auch gar nicht, daß ſie mich viel Geld gekoſtet hat. Sie aber, mein Herr, kennen die Tiefen und Untiefen des Pariſer Lebens ſo gut, daß Sie ſehr wohl wiſſen, man kann eine Frau wie Madame d'Ermont zur Geliebten haben, ohne ſich gerade für ſie ruiniren zu müſſen.

Savari ſagte dies Alles ſo unbefangen, als ob er ſich darüber mit einem Freunde unterhielte. Der Richter kämpfte bereits mit ſich, ob er nicht ſofort das Verhör abbrechen ſollte, um dem Gefangenen die Freiheit wiederzugeben. Er hatte ſich von ſeinem Seſſel erhoben, und ſchritt in dem Zimmer, in tiefe Gedanken verſunken, auf und ab. Er erinnerte ſich plötzlich der Anweſenheit Julia's und ging nach dem Cabinet, in welches er ſie gewieſen hatte. Die junge Frau ſaß, einer Statue gleich, auf dem Stuhle. Ihre Leichen⸗ bläſſe frappirte Gourbet. Der Anblick des unglücklichen Weibes gab ſeinen Gedanken eine andere Richtung, er nahm ſeinen Platz wieder ein und begann, einem neuen Ideengang folgend, abermals das Verhör.

Kannten Sie Maurice Vidal? fragte er.

Ja.

Wie lange?

Seit ungefähr drei Jahren.

In welchem Verhältniß ſtanden Sie zu ihm?

Ein gemeinſchaftlicher Freund von uns Beiden, ein Herr von Montoux, dem ich den Wunſch ausdrückte, an der

Börſe zu ſpeeuliren, ſtellte mich Vidal vor, der bereit war,

meine Geſchäfte zu vermitteln.

Ohne irgendwelche Garantie, irgendwelche Caution zu beanſpruchen? fragte der Richter.

Meine moraliſche Garantie genügte ihm. Es handelte ſich übrigens um ſehr unbedeutende Operationen. Die Differenzen jeder Liquidation überſtiegen uiemals tauſend bis zweitauſend Franes.

Dabei blieb es indeſſen nicht, ſagte Gourbet, verloren bald eine beträchtliche Summe.

Allerdings. Ich ließ mich einmal verleiten, aus meiner gewöhnlichen Zurückhaltung herauszugehen. Ich gab Vidal in Folge einer mir zugegangenen politiſchen Nachricht einen Auftrag, den er realiſirte. Meine Nachricht war falſch ge⸗ weſen und ich verlor zwanzigtauſend Francs.

Soviel ich weiß, belief ſich Ihr Verluſt auf funfzig⸗ tauſend.

Sie

Speculation, von der ich eben geſprochen habe, loſtete mir zwanzigtauſend Franes; ich verſuchte eine zweite, eine dritte Operation, um meine Verluſte zu decken. Auch dieſe ſchlugen fehl, dadurch erſt wurde die Summe von funfzig⸗ tauſend Franes erreicht.

Und hat Vidal nicht verſucht, ſich für dieſe Verluſte ſicher zu ſtellen?

Er hatte mich kleinere Differenzen ſtets prompt aus⸗ zahlen ſehen, halte alſo keinen Grund, an meiner Solidität zu zweifeln

Man präſentirte mir die Schlußſcheine und ich wa

Was antwortete Vidal hierauf?

Ich muß geſtehen, er nahm die Sache ſehr übel.

Fand nicht auf der Börſe zwiſchen Ihnen und Ihrem Gläubiger eine ſehr heftige Scene ſtatt?

Allerdings. Dieſelbe endete damit, daß ich ihm Wechſel auf Höhe von funfzigtauſend Francs gab.

Und was iſt aus dieſen Wechſeln geworden? fragte der Unterſuchungsrichter ſchnell.

Man muß ſie in meiner Wohnung gefunden haben, denn ich vermuthe, daß man eine Hausſuchung bei mir ge⸗ halten hat.

Die Papiere ſind bei Ihnen gefunden. dieſelben aber in Ihre Wohnung?

Auf die einfachſte Art von der Welt. bezahlt und ſie alſo zurückerhalten.

Von wem?

Von Vidal.

Wann?

Am Abend vor ſeinem Tode und am Abend des Ver⸗ falltages meiner Wechſel.

Unmöglich. Sie ſind in der Rue de la Paix geweſen und haben dort Niemand zu Hauſe getroffen.

Man ſagte mir, Vidal ſei nicht zu Hauſe und käme erſt Abends. Ich hatte jedoch Eile, mich mit ihm zu arrangiren, denn ich wußte, daß ſeit unſerm Streit er mir nicht wohl wollte. Ich ſuchte ihn daher und traf ihn auch in der Rue Vivienne, durch die er immer ging, wenn er die Börſe ver⸗ ließ. Es war dies ungefähr um halb vier Uhr.

Und Sie bezahlten ihm die bedeutende Summe auf der Straße? Das iſt nicht wahrſcheinlich.

Doch, mein Herr. Bei Börſenleuten gehen fortwährend beträchtliche Geldbeiträge von Hand zu Hand, der Ort der Zahlung iſt dabei gleichgültig. Funfzigtauſend Franes in Papieren ſind kein großer Gegenſtand.

Sie behaupten auch, Vidal habe Ihre funfzigtauſend Franes Wechſel bei ſich gehabt?

Erlauben Sie mir, Ihnen zu bemerken, ich die Wechſel unterſchrieb, mir Vidal erklärte, er witde ſie, ſobald der Verfalltag da wäre und ſie nicht bezahlt würden, ſofort dem Gericht übergeben. Es war bereits Nachmittag, Vidal hatte von mir noch nichts gehört oder geſehen und war wahrſcheinlich in Begriff, ſeine Drohung wahr zu machen.

Der Richter, augenſcheinlich ungeduldig gemacht durch die Antworten Savari's, überlegte einen Augenblick.

Die Verſion, die Sie ziemlich geſchickt ausgedacht haben, ſagte er alsdann,leidet nur an einem Fehler. Vidal hatte in Gegenwart mehrerer Perſonen erklärt, daß er nicht die geringſte Hoffnung hätte, von Ihnen befriedigt zu werden. Wäre dies dennoch der Fall geweſen, ſo würde er es gewiß ſofort ſeinen Freunden erzählt haben.

Vielleicht hat er zufällig keinen ſeiner Freunde ge⸗ troffen.

Sie irren, er hat mit einem derſelben am neunzehnten October dinirt.

Dann, antwortete Savari ſchnell,hat er vergeſſen, es dieſem zu erzählen, oder er hat Gründe dazu gehabt, es nicht zu thun. Es iſt oft thöricht, einem Freunde zu ſagen: Ich habe ſoeben eine Summe erhalten, auf die ich gar nicht rechnete. Dieſer Freund könnte verſuchen eine Anleihe zu machen und man käme in Verlegenheit.

Sie wenigſtens, mein Herr, kommen nie in Verlegen⸗ heit, Sie haben immer eine mehr oder weniger gute Antwort in Reſerve, ſagte Gourbet, den die letzten Antworten des Angeklagten ſehr zu ſeinen Ungunſten umgeſtimmt hatten.Was aber, fuhr er fort,werden Sie mir antworten, wenn ich Sie frage, wie haben Sie ſich die funfzigtauſends Francs, welche Sie behaupten bezahlt zu haben, verſchafft?

Wie kamen

Savari, der bis jetzt jede Frage ohne Zögern beantwortet hatte, ſchwieg.

Was war die Folge Ihrer Verluſte?

genöthigt zu erklären, ich könne augenblicklich nicht zahlen.

Ich hatte ſie ſein

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