Jahrgang 
1867
Seite
641
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Hllu

ſtrirtes Vollisblatt. Herausgeber: Hans Wucherhuſen.

X. Jahrgang.

1867. 41.

Ein geheimnißvolles Drama.

Von A.

Belot.

(Fortſetzung.)

ourbet ſagte ſich daſſelbe, er mußte ſeine Taktik ändern nd fragte daher plötzlich: Wo haben Sie den Abend des 19. October zu⸗

gebracht?

Und wo Sie, mein Herr? antwortete Savari.

Dieſe unerwartete Antwort war ſelbſt im Stande, einen ſo unerſchütterlichen Inſtructionsrichter wie Gourbet aufzu⸗ bringen. Er erhob ſich und ſagte:

Mein Herr, Sie vergeſſen die Achtung, welche Sie meinem Amte ſchuldig ſind. Ich werde Befehl ertheilen

Verziehen Sie einen Augenblick, unterbrach ihn Albert Savari in feſtem, aber ausgeſucht artigem Tone.Sie haben den Sinn meiner Worte falſch ausgelegt. Ich habe nicht die Abſicht, einen Beamten zu beleidigen, deſſen Benehmen und Sprache, ſo ſtreng ſie auch ſind, nicht einen Augenblick auf⸗ gehört haben, höflich zu ſein, ſondern habe mit meiner Frage nur der Ihrigen gegenüber Ihnen zu verſtehen geben wollen, wie ſchwer es iſt, Ihnen zu antworten. Sie fragen mich ganz plötzlich, was ich am 19. October gethan habe, und ich gab Ihnen Ihre eigenen Worte zurück. Ich bin überzeugt, daß beim beſten Willen Niemand eine ſolche Auskunft, nament⸗ lich an ſolchem Orte, wo jeder Irrthum ſo folgenſchwer ſein kann, plötzlich zu geben.

Das hängt eben ganz von der Lebensweiſe, die man führt, ab, und ich geſtehe ein, daß meine Frage für Sie ſehr ſchwer zu beantworten ſein mochte. Doch Sie haben inzwiſchen Zeit gehabt, Ihre Erinnerungen zu ſammeln; können Sie mir jetzt antworten?

Ich hoffe es wenigſtens. ich im Café Anglais.

Sind Sie dort bekannt?

Schon ſeit Jahren.

Wann glauben Sie dort fortgegangen zu ſein?

Gegen acht Uhr.

Beſinnen Sie ſich genau, mein Herr, ich bitte Sie dringend darum. Ihre Antworten ſind von größter Wichtig⸗ keit, denn das Verbrechen iſt zwiſchen acht und neun Uhr begangen worden.

Hätte ich es begangen, verſetzte Savari,ſo würde ich wohl die Zeit gewußt haben und es wäre mir eine Kleinig⸗

Wachenhuſen's Hausfreund. X. 14.

Wenn ich nicht irre, dinirte

keit geweſen, zu ſagen, ich bin um neun Uhr aus dem Caft Anglais fortgegangen.

Es würde Ihnen ſehr ſchwer werden dies zu beweiſen.

Nichts leichter als dieſes. Die Stammgäſte des Café Anglais ſpeiſen ſehr ſpät. Noch gegen neun Uhr befinden ſich Gäſte an der Speiſetafel, und es würde mir ein Kleines ſein, Leute zu ſtellen, die mir im beſten Glauben bezeugen würden, mich noch um neun Uhr geſehen zu haben. Ich habe acht Uhr geſagt, weil ich bei der Wahrheit bleiben will.

Gut. Sie verließen alſo das Café Anglais um acht Uhr. Was thaten Sie dann?

Ich promenirte wie gewöhnlich eine Stunde auf dem Bvoulevard des Italiens.

Wer hat Sie dort geſehen? Können Sie mir einen Ihrer Freunde oder Bekannten nennen, mit dem Sie ge⸗ ſprochen haben?

Nein, erwiederte Albert Savari nach einigem Nach⸗ denken;ich begegnete Niemand.

Es wundert mich dies, bemerkte der Richter.Am 19. October war das Wetter ſehr ſchön und es ſind am Abend jedenfalls viele Ihrer Bekannten auf dem Boulevard geweſen. Doch gleichviel, wo waren Sie nach Ihrem Spazier⸗ gange?

Ich ging einen Augenblick nach Hauſe.

Alſo ungefähr um neun Uhr?

Ganz recht.

Ihr Concierge behauptet, Sie ſeien erſt um zehn Uhr nach Hauſe gekommen. Doch angenommen, der Mann irre ſich, wie kam es, daß Sie zu einer ſo ungewohnten Zeit nach Hauſe gingen?

Aus einem ſehr einfachen Grunde. Ich hatte einen Sommerüberzieher an, es war gegen Abend kühl geworden und ich wollte meinen Winter⸗Paletot holen.

Mir ſcheint dieſer Grund nicht wahrſcheinlich. Haben Sie nicht vielmehr darum Ihren Ueberzieher gewechſelt, weil ſich Flecken, Blutflecken darin befanden? Wie erklären Sie dieſe?

Ich erkläre ſie gar nicht, denn ich behaupte, es können ſich unmöglich ſolche in meinem Rock befunden haben, ver⸗ ſetzte Savari mit feſter Stimme.

Gourbet hatte dem Angeſchuldigten eine Falle legen wollen, er hatte geglaubt, er würde die Blutflecke, welche in 81