zeuge in das Ochotſtiſche Meer gelangt ſein werden, ſollen die Arbeiten in möglichſt großem Maßſtabe in Angriff genommen werden.
Der Kaiſer muß Waſſer trinken.
Wenn in Petersburg der Winter zu Ende geht und die Zeit heranrückt, wo die Newa ſich ihrer Eisdecke entledigt, dann wartet man ungeduldig auf das Herannahen eines eigenthümlichen Volks⸗ feſtes. Der Winter iſt in Rußland ſehr ſtrenge und ſein Ende wird mit ungeheurem Pomp gefeiert. Alle Welt freut ſich, zieht ſeine beſten Kleider an, und Niemand darf bei der Ceremonie fehlen, die am Ufer des Fluſſes ſtattfindet. Dieſe wird einige Tage vor dem Eisgang, den man ſtets mit ziemlicher Gewißheit vorausſehen kann, celebrirt.
Am Ufer der Newa werden für den Hof und das diplomatiſche Corps Eſtraden errichtet und Polizeiwachen beſetzen die Ufer, um die Menge im Zaume zu halten, die ſo nahe als möglich ſich herandrängt, um recht bequem zu ſehen, und ſich oft auf das bereits mürbe Eis in 5 großer Anzahl wagen würde, daß das furchtbarſte Unglück geſchähe.
Plötzlich ſchlagen die Tambours, die Muſik ſchallt, goldene und ſilberne Epaulettes blitzen in der Sonne, der Kaiſer erſcheint, gefolgt vom ganzen Hofſtaat.
Zwei Männer gehen auf das Eis und ſchlagen vermittels eines Beiles ein Loch hinein. Sobald daſſelbe fertig iſt, füllt ein Kron⸗ beamter ein Glas voll Newawaſſer, reicht es dem Kaiſer, und dieſer muß es, einer altherkömmlichen Gewohnheit zufolge, bis auf den letzten Tropfen austrinken. Nachdem dies geſchehen, füllt der Kaiſer das Glas bis zum Rande mit Goldſtücken, welche ſelbſtverſtändlich dem Beamten gehören, der dem Kaiſer das Waſſer erreicht hat. Dieſer Gebrauch führte zu einem komiſchen, für den Monarchen aber ſehr unangenehmen und unbequemen Mißbrauch. Der Beamte wählte das Glas, aus welchem der Kaiſer trinken ſollte, und um möglichſt viel Goldſtücke zu erhalten, vergrößerte er mit jedem Jahre die Dimenſionen des Bechers, ſo daß der Kaiſer ſchließlich gezwungen war, ein volles Quart Waſſer zu trinken. Man machte daher dem Misbrauch ein Ende, regelte die Größe des Glaſes und ſetzte für den betreffenden Beamten ein Fixum aus. Die Ceremonie endet mit der Segnung des Fluſſes durch den Clerus.
Sobald der Kaiſer getrunken hat, ſtrömt die Menge hinzu und ſchöpft in eigens hierzu mitgebrachten Fläſchchen Newawaſſer, das man mit nach Hauſe nimmt und ſorgfältig aufbewahrt.
F W. H.
Beerdigungs⸗Feierlichkeiten in Perſien.
Den langen Trauerzug, an welchem ſich die geſammte Bevölke⸗ rung des Ortes betheiligt, eröffnen zwei Männer, welche hohe Stangen, an welchen ausgebreitete Tücher befeſtigt ſind, tragen. Hinter ihnen folgen zwei geſattelte Pferde, die von zwei jungen Männern geführt werden; ſodann vier Männer, welche auf ihren Schultern die Bahre tragen.
Die auf derſelben ruhende Leiche iſt mit rothſeidenen Tüchern, zahlreiche Schriftzüge eingeſtickt ſind, umhüllt und be⸗ eckt.
Die Träger bewegen ſich in der Art fort, daß ſie hin und her, vorwärts und rückwärts wanken und es den Anſchein gewinnt, als wollten ſie die Leiche abwerfen.
Der Bahre folgen fünf Männer, welche auf dem Kopfe mit Tüchern bedeckte große Schüſſeln tragen, die ſogenannten Todten⸗ opfer enthaltend, welche zum Wohl des Verſtorbenen den Armen gegeben werden. An dieſe Perſonen ſchließt ſich der Zug der Trauern⸗ den, oft aus mehreren hundert Männern und einer nicht minder großen Anzahl verhüllter Frauen beſtehend.
Während die vorn gehenden Perſonen ruhig und ſtill dahin⸗ ſchreiten, erheben die Letzteren ein entſetzliches Heulen, indem ſie in ſingender Weiſe ihre Klagen ausſtoßen, in die ſich der lang ausge⸗ dehnte Schmerzenslaut:„Wai, Wai!“ miſcht, und dabei eine Flut von Thränen vergießen.
Aber nicht nur die Begleitung bezeigt dem Todten alſo die Trauer, ſondern auf Dächern und Balkonen ſieht man Frauen und Kinder, deren Jammer und Klagegeheul nicht geringer iſt und ſich mit dem der Erſteren miſcht. Es wird dabei eine Heftigkeit und Ausdauer an den Tag gelegt, die ebenſo erſchütternd als ungewöhn⸗ lich iſt, indem ſie etwas Dämoniſches und Ungebändigtes verräth, wodurch ſelbſt der Unbetheiligte mit fortgeriſſen wird. Bei ſehr vor⸗ nehmen Leichenbegängniſſen erſcheinen nicht ſelten coſtümirte Männer und Pferde, wie ſie bei ihren Theater-Vorſtellungen vorzukommen pflegen.
Der Leichenzug bewegt ſich in der angegebenen Weiſe bis nach
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dem Todtenacker, und nach Beſtattung der Leiche kehren die Leute
ziemlich ruhig und ohne jede laute Klage nach Hauſe. Nur d Familie des Verſtorbenen ſetzt ihre Klagen in der obigen Weiſe fort, bis ſie die Wohnung erreicht hat. B.
Ruſſiſche Volksräthſel.
Ein Pferd ohne Zügel, Ein Kutſcher ohne Peitſche Ein Weg ohne Staub. 111b2 Ohne Sprache, ohne Sinn,
Aller Welt Ausflickerin.
104 vi6 Ungethan und doch geſchehen.
uozlvg u Voller Schafe iſt der Stall,* Ohne Schwänzchen ſind ſie all. uo1G u ozoag Fahn an Fähnchen, Bahn an Bähnchen* Ohne Tadel, Ohne Nadel, Ohne Stich Hält es ſich.
Gott ſieht es nimmer. Wir ſehn es immer, Der König ſelten— Was kann das ſein?
4do31h 0
u2 1210 85u1d „Vier Fräulein wanken übers Feld; Sie haben's ſo ſchwer in der Welt, Sie wandern, wandern und weinen. aogy o1gobun Länger als Länder, 2 Höher als Berge, Tiefer als Gras— Sagt, was iſt das? 8 P 22 G Der Leib iſt draußen, Das Hemd von Linnen Iſt drinnen.
13 u10
Lafahette war ein Enthuſiaſt für die Freiheit, die er nach den
Principien eines Rouſſeau auffaßte. Im Alter von zwanzig Jahren
verließ er ſein junges Weib, um Waſhington zu Hülfe zu eilen, welcher im Begriffe ſtand, die Colonien vom Drucke Englands zu befreien. Er belud ein Schiff mit den für die Revplulſnsurmee nöthigſten Dingen, wozu er alle nur irgend verfügbaren Mittel zu⸗ ſammenraffte, und wandte ſich, wenn dieſe nicht zureichten, an die Großmuth Anderer. Er verwendete ſeine militäriſchen Kenntniſſe aufs Trefflichſte und exercirte die Soldaten nicht nur aus, ſondern bekleidete ſie auch. Die ſchönen und patriotiſchen Damen Baltimores hatten, um dem edlen Fremdling ihren Dank auszudrücken, beſchloſſen, ihm zu Ehren einen Ball zu veranſtalten. Lafahette aber, als er dies vernahm, ſagte zur ſchönſten der Veranſtalterinnen:„Ich wäre glücklich, mit den Zierden der Stadt tanzen zu können, aber meine Soldaten haben keine Hemden.“ Der Ball unterblieb, da alle Tänzerinnen nunmehr während der nächſten Wochen alle Hände voll mit der Anfertigung von Hemden zu thun hatten.
iz. Das Geſpräch von Bileam's Eſelin erklären mehrere Kirchen⸗ väter als eine Allegorie. Der heilige Auguſtin iſt anderer Meinung, er nimmt es für buchſtäblich und zieht daraus den für die Gelehrten eben nicht ſchmeichelhaften Schluß:„Gott wollte durch dies Wunder zeigen, daß er in der Folge ſich der Thiere ohne Verſtand und Ver⸗ nunft bedienen könne, um die Weiſen der Welt, die Philoſophen, zu Schanden werdenzu laſſen.“ Der vielberühmte Profeſſor Görres, deſſen Collegium über Mhſtik wir im Jahre 1834 in München beſuchten,
war, als er auf dieſen eſelhaften Vorfall zu ſprechen kam, mit dem T.
heiligen Auguſtin vollkommen einverſtanden.
Wir ſandten heute an das Comité der Freiligrath⸗Dotation in Barmen folgende Beiträge: H. Lüders 1 Thlr.— Schmidt 5 Sgr.— Wittenburg 1 Thlr.— Wedekind 1 Thlr.— Lemke 1 Thlr.— H. Meyer 1 Thlr.— R. Brend'amour 2 Thlr.— Grätz 1 Thlr.— G. Hennig 1 Thlr.
Der Hausfreund erſcheint in Bänden von je 16 Heften à 6 großen Bogen mit ſchönen Original⸗Illuſtrationen, mit einem
mit humoriſtiſchen Bildern illuſtrirten Umſchlag elegant geheftet.
Preis pro Heft 5 Sgr.
Verlag der Hausfreund-Expedition(Lemke und Comp.) in Berlin, Kronenſtraße Nr. 21. 5 Verantwortlicher Herausgeber: Hans Wachenhuſen. 6
Haupt⸗Expedition und Druck bei F. A. Brockhaus in Leipzig.
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