Jahrgang 
1867
Seite
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verließ, mit der wirklichen Jemeniſchen Pflanze ſo wenig gemein hat, wie die Fabrikate der Londoner Weinſchenken letzten Grades mit dem edlen Gewächs von Oporto.

Die zweite Species Kaffee, welche Manche dem von Jemen ſo⸗ gar vorziehen, die aber nach meiner unmaßgeblichen Meinung geringer iſt, iſt der abhſſiniſche; die Bohne iſt größer, unterſcheidet ſich von dem jemeniſchen durch den Geſchmack und iſt weniger erhitzend, iſt jedoch eine ausgezeichnete Species; und wenn je dem Menſchen er⸗ laubt ſein wird, die Segnungen des reichen Landes, welches ſie her⸗ vorbringt, zu genießen, ſo wird ſie wahrſcheinlich bedeutend angebaut und ein wichtiger Handelsartikel werden. Hier aber iſt, wenigſtens nach orientaliſcher Anſchauung und vorientaliſchem Geſchmack, die Liſte des Kaffees zu Ende und beginnt die Liſte der Bohnen.

Unter dieſen ſteht obenan das indiſche Product nebſt dem Wenigen, welches die in jeder Hinſicht ähnlichen Anpflanzungen in Omän liefern. Dieſe Sorte liefert den Bedarf faſt aller Kaffeetrinker von Dafar bis Basrah und von da weiter nach Bagdad und Moſul; Araber, Perſer, Türken, Kurden und wie ſie Alle heißen, haben keinen andern Kaffee. Wer nicht an den jemeniſchen Kaffee gewöhnt iſt, mag die indiſche Art ganz erträglich und ſelbſt wohlſchmeckend finden: ich kann aber ohne Uebertreibung ſagen, daß ſie, wenn man direct aus Neged oder Kaſim kommt, kaum zu genießen iſt. Die unregel⸗ mäßige Geſtalt und ſchwärzliche Farbe der Bohne, namentlich der Mangel des halb durchſichtigen, dem Alabaſter ähnlichen Anſehens, welches der guten jemeniſchen Varietät eigenthümlich iſt, macht den Unterſchied zwiſchen den beiden Arten dem bloßen Auge bemerkbar, nicht blos dem Gaumen.

Es iſt möglich, daß mit der Zeit und bei ſorgfältiger Pflege der indiſche Kaffee endlich beinahe ein Nebenbuhler des jemeniſchen, wenigſtens des abyſſiniſchen werden kann. Bis jetzt aber iſt er es⸗ noch nicht. Welchen Urſachen dieſes beizumeſſen, ob dem Boden, dem Klima oder der Art der Bebauung, läßt ſich nicht ſagen.

Der amerikaniſche Kaffee nimmt nach dem Urtheile aller Orientalen die letzte Stelle ein, und die Ausartung dieſes Erzeugniſſes der alten Welt in der neuen iſt nicht weniger merkwürdig als die, welche man bei Reis, Thee u. ſ. w. bemerkt hat, und iſt von einem analogen Charakter.

Von dem bataviſchen Kaffee ſage ich abſichtlich nichts, da ich ihn, ſo viel ich weiß, nie ſelbſt gekoſtet habe. Ich höre ihn zuweilen loben, aber von Europäern; von Orientalen habe ich ihn nie nennen gehört; vielleicht rechneten ſie ihn mit zu dem indiſchen.

Die Bereitung des Kaffees iſt ſowol im Neged als dem übrigen Arabien überall dieſelbe, nur daß im Neged eine Zuthat von Würze, wie Saffran, Gewürznelken und dergl. gewöhnlicher iſt als ander⸗ wärts, was ſich leicht daraus erklärt, weil man hier des Reizmittels entbehrt, welches in anderen Gegenden der Tabak gewährt. Eine weitere Folge des Nichtrauchens iſt, daß im Neged der Kaffee weit ſtärker gekocht und häufiger und aus größerenFingans oder Taſſen getrunken wird als im übrigen Arabien. Man ſieht, wie der Menſch immer, wenn ihm ein Vergnügen oder Genuß verſagt wird, ſich durch einen andern ſchadlos zu halten ſucht.

Bei dieſer Gelegenheit will ich mir erlauben, einige Worte über das Verbot des Weins zu ſagen, worüber ſchon Vieles geſprochen und geſchrieben worden, ohne daß jedoch genügend erklärt iſt, was den Propheten zu einer ſolchen Enthaltſamkeit in dieſem Punkte be⸗ wegen konnte. Die orientaliſchen Chriſten haben eine Geſchichte er⸗ funden, es iſt aber reine Erfindung, nach welcher Mohammed oft betrunken geweſen und im Rauſche ſeinen Lehrer, den neſtorianiſchen Mönch Bohejrä, welchen die Kirchengeſchichte unter ſeinem griechiſchen Namen Sergius kennt, getödtet haben ſoll; ſeine Reue über dieſe unglückliche Folge des Weinrauſches ſoll ihn bewogen haben, den Wein ganz zu verbieten. Dieſe Fabel iſt mit der geringſten Kenntniß der Thatſachen und Data leicht zu widerlegen, und ich würde ſie gar nicht der Erwähnung werth halten, wenn nicht europäiſche Gelehrte ihr mehr Gewicht beigelegt hätten, als ſie verdient. Andere wieder, ähnlich denen, welche meinen, daß Moſes das Schweinefleiſch deshalb verboten habe, weil es im Orient ungeſund ſei, ein Grund, der mit der langen Liſte anderer Fleiſchſorten, die jetzt täglich und ohne zu ſchaden genoſſen werden und die den Iſraeliten ebenfalls verboten waren, ſchwer zu vereinigen iſt, bildeten ſich ein, daß Mohammed, in einem des Vaters Mathews würdigen Eifer, die durch übermäßigen Genuß des Weins unter ſeinen Landsleuten verurſachten Ausſchwei⸗ fungen, namentlich Streit, Schlägerei, Todtſchlag und dergleichen, verhindern wollte, und deshalb beſchloß, das weitverbreitete Uebel durch ein fulminantes und abſolutes Veto ſeiner Urſache auszurotten. Ich will hier nur bemerken, daß die Araber in der Zeit vor dem Islam, obwohl ſie, wie alle Menſchen, auch gelegentliche Ausbrüche der Fröhlichkeit hatten, doch keine Irländer und die Leichenwachen

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in Neged nicht Sitte waren, daher ſchon der erſte Grund der Parallele falſch iſt. Allerdings ſchildern ältere arabiſche Dichter den Wein und ſeine erheiternden Wirkungen mit dem ganzen Enthuſias⸗ mus eines Horaz oder Anakreon; aber Dichter, wie der Koran richtig bemerkt,ſagen, was ſie nicht thun, und ſind bei einer ſo ernſten Sache ſehr ungenügende Zeugen. Allerdings haben manche neuere mohammedaniſche Schriftſteller dieſelbe Anſicht über den Grund dieſes Geſetzes vertheidigt, allein bei ihrer Unkenntniß der frühern Zeit und vollſtändigem Mangel an Kritik verdienen deren Auslegungen bei weitem weniger Beachtung, als man ihnen geſchenkt hat. Trunkenheit war von Mohammed eben ſo wenig ein Laſter der Araber, wie jetzt unter der Bevölkerung, welche ſein Verbot entweder nicht kennt oder nicht beachtet.

Was iſt nun der wirkliche oder wenigſtens der hauptſächlichſte Grund dieſes auffallenden und, ich muß hinzufügen, unweiſen Ver⸗ bots? Unweiſe ſicherlich, wenn es keine beſſeren Gründe hätte als die, welche wir ſoeben als ungenügend oder fabelhaft zurückgewieſen haben. Nach Allem ſcheint das Wahrſcheinlichſte, daß dieſes Verbot aus der Antipathie des Propheten gegen das Chriſtenthum entſprang und dem Wunſche, die Kluft zwiſchen ſeinen Anhängern und den Chriſten möglichſt zu erweitern.

Der Stifter des Chriſtenthums hat den Wein nicht allein ge⸗ duldet, ſondern ſogar, wenn man ſo ſagen darf, bevorzugt und zu hohen Ehren erhoben; ja, in dem Glauben von drei Viertheilen der chriſtlichen Welt hat er vollſtändig übernatürliches Anſehen. Neben ſeinem religiöſen und mhſtiſchen Gebrauche aber hat der Wein auch noch eine ſociale Eigenſchaft, und bei allen Nationen, die nach orien⸗ taliſcher Redeweiſedas Evangelium als Buch haben, d. i. Chriſten ſind, im weiteſten Sinne des Worts, hat er immer in hoher Gunſt geſtanden und überall ſteht er in Verbindung mit der Geſittung, der Freundſchaft, heiteren und geſelligen, häuslichen und ſelbſt politiſchen Vereinigungen; und in dieſer Beziehung iſt er überall hoch geſchätzt und in reichlichem Maße gebraucht worden. Mohammed erkannte dies, und ſeine griechiſchen Nachbarn, deren Weiſen und Sitten ihm keineswegs unbekannt waren, mögen ihm dafür ein belehrendes Bei⸗ ſpiel geweſen ſein. Sein prophetiſcher Scharfſinn ließ ihn in den Chriſten bei weitem gefährlichere Gegner erkennen und von dieſer Seite eine anhaltendere und gefährlichere Feindſchaft fürchten, als er irgend von Juden und Perſern zu erwarten hatte. Wenn aber die Macht und Anzahl der Chriſten eine beinahe achtungsvolle Toleranz von ſeiner Seite nöthig machte, ſo mußte er auch auf Zeichen der Unterſcheidung denken, welche ſeine Anhänger in einem beſtändigen Gegenſatz mit denen erhalten ſollten, die ſie nicht ſo leicht verachten und mit Sicher⸗ heit verfolgen konnten. Wenn daher Mohammed, das Getränk, das den Chriſten heilig, ja beinahe ein Wahrzeichen des Chriſtenthums iſt, unrein, einen Greuel und beinahe ein Werk des Teufels nannte, ſo hatte er keinen andern Grund als den, ſeinen Anhängern ein ebenſo augenſcheinliches und unwiderrufliches, entgegengeſetztes Wahr⸗ zeichen zu geben, das durch alle Zeiten dauern ſollte, das täglich ge⸗ braucht wurde und durch welches die Moſchee in denſelben Gegenſatz zu dem Sanctuarium kam, wie der Harem zu dem chriſtlichen Haus⸗ weſen. Und dieſes kluge, obwol im höchſten Grade nachtheilige Verbot hat ſeinen Zweck nicht verfehlt.

Die Familie des Feth⸗Ali⸗Schah.

Feth⸗Ali, Schah von Perſien, zeichnete ſich durch einen ganz außerordentlichen Familienreichthum aus. Derſelbe hatte mit unge⸗ fähr 100 Frauen ſeines Harems 57 Söhne und 203 Töchter gezeugt. Als er nach einem ziemlich langen Leben im Jahre 1834 ſtarb, be⸗ ſtand ſeine Nachkommenſchaft aus 784 Perſonen beiderlei Geſchlechts, von denen die Männer die wichtigſten und einflußreichſten Stellen in dem Königreich einnahmen und eine beſondere Stütze der einheimiſchen Dynaſtie bildeten.

Der zweite Sohn Feth⸗Ali⸗Schah's, der ein hohes Amt in Teheran bekleidete, war der Stammvater von 300 Kindern, Enkeln und Urenkeln. B.

Wieder ein Nachdruck. DasWolliner Dampfbvot hat einen Abſchnitt

derWelt⸗Ausſtellungsbilder von Hans Wachen⸗

huſen ohne unſere Genehmigung nachgedruckt. Wir warnen wiederholt vor den ſich häufenden Beraubungen unſers Journals und werden jeden Fall ſolcher literariſchen Freibenterei rückſichtslos verfolgen.

Der Hausfreund erſcheint in Bänden von je 16 Heften à 6 großen Bogen mit ſchönen Original⸗Illuſtrationen, mit einem

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Verlag der Hausfreund⸗Expedition(Lemke und Comp.) in Berlin, Kronenſtraße Nr. 21. Verantwortlicher Herausgeber: Hans Wachenhuſen.

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