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als uns, nach mehrſtündiger Fahrt in dem reizend gelegenen Curhofe des Badeortes anlangend, eine Zigeunercapelle mit ihren leidenſchaftlich melancholiſchen Weiſen empfing. Die braunen Geſellen hatten ſich unter einer großen Linde placirt und ſpielten eben eine ungariſche Volksweiſe. Dieſe aus den Augen leuchtende Hingebung an die Muſik, dieſes ganze Auf⸗
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ungariſche Badekapelle in Para
gehen in den Tönen, das aus ihren Bewegungen deutlich her⸗ vorging, ſieht man ſehr ſelten bei andern Muſikern; Muſik iſt ihr Element, die geiſtige Sprache, mit der ſie uns ihre Leiden und Freuden erzählen, mit der ſie den Ungarn bis zur höchſten Potenz entflammen können.
Das Bad ſelbſt macht nun wol nicht im Entfernteſten den Eindruck eines unſerer vielbeſuchten deutſchen Bäder, in⸗ deß hat es dadurch ein beſonderes Intereſſe, daß es, nach den Verſicherungen des Badearztes, zuweilen auch von türkiſchen Frauen beſucht wird. Ich habe keine verſchleierte Schöne der Art geſehen, lernte aber deſto mehr ein Schweſternpaar kennen,
Wachenhuſen's Hausfreund. K. 13.
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Töchter eines benachbarten ungariſchen Grafen, die Alles, was man von Schönheit und blühendem Lebensglück ſagen kann, in ſich vereinten, die überhaupt Erſcheinungen waren, wie man ſie nur ſelten und wenige ſieht. Noch ſah ich ſie bei der Tafel überſprudeln von Heiterkeit, ſah, wie ſie draußen im Parke in fröhlichſter Geſellſchaft Kaffee tranken, da kam ein
d. reitender Bote daher geſprengt, mit angſtvoll geſpannter Miene übergab er einem der Herrn ein Billet; ſelbſt erbleichend, mußte er wol eine Unglücksbotſchaft verleſen haben; die eine der Damen fiel in Ohnmacht, die andere brach in ein er⸗ ſchütterndes Weinen aus. Ihr Bruder, ein blühender junger Mann, öſterreichiſcher Reiteroffizier, hatte ſich erſchoſſen. Es ließ wol Keinen ungerührt, als es bekannt wurde, ich aber dachte bei der Heimfahrt am andern Tage und noch lange nachher an die ſchönen Comteſſen, die ſo jäh aus ihrem Freuden⸗ himmel herabſtürzten.


