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waarenhändler“ ein wundervoller Titel, iſt eine der jüngſten Er⸗ ſcheinungen auf dem Gebiete der Gewerbe⸗Preſſe, die uns von dem ungeheuren Aufſchwunge der Nadelarbeit erzählt und zugleich ver⸗ ſichert, daß die Exiſtenz der Nähmaſchine nicht mehr zweifelhaft ſei. Der literariſche Genuß, den dieſes Pfennig⸗Journal den Leſern bietet, gipfelt in ſchauerlichen Romanen, wie:„Der Wahnſinnige“, „Die Sprache des Kuſſes“,„Durch die Amme verwechſelt“ u. ſ. w. Der„Gewürzkrämer“, ein bereits mehrere Jahre altes Vier⸗Pfennig⸗ Journal regiſtrirt mit großer Gewiſſenhaftigkeit die Preiscourante der tauſend Artikel ſeiner Abonnenten; es belehrt uns, daß man den Jamaica⸗Kaffee, wenn man will, in drei Klaſſen theilen kann: gut, mittel und gering, oder daß man die Güte des Cacao bezeichnen kann mit ordinär, gut ordinär, mittel, ſchwärzlich, ſtark, fein, extra⸗ fein u. ſ. w. Auch leſen wir darin, wie die Chineſen den Thee und die Indier das Arrowroot präpariren, u. dergl. Der„Chemiker und Droguiſt“ iſt unentbehrlich für Alle, welche mit„Doctorſtoffen“ handeln, wie das Blatt ſelber die Thätigkeit ſeiner Abonnenten im Gegenſatz zu den Beſitzern von Specereihandlungen charakteriſirt. Dies eine Auswahl von Handelszeitungen. Das große Publikum kümmert ſich natürlich um deren Exiſtenz ſehr wenig; allein es gibt noch eine andere Klaſſe von Gewerbe⸗Zeitſchriften, welche Wiſſenſchaft mit Handelszwecken vereint, wie z. B. die„Photographiſchen Neuig⸗ keiten“ oder einige andere, die natürlich in erſter Reihe ſich für die ſpeciellen Intereſſen ihrer Lefer erwärmen. Andere, wie die„Chemiſchen Neuigkeiten“, tragen bereits einen mehr wiſſenſchaftlichen Charakter und beſchränken ihren Leſerkreis durch Ausdrücke, wie tetramethyl- ammonium und nitroxylenylsulphurosus, oder trichloromethyl- sulphurochlorid auf einen geringeren als das vorige Blatt ihn beſitzt. Der„Elektriker“ würde nie erſchienen ſein, ſolange die Elektricität lediglich der Wiſſenſchaft dienſtbar geblieben wäre, und vertritt jetzt die wunderbare commerzielle Gewalt dieſes Phänomens. Die Conſtructions- und Maſchinenlehre zählt eine große Reihe literariſcher Erſcheinungen zu ihren Vertretern, welche zum Theil einen reißenden Abſatz finden; daſſelbe gilt von der Baukunſt und der Mechanik. Ein alle vierzehn Tage erſcheinendes Journal beſchäftigt ſich lediglich mit Gasbeleuchtung und Gasleitungen, der„Wächter für die Kohlen⸗ induſtrie“ belehrt über Kohlenlager, Bergwerke, Waſſerpumpen, Sicher⸗ heitslampen, Ventilatoren u. ſ. w., die„Eiſenbahnzeitung“ projectirt Linien von Singapore nach Kamtſchatka und intereſſirt ſich daneben für Signalapparate und Wärterhütten; der„Buchhändler“ behandelt die Autorenrechte und Buchhändlerprofite; das„Journal der freund⸗ lichen Geſellſchaften“ beſpricht die Intereſſen der Clubs und der Traktätchenvertheiler neben den Bibelüberſetzungen und Miſſionser⸗ folgen, während der„Mark⸗Lane Expreß“ behauptet, daß der Roggen ein nothwendiges Naturproduct ſei, und das„Rettungsboot“ alle Schiffbrüche in haarſträubender Genauigkeit aufzählt. Die „Modenzeitung“ belehrt die Damen, wie ſie ihre Ehemänner auf das Faſhionabelſte ruiniren, wohingegen das„Spiritual Magazin“ den
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ze iſt nicht viel, du erlaubſt mir wol, die Summe zu er⸗ öhen?“ „Meinetwegen!“
Bier Jahre verſtrichen. Das Stück war umgearbeitet, aber die Eröffnungsſcene fehlte mir. Da trat eines Morgens ein junger Sicilianer zu mir ein, Namens Amari, mit welchem ich im Jahre 1835 durch den Carbonarismus befreundet war. Als wir Verſchworene uns damals trennten, hatten wir eine Spielkarte durchgeriſſen und verabredet, daß Jeder von uns Demjenigen volles Vertrauen ſchenken ſolle, der ihm das andere Stück dieſer Karte präſentire.
Amari und dieſe Karte brachten mich auf die Idee, nach der ich ſo lange vergeblich geſucht; ich hatte die erſte Scene zu dem Stück gefunden.
Vierzehn Tage darauf war das Luſtſpiel„im Kopf geſchrieben.“ Ich verlangte am Theätre Frangais, es vorleſen zu dürfen. Es war eines Sonnabends, an welchem das Leſe⸗Comitt ſich zu verſammeln pflegte. Alle waren auf ihren Poſten.
3„Sie wollen uns vorleſen?“ fragte Mlle. Mars in ihrem trockenen one.
„Ja, mein Fräulein.“
„Ein Luſtſpiel oder ein Trauerſpiel?“
„Ein Luſtſpiel.“
„Habe ich eine Rolle darin?“
„Ja, die Hauptrolle.“
„Vortrefflich! Wann leſen Sie?“
„Wann es gewünſcht wird.“
„Das Stück iſt alſo geſchrieben?“
Nein
„Aber Sie ſagten ja, es ſei fertig!“
„Fertig, ja— geſchrieben, nein!“
„Nun, ſo leſen Sie alſo in etwa drei Monaten?“
„In acht Tagen.“
„Was, Sie wollen in acht Tagen ein Stück ſchreiben?“
c.
„In drei Acten?“
„Nein, in fünf Acten!“
„Gehen Sie!“
Inzwiſchen hatte man ſich um uns geſammelt.
„Was gibts?“ fragte Mlle. Mante.
„Der Dumas behauptet, in acht Tagen uns ein Stück vorleſen zu wollen, obgleich er noch nicht ein Wort davon geſchrieben?“
„Ja noch mehr“, ſetzte ich hinzu,„ich mache mich anheiſchig, es ſofort vorzuleſen!“ „Unſinn!“
„Gut!“ rief ich.„Es iſt heute Comite⸗Sitzung. Sie ſind Alle verſammelt; rufen Sie Vedel, ſetzen wir uns um den Kamin da und ich leſe oder vielmehr ich erzähle Euch meine Mademoiſelle de Belle⸗ „Gut, es ſei!“
Ich erzählte mein Stück
Zuſammenhang zwiſchen Leben und Tod demonſtrirt; ſelbſt für die Intereſſen Derer, die mit ihrem Vermögen Schiffbruch erlitten, ſorgt die„Bankrott und Inſolvenz⸗Zeitung“, während das„Journal der Compagnie für geſetzliche Verbindlichkeiten“ Jedermann belehrt, wie er ungeſetzliche Verbindlichkeiten zu vermeiden habe. Dieſe Zuſammen⸗ ſtellung genüge, um die Mannichfaltigkeit der Intereſſen und ihrer Preßorgane in London zu illuſtriren. ** Wie man Stücke ſchreibt.
Der Redacteur des„Paris⸗Magazine“ hatte über das Entſtehen des bekannten Dumas ſchen Stückes„Mademoiſelle de Belle⸗Isle“ eine Anekdote erzählt, welche Alexander Dumas ſelbſt jetzt berichtigt.
Im Jahre 1834, ſchreibt er an dieſes Journal, trat mein College Brunswick eines Morgens bei mir ein. Er hatte eben im Theater der Porte⸗St. Martin ein zweiactiges Stück vorgeleſen, das man zurück⸗ gewieſen. Er überbrachte mir das Stück, um darüber einen letzten und entſcheidenden Beſchluß am Theater zu veranlaſſen.
Ich las dieſes Stück. Die Handlung deſſelben beruhte auf einer Abweſenheit der Heldin, welche ſie nicht beweiſen konnte. Das Stück ſelbſt war mehr als mittelmäßig, die Durchführung beſonders, ich mußte alſo der Direction Recht geben, die es zurückgewieſen. Bruns⸗ wick blieb indeß dabei, ich ſolle das Stück umarbeiten, und ließ mir das Manuſpript.
Vier Wochen ſpäter kam er wieder. mals geleſen, fand die Bearbeitung ſehr ſchwierig und nur die Mög⸗ lichteit, ein hiſtoriſches Luſtſpiel von fünf Acten dakaus zu machen. Hierzu gab ich ihm Ausſicht und fragte nach ſeinen Bedingungen.
„Das Stück iſt für mich verloren“, antwortete Brunswick.„Gib mir hundert Thaler und ich bin abgefunden.“
Ich hatte das Stück noch⸗
Der Hausfreund erſcheint in Bänden von je 16 Heften à 6 großen Bogen mit mit humorſſtiſchen Bildern illuſtrirten umſchlag elegant geheftet.
Die Herren und Damen ſetzten ſich. von Anfang bis zu Ende ſo vollſtändig, daß Mlle. Mars, welche befürchtete, daß ihr die Hauptrolle entgehen könne, über das Luſt⸗ ſpiel augenblicklich abſtimmen ließ. Es wurde acceptirt.
Acht Tage ſpäter las ich mein Manuſcript den Künſtlern vor. Drei Monate darauf ward das Stück aufgeführt. Brunswick, der nur 100 Thaler für ein verlorenes Manuſpript gefordet hatte, er⸗ hielt 3000 Francs.
Brunswick ließ ſich dies gern gefallen. Bald darauf kam er mit unſerm Collegen de Leuwen zu mir, um mir die Idee zu einem neuen Stücke mitzutheilen. Dies geſchah. Es war die Idee zu den „Demvoiſelles de St.⸗Chr.“
Es wurde verabredet, daß Beide ſich um nichts weiter kümmern, kein Wort ſchreiben ſollten; dahingegen ſollten ſie Dreifünftel, ich Zweifünftel der Autor⸗Rechte erhalten. Und ſo geſchah es.
Dumas vertheidigt ſich durch dieſe Mittheilung gegen die Be⸗ hauptung, er habe die Stücke gekauft, während er doch nur Mit⸗ arbeiter gehabt wie ſo viele Andere.
Kleine Poſt der Redaction.
Herrn J. R. in Leipzig. Warten Sie gefälligſt ein Weilchen, bis wir uns wieder melden.
Fräulein H. M. in Hirschberg. Geduld, verehrtes Fräulein, auch von Balduin Möllhauſen und Gerſtäcker kommt bald wieder etwas an die Reihe.
ſchönen Original⸗Illuſtrationen, mit einem Preis pro Heft 5 Sgr.
Verlag der Hausfreund⸗Erpedition(Lemke und Comp.) in Berlin, Kronenſtraße Nr. 21. Verantwortlicher Herausgeber: Hans Wachenhuſen.
Haupt⸗Expedition und Druck bei F. A. Brockhhaus in Leipzig.
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