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Händen.
präſentirte er uns eine Taſſe dampfenden Kaffee's, die wir mit Freuden acceptirten und reichlich bezahlten.
Der Schech des Stammes, der ſich wenig von den übrigen Männern unterſchied, ſtellte uns nun ſeine Bedingungen für
die Beſichtigung der Pyramide. Nach einigem Handeln wur⸗ den wir einig, daß Jeder von uns fünf Franken zahlen ſollte. Dieſer Preis iſt durchaus billig zu. nennen. Der Schech iſt nämlich mit ſeinem Kopf für jeden Europäer, der die Pyramide beſteigt, verantwortlich gemacht, ſeitdem ſich einmal ein Eng⸗ änder vor Jahren von oben herabgeſtürzt hat. Außerdem iſt aber, wie wir bald ſehen ſollten, eine große Begleitung noth⸗ wendig.
Zuerſt gingen wir ins Innere. Jeder zündete eine Kerze an, ein Mann ging vorauf und zwei faßten uns bei den Anfangs führte uns der Weg eine glatte Fläche ziemlich abſchüſſig hinunter, dann wieder ſehr ſteil hinauf in einen ſchmalen Gang, der ſich mitunter ſo verengte, daß man nur einzeln und mit Mühe vorwärts kriechen konnte. In der Mitte der Pyramide befindet ſich ein großer, mit Granit bekleideter Raum, in deſſen Mitte der Sarkophag ſteht, der einſt die Leiche des Erbauers umſchloſſen hat. Unter dieſem. Saale iſt noch ein kleineres Zimmer, wahrſcheinlich urſprüng⸗ lich zur Aufbewahrung von Schätzen beſtimmt.
Nachdem wir wieder an das Tageslicht gekommen waren, begann die Beſteigung des Aeußeren, ein beſchwerliches Klettern in die Höhe, da die einzelnen Blöcke oder Stufen der Pyramide ſo hoch ſind, daß man ſich nur mit Hülfe mehrerer Araber hinaufzuſchwingen vermag. Beim Steigen ſuchten unſere Begleiter ſich oder uns, ich weiß es nicht recht, durch einen eigenthümlichen monotonen Geſang anzufeuern, der um ſo ſeltſamer klang, als er ſtets dieſelben mir in ihrer Zuſammen⸗ ſtellung unverſtändlichen Worte wiederholte:„Hale, hale Sennor bono; hale, hale bakschisch bono!“
Die Spitze der Pyramide iſt abgebrochen, wodurch oben ein kleines Plateau entſtanden iſt, auf dem man ſich bequem niederſetzen und ſo mit Ruhe die herrliche Ausſicht genießen kann.
Punkt 3 Uhr Nachmittags flog hier der Kork von der Champagnerflaſche und wir tranken erſt ein Glas der Heimat, dann der Familie und dann der Liebe, und dann— flogen
unſere Gläſer in weitem Bogen von der Höhe hinab.
Das Hinunterſteigen machte ſich leichter und bequemer, geſchah daher auch viel ſchneller. Unten zahlten wir dem Schech den ausbedungenen Preis und begaben uns dann auf demſelben Wege, auf dem wir gekommen, nach Cairo zurück, wo wir am Abend eintrafen.
Etwas nach 8 Uhr des gleichen Abends fand bei unſerm Wirthe die Chriſtbeſcheerung ſtatt, zu der noch verſchiedene
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Deutſche eingeladen waren. Ein großer Baum, mit Orangen behängt und mit Lichtern geſchmückt, ſtand in der Mitte des Zimmers; verſchiedene Bowlen und eigens gebackene Pfann⸗ kuchen trugen dazu bei, uns das Feſt heimatlicher zu machen. R. und ich und auch L., von dem ſich herausgeſtellt hatte, daß unſer Wirth ihn bei ſeinem früheren Aufenthalte in Berlin bereits kennen gelernt, erhielten jeder als Weihnachts⸗ geſchenk eine große Photographie, die Pyramiden darſtellend.
Sämmtliche Fenſter des Hauſes, ſowol nach der Straße, wie
nach dem Hofe zu, waren bei der Ankunft der Gäſte illuminirt; auf dem Hofe ſelbſt aber brannte ein mächtiges Freudenfeuer, das ſtundenlang die benachbarten Häuſer beleuchtete und um welches die arabiſchen Diener freudetrunken umherſprangen, weil ſie lange keine ſo ſchöne„Phantaſie“, wie ſie jede Feſt⸗ lichkeit nennen, erlebt hatten. Nach 10 Uhr kam noch, um die Luſt zu erhöhen, eine vom Wirth engagirte böhmiſche Harfenſpieler⸗Geſellſchaft. Wir blieben bis gegen ½ 2 Uhr zuſammen bei einer Weihnachtstemperatur von achtzehn Grad Wärme.— Während der Feiertage und bis zum Neujahrs⸗ feſte erhielten wir täglich Einladungen, ſodaß wir aus der Fröhlichkeit gar nicht herauskamen. Einen würdigen Beſchluß bildete dazu der Sylveſterabend, den wir in heimatlicher Weiſe mit unſerm Wirthe verlebten.
Am 5. Januar Nachmittags fuhren wir nach Schubra, einem Städtchen bei Cairo, welches wegen eines dort befind⸗ lichen wundervollen Gartens großen Ruf hat. Dieſer Garten iſt vom vorigen Paſcha angelegt und nach deſſen Tode an den Bruder deſſelben übergegangen. Man findet darin die ſchönſten Exemplare aller ſüdlichen Pflanzen. Vorzügliche Mandarinen⸗ und Limonenbäume wechſeln mit ebenſo ſchönen Myrthen und Palmen ab. Von Zeit zu Zeit ſieht man kleine Pavillons, die leider, wie das Meiſte in dem Garten, von dem jetzigen Beſitzer ſehr vernachläſſigt werden. Das Prachtvollſte von Allem iſt jedoch ein Gebäude oder vielmehr ein nach innen offener Säulengang von ziemlich großen Dimenſionen, der einen mit waſſerſpeienden Thieren geſchmückten Springbrunnen umſchließt. An den vier Ecken des Säulenganges ſind dem Ganzen entſprechend eingerichtete Zimmer, in denen wir einige ſehr hübſche Oelbilder fanden. Endlich befindet ſich in dieſem Garten auch der Harem des Eigenthümers, den wir aber nur zwiſchen den Bäumen aus der Ferne hindurchſchimmern ſahen, da jede Annäherung ſtreng verboten iſt. Auf dem Rückwege nahmen wir noch einige Apfelſinen und in vollſter Blüte ſtehende Roſen mit, die uns von den im Garten be⸗ ſchäftigten Arbeitern angeboten wurden.
Doch genug von den Erlebniſſen für diesmal..
(Schluß folgt.)
Feui
** Ein Blick auf die Londoner Fach⸗Preſſe.
Nur wenige Menſchen haben eine richtige Vorſtellung von der ungeheuren Anzahl von Fach⸗ und Gewerbe⸗Zeitungen, welche gegen⸗ wärtig in London erſcheinen, von denen eine jede für eine beſtimmte Klaſſe der menſchlichen Gemeinſchaft beſtimmt iſt. Von den großen politiſchen Zeitſchriften, welche eine Weltbedeutung beanſpruchen, oder für Jedermann's Intereſſe beſtimmt ſind, ſei hier keine Rede, deren Zahl, ſo groß ſie iſt, dennoch keinen Vergleich aushalten kann mit der Legion von Specialblättern, von denen wir hier eine nur allgemeine Ueber⸗ ſicht geben können. Eine ganze Reihe derſelben beſchäftigt ſich zunächſt
nur mit religiöſen Dingen, und da bleibt keine Species der Gottes⸗
verehrung unvertreten von der katholiſchen und anglikaniſchen Kirche bis zu den Bekennern des Geſetzes Moſis und den Sekten der Baptiſten, Methodiſten u. ſ. w.; jede Confeſſion in ihrem eigenen Fachblatte, wie z. B. Athenaeum, Critic, Reader, u. ſ. w. Die feinen Künſte ſind vertreten durch Art Journal und Fine Arts Review; die Muſik durch Musical Times, Orchestra u. ſ. w. Die Arzneiwiſſenſchaft, die Jurisprudenz, die Philoſophie, die Mathematik, kurz das ganze Heer der Naturwiſſenſchaften und aller der Namen auf ⸗ogie(Philologie, Etymologie, Geologie) haben ihre eigenen Organe. Allein ſie ſind nicht der Gegenſtand unſerer heutigen Aufmerkſamkeit; die Schaar der Handels⸗ und Gewerbezeitſchriften iſt ſo umfangreich und be⸗ merkenswerth, daß es dem Leſer vielleicht angenehm iſt, einen Blick
lleton.
auf ſie zu werfen. Das„Monats⸗Magazin für Juweliere, Gold⸗, Silberſchmiede und Uhrmacher“ iſt ein Monatsjournal, das einen Shilling(10 Silbergr.) koſtet, und ungefähr 16 Seiten Text in Quarto nebſt 2 bis 3 Kupferſtich⸗Zeichnungen bringt. Wir finden darin eine beträchtliche Anzahl von„Fällen“ für Goldarbeiter, Juweliere u. ſ. w., ſowie unter den Inſeraten ein Verzeichniß geſuchter und angebotener Stellen u. ſ. w. Auch lernen wir aus dieſem Blatte, daß eine „Geſellſchaft zum Schutze edler Metalle“ exiſtirt, um welche man ſich leider unerhört wenig zu bekümmern ſcheint, u. ſ. w. Das„Uhr⸗ macher-Journal“ iſt ſpeciell für Mitglieder der ehrbaren Zeitmaß⸗ künſtler⸗Zunftbeſtimmt und iſt mehrwiſſenſchaftlicher als profeſſioneller Natur. Daſſelbe iſt„Organ des Horological Institute“, einer kleinen Vereinigung von Uhrmachern, in der man lediglich der Uhr⸗ macherei gewidmete Schriften lieſt, und aus deren Programm, wie wir erſehen,„Theologie und Politik“ ausdrücklich geſtrichen ſind. Das„Journal für Wagenbauer und Sattler“ beſchäftigt ſich ſo⸗ wol mit den artiſtiſchen als den techniſchen Branchen dieſer Ge⸗ werke, nur iſt es bedeutend theurer als das vorige: es koſtet eine halbe Krone monatlich, zeichnet ſich dafür aber auch durch ein höchſt ariſtokratiſches Exterieur aus, beſitzt breite Ränder und prachtvollen Druck, zwiſchen deſſen Reihen ſich die geſchweiften Curven und faſt ätheriſchen Linien der neueſten Broughams und Americaines dem Blicke darbieten. Der„Benachrichtiger für die Nähmaſchine, Lein⸗ wand- und Tuchhändler, Schiffsausrüſter, Modiſtinnen und Strumpf⸗
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