Jahrgang 
1867
Seite
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Warnung für Ihresgleichen werden ſie ergriffen, an die Thore gekreuzigt, während das Geſchlecht nicht aufhört, in jeder Nacht ſo viel erntenfeindliche Geſchöpfe wegzufangen, als es nöthig hat, zu leben. Aber das ſchrille Geſchrei der Schleier⸗ eule, der Jammerton des Kautzes, ſind ſie nicht Vorboten des Unglücks, und müſſen nicht darum ſchon die nächtlichen Ruheſtörer vertilgt werden? Wie oft doch wird der Menſch noch Urſache mit Wirkung verwechſeln! Weil die nächtlichen Thiere, angezogen wie die Nachtinſekten von dem Scheine der nächtlichen Lampe, nach ſeinem Fenſter fliegen, ſind ſie ihm, mirabile dictu! nichts als Vorboten des Todes, welche man haſſen muß. Indeß ſind die Naturforſcher darüber

einig, daß alle dieſe Eulenarten zu den nützlichſten Vögeln gehören, die ſich von ſchädlichen Inſekten und Mäuſen mehr

als von nützlichen Vögeln ernähren.

Darum ſagt auch Karl

Vogt ganz richtig, daß man die Eulen nicht allein ſchonen, ſondern ſogar hegen und pflegen ſolle, damit ſie recht zahl⸗ reich die Umgegend controliren und von ſchädlichem Geſindel

befreien.

Aber Jahrtauſende haben ſtatt deſſen das Vorur⸗

theil gegen ſie gehegt und gepflegt, und ſo iſt es nicht zu ver

wundern, daß ſelbſt noch der jüngſte menſchliche Bewohner der

Erde ſeine Furcht vor dieſen Nachtthieren nicht bannen kann.

Die Eulen geleiten uns ſofort auf die Tragraubvögel. Ich habe wohl kaum noch nöthig, dieſe ganz beſonders in Schutz zu nehmen, nachdem ich ſchon in den früheren Artikeln die Beweiſe für ihre außerordentliche Wichtigkeit im Haus⸗

halte der Natur und des Menſchen beibrachte. bar genug, läßt man die wirklich

Sonder⸗ ſchädliche Elſter leben,

ja hält ſie, treu einem alten deutſchen Vorurtheil, hoch in

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Ehren, und die wirklichen Wohlthäter verfolgt man! Es iſt erwieſen, daß die Rohr- und Kornweihe und der Wespen⸗ buſſard, die obiges Verzeichniß auch vergaß, gerade ſo nütz⸗ liche Vögel ſind wie der Mäuſebuſſard. Dagegen führt die Denkſchrift die Rohr⸗ und Kornweihe unter den Vögeln auf, welche dem Jagdrechte unterliegen müſſen, wie ſie es eben⸗ falls für den Kernbeißer, den Kreuzſchnabel und den Kolkraben verlangt oder zugibt.

Zu den unbedingt ſchädlichen Vögeln rechnet Karl Vogt nur folgende: den Tauben⸗, Lerchen⸗, Stein⸗, Jagd⸗ und Thurmfalken, den Hühnerhabicht, den Sperber und Gabel⸗ weihe, den Storch und die Elſter. Nimmt man dieſe aus von dem Schutze, abgeſehen von den eßbaren Jagdvögeln (Hühner, Waſſer⸗ und Sumpfvögel), ſo hat man wohl

auch die gefährlichſten verfehmt.

ſein laſſen. Die Gründe,

gefährlichkeit aufbringt, mit unſerer Denkſchrift dahin,

Kormoran zu den jagdbaren Vögeln zähle.

Aus dem Vorſtehenden folgt von ſelbſt, was der Menſch zu thun habe, um ſich eine Naturwohlthat zu ſichern, deren Was auch die zu thun gedenkt, es Aufklärung dem Hierzu beizutragen,

er im umgekehrten Falle verluſtig gehen muß. Regierung auf beſagte Denkſchrift hin wird nicht eher wirkſam ſein, als bis die Geſetze den richtigen Boden bereitet hat. war eben der Zweck dieſes Aufſatzes.

Ob indeß der Storch wirk⸗ lich in dieſes Regiſter aufzunehmen ſei, will ich dahin geſtellt welche Vogt für ſeine Gemein⸗ leuchten mir wenigſtens nicht ein. Darum vervollſtändige ich das Verzeichniß ſchädlicher Vögel daß ich noch den Adler, alle Falken, aber nicht den Uhu, den Würger, den Reiher und