—
E
—2
hinzutretender Herr im Anfang der Dreißiger, in dem ich ſpäter den praktiſchen Arzt der Anſtalt, Herrn Dr. Loh, kennen und ſchätzen lernte, meinte aber doch, daß der Spaß unter Umſtänden nicht ſo harmlos hätte ablaufen können. Die elektriſche Douche, in der Hand des Arztes ein wahrer Segen, könne als Spielzeug in der Hand des Laien ſehr unange— nehme Wirkungen ausüben. In der That ſpürte ich die Empfindungen des elektriſchen Schlages noch den ganzen Tag hindurch in meinem Arm.
Herr Dr. Loh war, als wir unſer Bad beendigt, ſo freundlich, uns noch ein wenig in der Anſtalt herum zu führen, und zeigte uns namentlich noch den Saal für die galvaniſchen Curen, der im höchſten Grade intereſſant, deſſen eingehende Beſchreibung uns hier aber zu weit führen würde. Nur ſo viel ſei geſagt, daß man Einrichtungen getroffen, um die
601
wiederbelebende Kraft des Galvanismus in jeder Stärke und in
—
Linie der Director und Eigenthümer der Anſtalt, Herr Hof⸗ rath Dr. Steinbacher, der mir von fern gezeigt wurde.
Ich ſchaute mir den Mann, der ſo viel und ſo Entgegen⸗ geſetztes hatte von ſich reden machen, den Mann, den ſeine Patienten ſegnen und ſeine Collegen verfluchen, mit ſehr ge⸗ miſchten Gefühlen an. Zuerſt empfand ich einen bedeutenden Reſpect vor dieſem Geiſt, der alles das, was ich geſehen, ge⸗ ſchaffen, der den ganzen Organismus in Ordnung hält, Reſpect vor einer Arbeitskraft, die wie dieſe neben der Laſt der Direction dieſer Anſtalt, neben den Mühen einer großen Privatpraxis noch Zeit und Muße findet, alle die Werke zu ſchreiben, die ſeinen Namen ſo ſchnell berühmt gemacht. Dieſe Werke des Hofrath Dr. Steinbacher, in Augsburg er⸗ ſchienen, ſind nicht nur jedem Leidenden dringend anzuempfehlen, ſondern auch der Geſunde wird viel Lehrreiches und Inter⸗ eſſantes darin finden. Endlich aber— und dieſes Gefühl
. HnanEan
Bad Brunnthal.
jeder Weiſe zu appliciren, und daß mir noch am ſelben Tage ein Curgaſt die Geſchichte der Heilung ſeiner Blaſenlähmung er— zählte, in welcher der Galvanismus eine wunderbare Rolle ſpielt.
Schließlich nahmen wir noch den Curgarten in Augen— ſchein und jetzt erſt ſahe ich, daß da, wo ich früher, unter meinen Bäumen ſitzend, die Welt zu Ende geglaubt hatte, ſie erſt recht anfing. Da war der abgeſchloſſene Curgarten mit ſeinen netten Anlagen, mit ſeiner Kegelbahn, mit ſeinen vielen Gäſten, die ſpazieren gingen, plauderten, turnten und ſchaukelten. Das Intereſſanteſte im Curgarten war aber für mich einmal der Ort, wo die ſieben Quellen fort und fort ihre reinen Fluten aus der Erde heraus ſprudeln und dann in erſter
gewann doch die Oberhand über alle andern— fühlte ich eine innige Freude, daß ich trotz alledem und alledem vor⸗ derhand Gott ſei Dank noch keine Ausſicht hatte, fürs Erſte Curgaſt von Brunnthal zu werden.
Und mit dieſer Freude ſchüttelte ich dem entfetteten Gaſt— wirth und Herrn Dr. Loh die Hände und ging durch die herrlichen Anlagen des engliſchen Gartens langſam heim. Allen meinen Leſern wünſche ich die gleiche Freude, diejenigen aber, die ſie nicht theilen können und denen das koſtbarſte Gut, die Geſundheit, mangelt, mögen ſich doch ja die Schriften des Dr. Steinbacher kommen laſſen und aus dieſen erſehen, ob für ſie Brunnthal taugt oder nicht.
.———
Com, der blinde Meger.
So groß auch das Verdienſt und die Begabung eines
machung einer außerordentlichen Erſcheinung im gewöhnlichen
über dem Alltäglichen hoch ſtehenden Menſchen ſein mögen, Leben handelt, d. h. wenn Diejenigen, die ſich ſo gern zum
ſo bildet doch in den meiſten Fällen der Ruhm, dieſer ge—
fällige Vorreiter, einen mehr öder minder eitlen Prahler, be—
ſonders wenn es ſich um die möglichſt vortheilhafte Geltend⸗ Wachenhuſen's Hausfreund. X. 13.
Vormunde der ganzen Welt aufwerfen würden, ſich auf ihren Vortheil recht gut verſtehen. Tom iſt gewiß eine der ſelt
ſamſten Erſcheinungen, die die Natur unter ihren Geſchöpfen
76
„


