Jahrgang 
1867
Seite
589
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haben denn auch die Fachmänner die Sache theoretiſch geprüft und ſich poſitiv überzeugt, daß nicht blos, wie man bisher glaubte, das Schwein den Bandwurmkeim, die ſogenannte Finne, richtiger geſagt: den Blaſenwurm(Cysticercus) beher⸗ berge, ſondern daß derſelbe auch bei dem Rindvieh, und zwar ſchon bei den Kälbern im Muskelfleiſche ſitzen, ſich auch zu einer ganz beſonderen und ſehr feſt ſitzenden Art des Band⸗ wurms entwickeln könne, wenn er unverſehrt in den Magen des Menſchen gelangt iſt. Man hat ihn von dem gewöhn⸗ lichen Bandwurm, der Taenia solium, durch den Namen der Taenia mediocannellata unterſchieden. Wie ſchon bei einer ſchwachen Vergrößeruug(von 20 bis 50) erkenntlich iſt, beſitzt die Taenia mediocannellata weit größere Saugnäpfe als die Taenia solium, doch fehlt ihr der Hakenkranz am Kopfe, welcher

erſt neuerdings einem 1 ½ jährigen Kinde, welches früher viel rohes Rindfleiſch bekommen, einen ſolchen Bandwurm von mehreren Ellen Länge abgetrieben und viele Berichte von Aeltern entgegengenommen, deren Kinder aus gleicher Urſache an demſelben Uebel leiden. Er warnt daher dringend vor der Einführung des rohen Rindfleiſches in die Kinderpflege, um ſo mehr, als durch genaue Unterſuchung feſtgeſtellt iſt, daß die rohe Fleiſchfaſer ſchwerer verdaulich iſt, als die aus derſelben bereitete Brühe; er räth daher ferner, Kindern, welche einer ſolchen diätetiſchen Zulage bedürfen, die ſogenannte Flaſchenbrühe zu reichen. Zu dem Ende wird das Fleiſch (%½ bis ½ Pfd.) in Würfelſtücke geſchnitten, dieſe werden in eine leere Flaſche ohne Waſſerzuſatz gethan, die Flaſche wird feſt verkorkt und nun in einem mit Waſſer gefüllten Gefäße

Der Gänſemarſch.

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die Taenia Solium auszeichnet; ferner haben die ſchon mit drei Stunden lang dem Feuer ausgeſetzt. Auf dieſe Weiſe ge⸗

bloßem Auge ſichtbaren Glieder des Rindfleiſch⸗Bandwurms wie man ihn nennen könnte ein viel feiſteres Ausſehen, eine größere Breite und zeigen eine eigenthümliche Färbung

und Veräſtelung des Geſchlechtsorgans. Schreiber dieſes hat

winnt man eine kleine Quantität Brühe, welche man beliebig der Milch, der Suppe u. ſ. w. zuſetzen kann, und es wird damit derſelbe Zweck erreicht wie mit dem rohen Fleiſche, nur daß die Kinder nicht Gefahr laufen, einen Bandwurm zu bekommen.

Das alte Staatsgefängniß von Vincennes.

Kurz zuvor, ehe man auf der Straßburger Eiſenbahn Paris erreicht, ſieht man die koloſſalen Mauern und Kaſernen von Vincennes, des größten Kriegsarſenals von Frankreich. Vincennes iſt ein hiſtoriſcher Name, ein Begriff von Eiſen und Blut. Vincennes flößt dem Fremden Schrecken, dem Franzoſen auch heut noch Grimm ein, obgleich ſeit dreißig Jahren aus dem alten Schloß, den gewaltigen Thürmen, den alten Baſteien und Kerkern militäriſche Forts, Kaſernen und Feſtungswerke im großen Stil geworden ſind. Aber die neue Zeit wie das Mittelalter hat dieſen Ort durch die Schickſale

von Perſonen ewig zu cinem denkwürdigen gemacht. Vincennes wem fällt da nicht ein, daß während der Decemberrevolu⸗ tion 1851 über zweihundert gefangene Inſurgenten unter ſeinen Mauern niedergeſchoſſen worden, daß Barbé's und Blanqui 1848 hier geſeſſen, 1830 die eidbrüchigen Miniſter Karls X., Polignac an der Spitze! Wer weiß es nicht, daß Napoleon I. hier den Herzog von Enghien erſchießen ließ, daß 1814 die Preußen hier verzweifelt ſtürmen mußten, ehe ſie Paris nahmen? Und weiter! Saß hier nicht der große Mirabeau gefangen, hier nicht Diderot, dieſe Feuerköpfe des vorigen Jahrhunderts?