Jahrgang 
1867
Seite
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Stunden ſein Werk darauf getrieben hat, ſo bemerkt man wenig oder gar keine Feuchtigkeit. Wohin iſt dieſe gekommen? Ehe die Sonne ſo hoch ſtieg, daß ſie die Thautropfen be⸗ deutend erwärmen konnte, iſt ein großer Theil derſelben an den aufrecht ſtehenden Grashalmen herniedergeſickert und in die Erde eingedrungen. Der andere Theil der Thautropfen iſt von den Sonnenſtrahlen erwärmt und in Folge davon als unſichtbarer Waſſerdampf in die Höhe geſtiegen, um vielleicht in der nächſten Nacht ſich wieder als Thau auf die Blätter und Grashalme zu legen und ſeiner größern Menge nach in die Erde einzudringen. In dem kühlen Schvoße der Erde der von ſo Vielen als eine Stätte ungeſtörter Ruhe angeſehen wird, wie wir aber ſehen werden nicht mit vollem Recht regt ſich's nun unermüdlich. Die eingedrungenen Waſſertropfen ſickern langſam aber ſtetig tiefer und tiefer. Nur wenige Gegenſtände vermögen ihnen zu widerſtehen. Sie durchſickern die feſteſte Erdſchicht die Sandlager ſind ihnen ſo recht geeignet zum ungehinderten Durchpaſſiren ſelbſt der härteſte Kalkſtein vermag ihnen kein unüberwind⸗ liches Hinderniß entgegenzuſtellen. Aber das Waſſer will dieſe Reiſe nicht allein machen es ſehnt ſich nach einem Gefährten. Da findet es denn faſt überall, wohin es kommt, einen Ver⸗ wandten. Dieſer Verwandte iſt die Kohlenſäure. Die Verwandtſchaft der Kohlenſäure und des Waſſers rührt daher, daß der eine Hauptbeſtandtheil des Waſſers, der Sauer⸗ ſtoff, auch den einen Hauptbeſtandtheil der Kohlenſäure aus⸗ macht. Als ſo nahe Verwandte haben denn natürlich die Kohlenſäure und das Waſſer das Beſtreben, ſich mit einander zu vereinigen, und da nun das Waſſer faſt überall in der Erde Kohlenſäure antrifft, ſo entſteht durch die Vereinigung der beiden Stoffe kohlenſäurehaltiges oder kohlenſaures Waſſer. An dem kohlenſauren Waſſer ſieht man recht deut⸗

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Nebel ſchwimmt, in klares, kühles Quellwaſſer iſt aber der Kreislauf deſſelben noch lange nicht beendet. Es muß noch weiter. Es muß nun auch ſeinerſeits wirkſam werden und ſeine Kräfte anwenden in der großen Werkſtätte der Natur:

Tröpflein muß zur Erde fallen,

Muß das zarte Bäumchen netzen, Muß mit Quellen weiter wallen, Muß das Fiſchlein auch ergötzen, Muß im Bach die Mühle ſchlagen, Muß im Strom die Laſten tragen, Und wo wären denn die Meere, Wenn nicht erſt das Tröpflein wäre?

Endlich treffen wir das Tröpflein im Meere wieder,

wohin uns die Phantaſie des Dichters ſo zauberhaft ſchnell geführt hat. Wollten wir jetzt aber ſeine Beſtandtheile unter⸗ ſuchen, ſo würden wir in ihm nicht mehr den friſchen, klaren Tropfen der Quelle, mit Kohlenſäure und Kalk zu kalkhaltigem Waſſer verbunden, wieder erkennen. Die Sonnenſtrahlen, die

fort und fort auf den Spiegel des Bächleins, des Fluſſes,

des Stromes, den das Tröpflein nach und nach durchfloſſen hat, brannten, haben durch ihre Wärme ein Entweichen der Kohlenſäure bewirkt. Dadurch iſt dem Waſſer das Friſche, Kräftige und der eigenthümliche, faſt prickelnde Geſchmack ge nommen, wodurch es ſich als Quellwaſſer auszeichnete. Der Kalk hat ſich zu Boden geſetzt und iſt zu Flußſchlamm umge⸗ wandelt worden. An die Stelle alles dieſes Verlorenen iſt manches Andere getreten, z. B. ein bedeutender Gehalt an Salz.

Iſt ſein Kreislauf nun zu Ende, da es endlich vereinigt iſt mit der großen Waſſermaſſe des Oceans? Nimmermehr! Soll es einen Kreislauf gemacht haben, ſo muß es ja wieder zurückkehren zu der Form und zu dem Orte, von wo

lich, daß die Vereinigung ſtark macht. Vor der Verbinduna--6nusgegangen-42, zu der Form der Waſſerbläschen, die den

mit der Kohlenſäure war es den. Wahe-t möglich ge⸗ weſen, einen Körper, den es ch faſt überall auf ſeiner Wanderung antrifft, nämbh den Kalk, aufzulöſen nach der Umwandlung des reinen Waſſers in kohlenſaures Waſſer iſt ihm die Wflöſung des Kalkes möglich geworden. Das kohlenſaurg⸗Waſſer löſt nun auch wirklich Kalk in ſich auf, und es der Verbindung des kohlenſauren Waſſers mit Kalk ſteht kalkhaltiges Waſſer. Dieſes kalkhaltige Waſſer wird ſo lange in die Tiefe der Erde hineindringen, bis es auf eine Geſteinsſchicht ſtößt, die es nicht durchläßt. Dieſes Amt übernehmen gewöhnlich die Thonlager. Der Thon hat nämlich die Eigenthümlichkeit, daß er, nachdem er voll⸗ ſtändig mit Waſſer geſättigt iſt, keine Flüſſigkeit mehr durch ſich hindurchdringen läßt. Stößt alſo das in die Tiefe ſickernde Waſſer auf Thonſchichten, ſo ſammelt es ſich auf dieſen an. Da nun von oben her ein unterbrochener Zufluß ſtattfindet, ſo muß es natürlich ſich nach der Seite hin aus dehnen. Es folgt dem Laufe der Thonſchicht, und da, wo dieſe zu Tage tritt, begrüßt auch das Waſſer das Tageslicht wieder und zwar als Quelle. Mit dieſer Umwandlung des Waſſerbläschens, das im

Nebel bilden. Da hilft denn die Sonne nach. Sie ver⸗ wandelt durch ihre Wärme einen großen Theil des Meer⸗ waſſers in Waſſerdampf, der aus Waſſerbläschen beſteht. Die Waſſerbläschen ſteigen emvor zu ſchwindelnder Höhe und ſegeln, von den Luftſtrömen getrieben, in dem Luftmeere dahin. In den mannigfachſten Geſtalten verkörpern ſie ſich wieder. Sie tränken als erfriſchender Regen die Felder, oder ſie ver⸗ nichten als Hagelkörner die Hoffnungen des Landmannes, oder ſie begraben im ſauſenden Schneeſturm den einſamen Wanderer. Immer und immer aber ſteigen ſie wieder als Waſſerbläschen in die Höhe, und vielleicht hüllen ſie nach langer Zeit wieder den Gipfel des Berges ein, an deſſen Fuß ich ſitze, legen ſich als Thauperlen an die ſchwanken Gras⸗ halme, ſteigen hinab in die dunkle Tiefe und treten endlich als friſche, klare Quelle wieder zu Tage, ihren Lauf von Neuem beginnend.

Während ich ſolchen Gedanken nachhing, war eine Stunde

verfloſſen, und die höher ſteigende Sonne mahnte mich zum

Aufbruch. Noch einen vollen, kräftigen Trunk ſchöpfte ich aus der kühlen Waldquelle und ſetzte erfriſcht und geſtärkt meine Wanderung fort.

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Gebt den Bindern kein rohes Rindfleiſch.

Eine Warnung von Dr. P. Niemeyer in Magdeburg. 8 8

Daß man durch den Genuß von rohem Schweinefleiſch ſich möglicher Weiſe Trichinen oder Bandwürmer zuziehen könne, iſt nach den Ereigniſſen der letzten Jahre wohl eine allgemein bekannte Thatſache geworden. Weniger bekannt aber dürfte die andere Thatſache ſein, daß auch der Genuß des rohen Rindfleiſches die Entwickelung des Bandwurms und zwar einer ganz beſonders hartnäckigen Sorte zur Folge hat. Dieſer Erfahrungsſatz möchte ſich um ſo mehr der all gemeinen Beachtung empfehlen, als bei uns die Sitte ſehr verbreitet iſt, kleinen Kindern wegen Schwächlichkeit u. dgl. neben der Milch rohes geſchabtes Rindfleiſch zu reichen,

und es iſt ſchon vor mehreren Jahren von einem renommirten Kinderarzte darauf aufmerkſam gemacht worden, daß bei den ſo genährten Kindern der Bandwurm auffallend häufig vor⸗ komme: ebenſo iſt es wohl ſchon jedem Arzte vorgekommen, daß ganz orthodor lebende Iſraeliten, welche alſo kein Schweine⸗ fleiſch genießen, vom Bandwurm geplagt worden, und bei den Abyſſinieren, welche notoriſch viel rohes Rindfleiſch genießen, iſt der Bandwurm etwas ſo Gewöhnliches und die Entſtehung deſſelben aus dem Rindfleiſche etwas ſo Bekanntes, daß viele Eingeborene gleichzeitig mit dieſer Speiſe eine Portion Koußo

als Gegengift zu ſich nehmen. Angeſichts dieſer Erfahrungen