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Wagenthüren, um im rechten Augenblick hinausſpringen zu können.—
ueber große Hitze können wir nicht klagen; am Tage ſind ungefähr 15 bis 20 Grad Wärme, Morgens und Abends kaum 7. Trotzdem iſt Alles grün, wundervolle Palmen wechſeln mit den dichteſten echten Akazien ab. Die ſchönſten Früchte ſind im Uebermaß vorhanden: man erhält zehn Apfel⸗ ſinen für einen Piaſter(1 ½ Sgr.), Mandarinen, eine noch feinere, ſüßere Frucht, ſechs für denſelben Preis, und ſo Anderes in entſprechendem Verhältniß. Sonſt iſt jedoch das Leben hier ſehr theuer. Wir haben uns infolge deſſen veranlaßt geſehen, bei einem Deutſchen eine Privatwohnung zu beziehen, wo wir zu Zweien für zwei dürftig möblirte Zimmer monat— lich circa 21 Thaler bezahlen müſſen, während wir außerdem im Gaſthofe für Mittag⸗ und Abendeſſen ohne Wein Jeder etwa 28 Thaler zu entrichten haben.
Von den Sehenswürdigkeiten um Cairo haben wir noch wenig geſehen. Einmal ſind wir in die Wüſte geritten, wo nicht ſehr fern von der Stadt der bekannte Pr. Reil eine Penſion für Bruſtkranke hat. Zu den Pyramiden kann man gegenwärtig nicht gelangen, weil dort Alles überſchwemmt iſt; wir hoffen indeſſen zu Weihnachten die Fahrt zu denſelben vorzunehmen. Eine Nilreiſe, wie wir ſolche beabſichtigt, wer⸗ den wir wahrſcheinlich ganz unterlaſſen, da die Barkenführer zu unverſchämte Preiſe fordern und die Reiſe ſelbſt ſchließ⸗ lich doch kaum Intereſſantes genug bieten dürfte, um uns für die lange eintönige Fahrt(zwei und einen halben Monat) zu entſchädigen.
Wir gedenken bis Mitte Januar hier zu bleiben und dann durch Syrien nach Jeruſalem zu gehen.—
II. Cairo, im Januar 1862. Expedition zur Auffindung des Suezkanals.
Die Ueberſchrift mag etwas komiſch erſcheinen, ſie iſt es aber durchaus nicht, da man ſelbſt hier in Cairo wenig oder nichts weder von der Gegend, wo jetzt gearbeitet wird, noch von den Fortſchritten der Arbeit ſelbſt weiß. Mein Freund R. und ich wurden zu der Reiſe dorthin beſtimmt durch die Bekanntſchaft eines Deutſchen, der auf einer der Stationen des Suezkanals eine Apotheke leitet, und der uns, um uns ein Bild von der Großartigkeit des Unternehmens zu geben, zu ſich eingeladen hatte. Erleichtert wurde uns die Sache noch dadurch, daß unſer Wirth, der der arabiſchen Sprache voll⸗ kommen mächtig iſt, ſich entſchloß, uns zu begleiten.
Am Morgen des 16. Januar begaben wir uns auf den Weg, d. h. wir ſetzten uns auf die Eiſenbahn, die von hier
2 nach Alexandrien führt und fuhren ungefähr die Hälfte des
Weges bis Tanta. Etwas Unterhaltung bekamen wir da⸗ durch, das eine Extrareviſion der Billets vorgenommen wurde, die, trotzdem die Hälfte der Paſſagiere, wie hier üblich, als „blinde Paſſagiere“ ohne Billets, nur gegen Erlegung eines Backſchiſch an den Conducteur, reiſte, vollſtändig befriedigend ausfiel. Von der Genauigkeit der Reviſion könnt Ihr Euch
hiernach einen genügenden Begriff machen.
Tanta iſt eine der größten Städte des Nildelta's, be⸗ rühmt durch die alljährlichen Meſſen, die hier für ganz Aegypten abgehalten werden. Im Uebrigen macht der Ort, wie faſt alle Städte dieſes Landes, eher den Eindruck eines Schutthaufens als eines Wohnortes für Menſchen. Von Tanta begaben wir uns auf einer Zweigbahn nach Samanud und von dort nilaufwärts per Barke bis in die Gegend von Abouſſie nach der Beſitzung eines Deutſchen, eines Freundes von unſerm Wirthe. Unſre Abſicht war, dieſem Manne im Vorübergehen nur einen Beſuch abzuſtatten; er überredete uns indeſſen, die Nacht und den folgenden Tag bei ihm zuzubringen. Weiter hofften wir zu Waſſer bis Zaga⸗ zig zu kommen, jedoch wurde uns die Fahrt als ſo ſchwierig und eintönig dargeſtellt, daß wir uns entſchloſſen, wieder um⸗ zukehren, um die zuletzt genannte Stadt mit der Eiſenbahn zu erreichen. Dies geſchah denn auch, nachdem wir uns noch
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einen Tag in Machala el Kibir und Benha aufgehalten hatten.
In Zagazig bemerkt man die erſten größeren Vorarbeiten zur Herſtellung des Kanals. Dort befinden ſich enorme Vor⸗ räthe aller Art, Werkzeuge, gewaltige Maſſen von Lebens⸗ mitteln u. ſ. w. Alles dies iſt auf einem lediglich zum Materialien-Transport bis zur Mitte des projectirten Suez⸗ Kanals gegrabenen Süßwaſſerkanal auf Hunderten von Barken an Ort und Stelle geſchafft.
Durch Vermittlung des in Zagazig ſtationirten Agenten gelang es uns, auf einer der Transport⸗Barken für uns und unſer Gepäck Platz zu finden. Wir beſtiegen dieſelbe am 21. Januar. Der Wind war uns günſtig, er brachte uns bald an dem letzten Geſträuch vorbei, hinein in die Wüſte. Hin und wieder erhoben ſich am Ufer kleinere Stationen der Kanal⸗Bau⸗Compagnie, nur aus ein paar Zelten beſtehend, bis endlich am Abend die Lichter einer größeren durch die tiefe Finſterniß ſchimmerten und uns den Ort zeigten, wo wir übernachten ſollten.
Maxama— ſo heißt dieſe Station— liegt an einem nicht unbedeutenden See und hat mehrere feſtgebaute Häuſer.
In einem derſelben wurden wir auf das Bereitwilligſte für
die Nacht aufgenommen. Mit Tagesanbruch ging es weiter⸗ Gegen Mittag erreichten wir die Station Rhamſes, die nach einer im Herbſt v. J.(alſo 1861) dort aufgefundenen und noch daſelbſt befindlichen Statue des alten Königs, der dieſen Namen führte, benannt iſt. Bis hierher hatte uns unſer Freund, der Apotheker— er heißt Voß— drei herrliche Pferde entgegen geſchickt, die wir aber erſt auf der folgenden und letzten Station des Süßwaſſerkanals beſteigen konnten, da es uns nicht eher gelang, ein Kamel für unſer Gepäck zu bekommen.
Von dieſer letzten Station aus werden alle Bedürfniſſe der Arbeiter, beſonders Trinkwaſſer, auf Kamelen weiter geſchafft. Es ſind deshalb ſämmtliche„Schiffe der Wüſte“ des ganzen Landes theils von der Compagnie gemiethet, was der Grund iſt, daß es ungemein ſchwer hält, für den Privat⸗ gebrauch ein kräftiges Thier zu finden. Unſern vortrefflichen Pferden hatten wir es übrigens zu danken, daß wir ſchon gegen Abend das Ziel unſrer Reiſe, El Giſr, erreichten. Die Wüſtenroſſe ſind ſo ungemein ſtark und dabei doch zierlich gebaut, daß das ſchönſte deutſche Pferd mit ihnen keinen Ver⸗ gleich würde aushalten können; ihre Leiſtungsfähigkeit iſt bei den ungünſtigen Verhältniſſen des Landes wahrhaft be⸗ wunderungswürdig.
Die Station El Giſr iſt mit ſo vielem Geſchmack an⸗ gelegt, daß wir beim Erwachen am nächſten Morgen gar nicht glaubten, ſo fern zu ſein von aller bewohnbaren Gegend. Sie hat eine Kirche, ein Lazareth, drei breite Straßen und ſogar drei Café's mit Billards— denkt nur: Billards mitten in der Wüſte! An die Wüſte erinnert nur eins: ſo weit das Auge reicht, iſt nirgends ein grünes Blättchen zu ſehen, überall nichts als loſer, gelber Sand.
Wir waren natürlich begierig, endlich den Kanal begrüßen zu können, fanden aber nur einzelne, noch lange nicht zu ſolcher Tiefe ausgegrabene Stellen, daß ein Seeſchiff ſich darin bewegen könnte. Erſt anderthalb Stunden weiter dem Mittel⸗ ländiſchen Meere zu iſt man weiter mit der Arbeit fortge⸗ ſchritten: dort, bei der Station El Ferdane, fließt auch ſchon Salzwaſſer. Tauſende von Arbeitern waren an dieſer Stelle beſchäftigt, die, als ſie unſrer anſichtig wurden, laut nach Brot ſchrieen.
Den Aufenthalt in El Giſr hatten wir nur von kurzer Dauer beabſichtigt, aber unſer freundlicher Wirth ſchnitt uns geradezu die Möglichkeit ab, ſo raſch fortzukommen, indem er vorgab, es ſeien keine Transportmittel disponibel. Uebrigens ließen wir uns dies gern gefallen, denn wir ſahen, wie ſich Alles um uns her nach Kräften bemühte, uns das Leben an⸗ genehm zu machen. An einem Tage machten wir einen kleinen Spaziergang, ungefähr eine Stunde weit, und zwar nach— Aſien. Die Grenze, die beide Erdtheile ſcheidet, iſt durch hohe Stangen markirt, ſonſt bietet ſie nichts Bemerkenswerthes.
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