Jahrgang 
1867
Seite
560
Einzelbild herunterladen

560

des Theaters. Mancher wird erſtaunt darüber ſein, ein ſo zahlreiches Perſonal hinter den Couliſſen zu ſehen. Das Repertoire bringt abwechſelnd Feerien, kleine Vaudevilles und Familienſcenen, die anſehnlichſten Autoren verſchmähen es nicht, eigene Stücke für das Seraphintheater zu ſchreiben, und ſo iſt denn dies Theater allein unberührt vom Laufe der Zeit ge⸗ blieben, es iſt das einzige, welches nicht nöthig gehabt hat, alle die modernen Zugmittel in Anwendung zu bringen, mit welchen die übrigen Theater ſich überbieten, es hat ſich immer mehr und mehr erweitert, der Saal im Palais⸗Royal wurde zu klein und ſchon im Jahre 1859 ſiedelte es nach der Paſſage Jouffroy über.

müſſen, dem ein Todesurtheil drohe. Er ſei in ihrer Gegen⸗

wart arretirt worden und werde in kurzer Zeit vor das Revolutions-Tribunal geſtellt werden. Die beiden kleinen Mädchen, welche dem Geſpräch ihrer Erzieherin mit dem frem⸗ den Mann zugehört haben, ahnen inſtinctiv, daß er im Stande ſei, ihren Vater zu retten; ſie bitten ihn, küſſen ihm die Hände und legen ihre kleinen Arme um ſeinen Hals. Nur mit Mühe kann er ſich den Liebkoſungen der Kinder entziehen, er verläßt ſeinen Platz und ſchon am nächſten Morgen erhält die Mutter der beiden Mädchen ein Billet, das ihr das Begegnen im Seraphin⸗Theater erzählt und ihr mittheilt, daß ihr Gatte noch an demſelben Tage in Freiheit geſetzt werde.

Wenden wir nun noch ſchnell einen Blick auf das Innere W. D.

Feuilleton.

verdanken ſie nicht der Milde des Klimas(), nicht dem heiteren Himmel, noch dem Anblick des Meeres, nein: den häufigen Regengüſſen, der Strenge des Winters, welche den Menſchen zwingen, in ſich zu kehren, den Nebeln, welche auch den Geiſt umdüſtern, vielleicht auch der Wärme des Kachelofens, dem Tabacksrauch, dem Bier, wie wir es bei dem berühmten Hoffmann geſehen.

Die Ufer des Rheins ſind ganz hübſch, meint er,namentlich wenn die Sonne ſcheint, aber im Grunde ſind ſie ganz gewöhnlich und ſchöner ſind die der Seine und der Loire, deren Wellen ſich wenigſtens majeſtätiſch ins Meer ſtürzen, während der Rhein ſich jämmerlich im Sande verläuft. Als Land hat Deutſchland wenig Maleriſches. Die ſächſiſche Schweiz z. B. iſt nichts als eine elende Anhäufung von Hügeln, der Harz kann höchſtens einem Schüler mit dem Torniſter auf dem Rücken Vergnügen machen, nur die Städte haben wegen ihrer alterthümlichen, feudalen Bauart einiges Intereſſe.

In Deutſchland lebt es ſich unter allen Ländern am billigſten, das macht: man iſt arm in Deutſchland. In die Hotels können ſich nurreiche Leute wagen, man flieht ſie als vergoldete Mauſefallen und kehrt lieber in den ſchlechteſten Aubergen ein, wo man billig leben kann u. ſ. w.

Schließlich erklärt ſich Herrn Desbarrolles' ganze Wiſſenſchaft von Deutſchland und der Geſichtspunkt, von welchem aus er daſſelbe beob⸗ achtete. Er rühmt ſich, ſeine Reiſe durch ganz Deutſchland mit täg⸗ lich 4 Francs lalſo etwa einem Thaler) gemacht zu haben, wie er

** Ein liebenswürdiger Franzoſe.

Während wir uns anſchicken, nach Frankreich zu reiſen während wir gewohnt ſind, nach Frankreich zu gehen und Paris kennen zu lernen, wird es intereſſant ſein, auch zu hören, wie ein Pariſer über uns urtheilt, wenn er ſich wirklich einmal entſchließen kann, die Boulevards zu verlaſſen und die Welt kennen zu lernen, um die er ſich nicht einmal in den Büchern bekümmert.

Mir fällt da ein im vorigen Jahr erſchienenes BuchLe caractèr alemand von A. Desbarrolles in die Hände. Der Mann iſt Chiromantiker und als ſolcher nach Deutſchland gereiſt, wo er ſchon als Kind einige Jahre, und zwar in Kaſſel, verlebt. Er geſteht, er ſei mit großer Sympathie über die Grenze gegangen, aber er habe ſich ſchrecklich getäuſcht geſehen.

Dieſe Deutſchen! Iſt das ein Volk! Er hat es kennen gelernt, ſagt er, denn er iſt bis in die elendeſten Kneipen hinab geſtiegen. Vor Allem hat er ſich gefragt iſt dieſes Volk werth, ſich mit ihm zu verbünden? Und er muß ſich geſtehen: nein, denn er hat in Deutſch⸗ land nur Haß und Eiferſucht gegen Frankreich gefunden.

Man nennt, ſagt er, die Franzoſen leichtfertig, und doch ſind ſie die ernſteſte Nation, ſie kennen nur nicht ihren eigenen Werth, wie alle erhabenen Weſen verachten ſie die Prahlerei; wie alle ſtarken Menſchen laſſen ſie großmüthig die Kleinen ſich wichtig machen. Des⸗ halb geſtattete er, daß man den Deutſchen den Ruhm der Philoſophie widmete, während der Franzoſe viel tieferen Geiſtes, viel gelehrter die Schweiz mit 3 Fr. 50 Cent. täglich bereiſt hat. Den Pariſer muß iſt. Herr Desbarrolles fährt ſort: Man muß die Deutſchen nicht nach natürlich Entſetzen vor einem Lande ergreifen, in welchem man als Denen beurtheilen, die bei uns in Frankreich leben. Vei ihnen zu Fremder täglich nur 4 Fr. ausgeben kann, Herr Desbarrolles muß

Hauſe kann kein Mann von Geiſt Carriere machen, ihm iſt Alles ver⸗ aber während ſeiner Reiſe nothwendig auf Heuböden und in Schaf⸗ ſchloſſen, deshalb kommt er nach Frankreich. Alle die intelligenteſten ſtällen logirt haben, von welchen aus ihm denn auch, wie wir ſehen, Deutſchen ſind in Paris, was zu Hauſe geblieben, iſt nur Schund. die intereſſanteſten Beobachtungen gelungen ſind.

Warum, fragt Herr D., geht der Franzoſe nicht gern nach Deutſch⸗ Es ſind ſchon viel Dummheiten über Deutſchland geſchrieben land? Man höre die Gründe dieſer philoſophiſchen, dieſer ſtarken und worden und man hört deren in Paris tagtäglich, aber ein Dummkopf geiſtreichen Nation. Erſtens wegen der verſchiedenen fremden Münzen wie dieſer iſt ſchwerlich bisher über den Rhein gekommen mit der nicht. Zweitens wegen der fremden Sprache. Drittens wegen der Abſicht uns kritiſch beurtheilen zu wollen. Dummheit des Volkes, das ſich nicht einmal auf die Pantomime ver⸗ Indeß iſt was ich hier mittheile nur der Anfang des Buches, ſteht. Viertens wegen der ſchlechten Betten, die anſtatt der Matratze das mir ſicher noch Gelegenheit zu weitern Proben franzöſiſchen nur Flaum enthalten, ihre Bettlaken ſind immer im Viereck gelegt Scharfſinnes geben wird. Uebrigens liegt der Grund dieſer freund⸗ und wenn man des Morgens erwacht, liegt das Oberbett am Boden. lichen Beurtheilungen wol darin, daß der Herr Desbarrolles in (Entſetzlich!) Fünftens wegen der confuſen Küche, die auf derſelben Deutſchland die Gelehrten mit ſeiner Chiromantie, der Wiſſenſchaft, Aſſiette die verſchiedenſten Gerichte ſervirt(wo mag der Mann nur aus der Hand zu wahrſagen, beläſtigte, und dieſe ihn überall ablaufen geſpeiſt haben!) Sechstens wegen des Bieres(ganz Paris trinkt faſt ließen. Mit dieſer Wiſſenſchaft lockt man allerdings bei uns keinen nur Bier) und die Unmöglichkeit ſelbſt für die Reichen, unverfälſchten Hund zum Ofenloch heraus, und ſo mag ſich denn Herr D. in den Wein zu bekommen. Phne Zweifel hat der Verfaſſer ſich nur in den Deutſchen ſehr getäuſcht haben. dH. W Herbergen bewegt). Endlich wegen des rauhen Klimas und des unangenehmen Nationalcharakters, der unfreundlich, zurückſtoßend und nie aufrichtig ſei.

Alle dieſe Gründe und noch hundert andere hindern den Franzoſen, den Rhein zu überſchreiten. Er läßt ſich über Deutſch⸗ land lieber alles Mögliche erzählen, läßt die Deutſchen für Philo⸗ ſophen und Denker gelten, wenn man ihn nur nicht zwingen will, ſich davon zu überzeugen.(Vermuthlich machen es alle großen und geiſtreichen Menſchen ſo)

Daß es in Deutſchlandeinige Leute gebe, die Geſchmack für die Poeſie zeigen, will Herr Desbarrolles nicht beſtreiten, aber dieſen

Kleine Poſt der Redaction.

Fräulein Lina M. in Berlin. Sie irren, Mar Ring iſt unſer Landsmann, und Sie werden nächſtens Ihren Wunſch erfüllt ſehen..

Herrn I in L. a. d. W. Dieſe Reklame ſcheint doch zu deutlich.

Fräulein Marie I. Wollen Sie nicht perſönliche Rückſprache mit dem Be⸗ treffenden nehmen?

ſchönen Original⸗Illuſtrationen, mit einem

Der Hausfreund erſcheint in Bänden von je 16 Heften à 6 großen Bogen mit Preis pro Heft 5 Sgr.

mit humoriſtiſchen Bildern illuſtrirten umſchlag elegant geheftet.

Verlag der Hausfreund⸗Expedition(Lemke und Comp.) in Berlin, Kronenſtraße Nr. 21. Verantwortlicher Herausgeber: Hans Wachenhuſen.

Haupt⸗Expedition und Druck bei F. A. Brockhaus in Leipzig.