Jahrgang 
1867
Seite
557
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Scheu, vor der Niemand den Mund zu öffnen wagte; und alle Commiſſarien dachten unter dieſem Eindruck mit großer Unbehaglichkeit ihrer heutigen Amtspflicht, die darin beſtand, dieſe Frau aus dem Hauſe ihrer Väter verſtoßen. Die des⸗ fallſigen Bemerkungen blieben nach Entfernung der Gräfin dennoch unausgeſprochen, denn Slavata ſaß mit am Tiſch und fing eifrig an von den Geſchäften zu verhandeln.

Nach Abwicklung der vornehmſten Sachen trugen Slavata's Leute ein leidliches Mahl auf, wie es ſich in der Eile und aus den aufgefundenen Vorräthen hatte herſtellen laſſen. Die Reiſe und die Arbeit in der Decemberluft hatte den Appetit geweckt, die zahlreiche Geſellſchaft ließ ſichs wohl ſchmecken und ſprach dem Weine um ſo munterer zu. Unter

die Commiſſarii geweſen, mit ſeinem Thürmen, Gebäuen und Erkern ꝛc. geſprengt, zermeiſelt und in Grund gelegt, alſo, daß alle darauf geweſenen Adels⸗ und andere Perſonen, fürnemlich aber die Commiſſarii, der Slavata, die Frau von Wartenberg mit allen Frauenzimmern, Soldaten vom größten bis zum kleinſten, dazu die aufwartenden Pfarrherrn nebſt vielen Perſonen in der Stadt jämmerlich und erbärmiglich umkommen ſind ꝛc. fand man die Frau von Wartenberg das ganze Angeſicht, Haupt und Hände verbrannt und die Gebeine zerſchmettert, dem Slavata waren die Schenkel drei⸗ mal gebrochen.

Alſo ſchied die Frau vom Leben. Sie hatte die wegen der Vertheidigung der Burg von Wartenberg eingebrachten

Das Seraphin⸗Theater.

dieſem Einfluß öffneten ſich die Lippen von verſchiedenen Seiten und Slavata mußte manches gelinde und ernſte Wort der Ermahnung hören, bei ſeinem ſo großen ihm nun wider⸗ fahrenen Glück ſich doch, es koſte, was es wolle, mit der Gräfin in anſtändigen Vergleich zu ſetzen. Endlich beſtürmte ihn Alles, dies ſogleich zu verſuchen, ſelbſt der Probſt von Raudnitz hielt zu dieſem Zweck eine ſalbungsvolle Rede von Liebe, Verſöhnung und Vergebung, wobei er ſicherlich am meiſten an ſeine Ohrfeige dachte, weil ſie nicht mehr weh that: alſo, daß Slavata ſich genöthigt ſah, von der Tafel aufzuſtehen mit dem Verſprechen, ſeine Schwägerin aufzu⸗ ſuchen und noch einmal mit ihr zu verhandeln. Eben, als er ſeinen Schritt von der Tafel zur Thür lenkte und die ganze Geſellſchaft dieſen Gang mit lautem Beifall begleitete ge⸗ ſchah ein furchtbarer Knall.

Was weiter geſchehen, wußte dieſe ganze Geſellſchaft nicht mehr, nur die Nachwelt hat es uns verzeichnet. Der vorhin erwähnte Graf Khevenhüller ſchreibt darüber:Iſt in einem Augenblicke der vordere Theil des Schloſſes, auf welchem

Pulverfäſſer, die im Keller des vorderen Hauptthurmes ver⸗ wahrt und verſchloſſen lagen, geöffnet und mit eigener Hand den zündenden Funken hineingelegt. Das Gebäude flog in donnernder Gewalt auseinander, gewaltig war die Verheerung; das Gebälk, die Decken und Wände wurden fortgeſchleudert und die Menſchen mit. Slavata, der wie vorhin erzählt, eben zur Thür hinausſchreiten wollte und ſich gerade unter den Pfoſten derſelben befand, kam durch dieſen Zufall mit dem Leben davon, doch wie es ſchien, nur gleichſam zur Strafe, um den ganzen ſchrecklichen Umfang der Genugthuung und Rache ſeiner beleidigten Schwägerin mit ſeinen Augen noch zu ſehen, denn er ſtarb ſchon am nächſten Tage unter großen Qualen an ſeinen Quetſchungen. 2

Dieſer Vorfall erregte namenloſes Aufſehen⸗ Der König Friedrich V. erwähnt in ſeinen uns erhaltenen Briefen an ſeine Gemahlin, die er von Brünn aus ſchrieb, dreimal der gräßlichen Kataſtrophe. Allein dieſe Art der Erwähnung zeigt gerade, wie wenig ſcharfblickend dieſer Fürſt war, und daß ſeine Unſicherheit und Unentſchloſſenheit, die man häufig