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zwiſchen,„ich bin für ewig von Euch getrennt und ich will das Wort nicht mehr hören aus Eurem Munde.“
Sie wandte ſich um und Slavata brach ab. Sein Blick fiel auf den Hof, auf welchem die Bedienung der Gräfin Kiſten und Kaſten auf die angeſpannten Wagen packte. Es war ein bunt Gewirr von Kammerdienern, Zofen und Mägden.
„Wo ſollen dieſe hin?“ fragte Slavata lauernd.„Sprecht ein Wort Gräfin: ſoll ich ſie nach Schwarz⸗Koſteletz ſenden?“
„Nein“, erwiderte ſie beſtimmt,„das ſind meine Leute, ſie gehören nicht zur Uebergabe. Sie ſollen ziehen, denn ſie
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Hohen⸗Urach.
tragen keine Schuld.“ nachdrücklich.
„Aber die Kiſten und Kaſten?“
„Enthalten nichts von Eurem Eigenthum, auch darin für mich; ich habe Alles durchgeſehen.“
„Und die Wagen und die Pferde?“ forſchte Slavata, „ſie ſind doch nicht herrenloſes Gut, die Commiſſarien werden ſie im Inventar vermiſſen.“
„Sie kommen heut noch zurück und werden eher daſein, als Ihr Eure Arbeit beendet habt.“
„Dennoch müßten ſie hierbleiben und zur Stelle ſein....“
„Nein!“ rief ſie dawider in ihrer alten Energie.„Ich kann jetzt noch darüber verfügen, denn noch ſeid Ihr nicht Herr!“
Slavata hielt es für gerathen, ſtatt dieſer Kleinigkeit willen Sreit anzufangen, des letzten Wortes der Gräfin zu
Und ſie betonte das letzte Wort
iſt nichts
gedenken, daß er noch nicht Herr ſei. Es mahnte ihn zur Eile. Er ſtieg vom Pferde und Alles folgte ſeinem Beiſpiel. Man verſorgte ſich, ſo gut es ging, da alles dienende Perſonal zum Hofe hinausgefahren war. Bald ward Hof, Schloß, Küche, Keller zum bunten Gewirr, wo dieſe Maſſe von Perſonen ſich Quartier und Behagen zu verſchaffen ſuchte. Die feier⸗ liche Handlung begann unterdeß wieder mit dem Aushauen des Spahns, und dem Ausſtechen von Raſenſtücken in Park und Flur, was trotz des Froſtes bewerkſtelligt wurde. Als die Commiſſarien zur ſchriftlichen Verhandlung im Saal des
(Siehe S. 558.)
Schloſſes verſammelt waren, erſchien noch einmal die Gräfin und legte den Schlüſſel auf die Tafel nieder.
Sie ſprach kein Wort, doch lag in ihrer ganzen Er⸗ ſcheinung Rede und Sprache genug. Die Augen der Männer hafteten wie gebannt auf ihr. Zwar war ſie über die Blüte ihrer Jahre hinaus und das ununterbrochene Mißgeſchick hatte eher ſtörend als conſervirend wirken können, allein jene eigen⸗ thümliche Frauenſchönheit, die die hervorragende geiſtige Be⸗ gabung in Geſicht und Geſtalt ausprägt, verfehlte ihre Wirkung auf die Männerblicke nicht. Unter anderen Verhältniſſen, in den Cirkeln der Geſellſchaft oder im Saal des Hofes, das fühlten ſie, würde Jeder von ihnen um ein gnädiges Lächeln oder ein Wort von den Lippen dieſer Frau tauſend Huldigungen verſchwendet haben. Der tiefe Schleier der Melancholie in ihren Zügen, den ihr oberflächlicher Schluß dem Ausgang des Proceſſes zuſchrieb, verlieh ihrer Schönheit jene reſpectvolle


