Jahrgang 
1867
Seite
553
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dacht und aufs Fleißigſte ausgeführt. Kein Künſtler lernt ſeine Rolle ſo gewiſſenhaft wie Poſſart, für den kein Souffleur vor⸗ handen iſt, keiner nimmt aber auch ſeine Pflicht ernſter als er; dieſes Pflichtgefühl iſt ſo groß, daß es ſeinen Freunden zuweilen ſehr läſtig wird, denn Poſſart geht vor einer be⸗ deutenden Rolle acht Tage lang nicht aus dem Hauſe und iſt innerhalb ſeiner Wohnung in ſolch kritiſcher Zeit auch für nichts empfänglich, wenn es nicht gerade auf ſeine Rolle Be

hat. Mit 26 Jahren hat Ernſt Poſſart ſich auf dieſe hohe Stufe geſchwungen; es iſt wahr, das Glück hat ihm gelächelt

wie Wenigen; aber er iſt bei weitem bedeutender als ſein Glück, und wer ſein ernſtes Ringen und Streben, ſeinen raſt⸗ loſen, eiſernen Fleiß kennt und würdigt, der wird ihm gerne das Zeugniß geben, daß er ſein Glück im vollen Maße ver⸗ dient hat, und wird mit uns den feſten Glauben hegen, daß es für dieſe ſeltene Natur keinen Stillſtand, kein bequemes Ausruhen auf den bereits errungenen Lorbeeren, ſondern nur ein raſtloſes Weiterſtreben, nur ein heißes Ringen nach den höchſten Zielen der Kunſt gibt, und daß Ernſt Poſſart wie ſelten Jemand würdig und geſchaffen dazu iſt, dieſe zu er⸗ reichen.

Das Erbe der Smirczicky's.

Hiſtoriſche Skizze von M. Ant. Niendorf.

Schluß.)

In ihren ſeelſorgeriſchen Obliegenheiten trug es ſich nun zu, daß ſie eines Tages nach ihrer Beſitzung Schlunitz fuhr, um als Patronin einen Geiſtlichen predigen zu hören, der ſich um die vacante Stelle dort gemeldet hatte. Der Theologe hatte unter dem Namen Tobias Klemm bei Herrn von Warten⸗ berg Aufwartung gemacht, und Katharina kannte ihn nicht von Anſehen. Allein ihr war es, als ſollte ſie vor Schrecken und Ueberraſchung in die Erde ſinken, als ſie beim Auftreten deſſelben auf die Kanzel ihren ehemaligen Geliebten Zacharias Werner erblickte. Mit erſchütternder Stimme pre⸗ digte er von der ſtetigen Gottesliebe und der unbeſtändigen Liebe der Welt, deren Unbeſtändigkeit der ewige Gott den

Wachenhuſen's Hausfreund. X. 12.

Schmerz und das grimmige Leid zur Strafe beſtellt; aber trotz alledem klangen ſeine Worte von der Verachtung der letzteren wie Herzbrechen und Verzweiflung. Der ergreifende Klang ſeiner Rede trieb der hohen Zuhörerin das Blut in die Schläfe, ſie fühlte, wie Jener glaubten ſie ſei ihm treulos geworden trotz der heiligſten Schwüre, die Beide vor zwölf Jahren einſt getauſcht hatten.

Namenloſes Weh bemächtigte ſich ihrer. Sie ſchickte nach ihm, als der Gottesdienſt geendet. Er kam nicht. Sie mußte ihn ſelbſt aufſuchen und fand ihn in der Ecke der Sakriſtei knieend. Aber indem ſie auf ihn zutrat, blitzte es; ein Schuß hallte durch den engen Raum und betäubte ihr Ohr, daß ſie

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