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„Wollen Sie mir als Freund auf Ehre und Gewiſſen den wahren Grund angeben, der Sie forttreibt?“
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„Mein Heiland!“ ſchauerte Margarethe zuſammen. „Ich bin bei Ihnen!“ beſänftigte der Unerſchrockene.
Der Maler deutete nach der Thür:„Ich glaube, den„Er kommt zur rechten Zeit!“ murmelte er vor ſich hin.
Schritt Ihres Bruders zu hören!“
(Fortſetzung folgt.)
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Die Urbilder der Herren Gebrüder Davenport.
Von L. Bacher.
Die überraſchenden ſogenannten mhſtiſchen Vorſtellungen der bezeichneten Escamoteurs, welche ein um ſo größeres Er⸗ ſtaunen erregen, da man ſich wegen einer Erklärung derſelben in Verlegenheit befindet, indem ſie den Befangenen zugleich durch ihre Eigenthümlichkeit an übernatürliche Kräfte zu glauben verleiten, werden an Bedeutung einbüßen, wenn wir ver⸗ rathen, daß eben dieſelben Künſtſtücke und zwar in ähnlicher Weiſe und unter ähnlichen Umſtänden von den ſogenannten Schamanen oder Tadiben bei den Samojeden ſchon lange vor den Herren Davenport und Fay ausgeübt wor⸗ den ſind.
Eine nähere Betrachtung derſelben führt zugleich zu der Erkenntniß, daß den bezeichneten Herren dieſelben als Vor⸗ bilder zu ihren Vorſtellungen gedient haben.
Die Samojeden, bekanntlich die Bewohner der unzu⸗ gänglichſten Wälder und Steppen Nord⸗Europas und Weſt⸗ Sibiriens, die ſie mit ihren Rennthierheerden durchwandern, huldigen den Geiſtern und Götzen, indem ſie deren Prieſter, welche den Namen„Schamanen“ führen, unbedingten Glauben und eine ungewöhnliche Verehrung ſchenken. Wenn der Samojede die aus Stein, Holz oder Lehm ohne alle Vor⸗ bereitung von ihm ſelbſt geformten Götzen unter gewiſſen Umſtänden leicht zu Rathe ziehen kann, da ſie ihm zur Hand ſind, ſo vermag er dieß dennoch mit den unſichtbaren und in der Luft ſchwebenden Geiſtern— den Tadeltſios— welche dem Menſchen gerne Böſes zufügen, nur durch die Vermitt⸗ lung des Tadiben oder Schamanen. Derſelbe beſitzt vermöge ſeines Seherauges und geheimer Kräfte die Fähigkeit, die böſe geſinnten Geiſter zu verſöhnen und ſogar zu ſeinen Dienſten zu zwingen.
Daher wendet er ſich in wichtigen Fällen an dieſen.
Ehe der Schamanen an die Beſchwörung der Geiſter geht, hüllt er ſich vorher in ſeinen Zaubermantel. Derſelbe beſteht in einem Hemde von gegerbtem Leder, Sambortija genannt, das mit rothem Tuch geſäumt iſt. Die Nähte deſſelben ſind in ähnlicher Weiſe eingefaßt und Epauletten von demſelben Stoff zieren die Schultern. Ueber die Augen und das ganze Geſicht hängt ein Tuchlappen herab, denn nicht mit dem körper⸗ lichen, ſondern mit dem geiſtigen Auge dringt der Schamanen in die unſichtbare Geiſterwelt.
Der Kopf iſt unbedeckt, ein ſchmaler rother Tuchſtreifen um Nacken und Scheitel ausgenommen, der den bezeichneten Tuchlappen befeſtigt. An der Bruſt prangt eine polirte Eiſen⸗ platte. Die tunguſiſchen Schamanen tragen eine Art Helm, mit einer Menge Schellen beſetzt, und viele dünne Stahlfedern, langen Meſſerklingen ähnlich, hängen von dem Gewande herab und erzeugen bei der Bewegung ein ſeltſames Geraſſel.
Bei einigen nordamerikaniſchen Indianerſtämmen ſind zahlreiche Thierſchwänze, Stachelſchweinkiele an den Mantel genäht.
Nachdem ſich der Schamanen in dieſer Weiſe geputzt hat, ergreift er die furchtbare Zaubertrommel, durch deren mächtige Töne er die Geiſter aus ihrem Schlaf zu wecken ſich bemüht. Die Form derſelben iſt rund und ihre Größe ver⸗ ſchieden, oft mehr denn einen Fuß im Durchmeſſer. Die Trommel hat nur einen Boden, der von durchſichtigem Renn⸗ thierfell gefertigt und mit Meſſingringen und ähnlichem Schmuck geziert iſt.
Bei der Beſchwörung wird der Schamanen von einem
Entweder gehen ſie im Kreiſe herum oder llaſſen ſich nieder. Der Schamanen beginnt alsdann die Trommel, an⸗ fangs leiſe und dann heftiger und ſchneller zu rühren, wobei er einige Worte in einer myſtiſchen, ſchrecklichen Melodie ſingt. Sein Gehilfe ſtimmt mit ein, indem er, wie ſein Meiſter jede Silbe weit dehnend, deſſen Worte wiederholt.
Unter dieſen Bemühungen ſind die Geiſter erwacht, haben ſich dem Tadiben genähert, und es beginnt nun die gewünſchte Unterredung. Bisweilen verſtummt der Letztere, indem er der unhörbaren Antwort der Unſichtbaren lauſcht und dabei nur leiſe die Trommel rührt. Sein Gehilfe ſingt dabei die von dem Meiſter zuletzt geſprochenen Worte.
Endlich erreicht die ſtumme Unterredung iht Ende und der Geſang verwandelt ſich nun in ein wildes, thieriſches Ge⸗ heul. Die Trommel wird auf das heftigſte geſchlagen. Das Auge des Zauberers flammt wie im Wahnſinn, Schaum tritt ihm auf die Lippen, bis nach einiger Zeit der Tumult auf⸗ hört und der Drakelſpruch erfolgt. Dergleichen Beſchwörungen werden angeſtellt, um etwa ein verlorenes Rennthier wieder zu finden, oder eine Seuche von der Heerde abzuhalten, einen glücklichen Fang zu thun und ähnliches.
Bei Krankheiten bedient ſich der Samojede lediglich des Schamanen, da er andere Mittel zur Beſeitigung derſelben nicht kennt. Die Beſchwörungen werden jedoch nur beim erſten „Glühen der Morgenröthe“ unternommen und dieſer Augen⸗ blick allein dazu benutzt, ohne jede Rückſicht auf den Zuſtand des Patienten, ſo daß, wenn das„Glühen“ nicht eintritt, der Letztere bis dahin hilflos bleiben muß.
Das Schamanenthum iſt faſt immer erblich, bedarf jedoch ſtets einer längeren Vorbereitung um ſich die zum Umgange mit den Unſichtbaren erforderlichen Fähigkeiten anzueignen.
Der Jünger ſucht daher die Einſamkeit auf, nährt ſich von Kräutern, übt ſich auf der Trommel und arbeitet ſich allmählich in jenen Zuſtand der Ueberſpannung hinein, der bei den Myſtikern und Hellſehern wahrgenommen wird.
Soweit haben wir den Tadiben als Beſchwörer und Zauberer in den wichtigen Fällen des Lebens gezeigt, jetzt wollen wir ihn auch als den unterhaltenden Taſchenſpieler vorführen, in⸗ dem wir zuglich bemerken, daß er ſich ſeiner Künſte nur zu häufig lediglich zur Vermehrung ſeines Anſehens bedient. Er producirt allerhand erſtaunliche Kunſtſtücke, unter denen das folgende eins ſeiner gewöhnlichſten iſt, und wir führen daſſelbe an, da es genau den von den Herrn Davenport
Berechtigung die Schamanen als die Vorbilder dieſer Herren bezeichnen durften.
Der Schamanen ſetzt ſich auf eine in er Mitte der Hütte ausgebreitete Rennthierhaut und läßt ſich alsdann an Händen und Füßen feſtbinden. Die Hütte wird nun verdunkelt und der Zauberer beginnt darauf ſeine dienſtbaren Geiſter herbei zu rufen. Bald beginnt ein unbegreifliches Geräuſch in der dunkeln Hütte, auf der Rennthierhaut hört man ein takt⸗ mäßiges Knarren und Trommeln, Bären brummen, Schlangen ziſchen, Eichhörnchen laufen in der Hütte umher.
Endlich hört dieſes Unweſen auf; die Zuhörer erwarten mit Ungeduld den Ausgang des Spieles; da tritt plötzlich der Schamanen, ſeiner Fefſeln ledig, in die Hütte.—
Niemand bemerkte, daß er hinausging, Niemand befreite
in der magiſchen Kunſt eingeweihten Jünger unterſtützt— Davenport und Fay.—
ihn von ſeinen Stricken; Alles haben natürlich die unſicht⸗ baren Geiſter gethan.
und Fay gezeigten gleicht, ſo daß wir wohl mit genügender
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