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dem Künſtler entgegen.
wandte ſich lautlos von ihm, erreichte ſchwankend den Divan, ihre Stirn fiel in die Kiſſen. Der Baron näherte ſich ihr ein paar Schritte und betrachtete ſie, wie ein Sterbender ſein Theuerſtes anſchaut, das er nun für immer verlaſſen muß. Ein langer, banger Seufzer.— Margaretha hob das Haupt, ſie ſchien ein Wort von ihm zu erwarten. Er bewegte die Lippen, ſein Ton klang ganz heiſer:
„Comteſſe Margarethe, was ſoll ich Ihrem Bruder ſagen?“
„Was Sie mir geſagt!“
„Ich will es, Comteſſe! Das Schickſal läßt uns meiſt
andere Beſtimmungen erfüllen, als die wir uns zugewieſen
wähnten. Es ſoll Ihnen keine Rohheit wiederfahren, davor wenigſtens werd' ich Sie ſchützen— wenn es ſein muß, mit meinem Leben!“ Die Hand aufs Herz gedrückt verneigte
er ſich. Faſt unhörbar fiel die Thür ins Schloß. Mar⸗
garethens Stirn preßte ſich wieder in die Kiſſen, ihre Kniee zitterten, die ſchlanken, wie aus Elfenbein geſchnitzten Finger glitten entkräftet durch die kniſternden Falten des ſeidenen Gewandes.
II. Aus dem dumpfen Wirbel durcheinander ſchießender Bilder,
der ihr Gehirn brauſen machte, ward ſie durch zweimaliges kurzes Pochen aufgerüttelt.
Sie mußte dieſe Art der An⸗ meldung kennen; denn förmlich elektriſirt ſtand ſie ſofort feſt
auf den ſchmalen Füßen, ſtrich haſtig die aſchblonden Locken
in den Nacken und rief mit ſicherer Stimme:„Entrez!“
„Allein, Comteſſe?“ fragte der Eintretende verwundert.
„O, wie gut, wie brav, mein Freund, daß Sie dennoch kommen!“
„Dennoch, Comteſſe?“
„Ich weiß Alles. Sie haben mein Billet nicht erhalten, Herr Weikert—“
„Hier iſt es, Comteſſe!“ Der Maler zog das Couvert hervor.„Ich nahm es Ihrem Mädchen unbemerkt ab.“
„Ich habe Mathilden noch nicht geſprochen, auch meinen Bruder nicht. Baron Hochberg war ſo großmüthig, mir das Geſchehene zu berichten, er wird mich auch ferner gegen meinen Bruder ſchützen. Doch— mein Gott!— wenn Alexander jetzt zu mir käme— ich muß das fürchten— ich beſchwöre Sie, mein Freund, entfernen Sie ſich!— o, wie unbeſonnen ſind wir Frauen!— wenn Alexander Sie fände—“
„Deßhalb bin ich hier, er ſoll mich finden!“ erklärte Weikert beſtimmt.
„Wiſſen Sie, weſſen er fähig iſt in ſeiner maßloſen Wuth?“ fieberte es von Margarethens Lippen.
„Hitzköpfige ſchlägt man durch Ruhe, Comteſſe!“
„Soll ich Sie fußfällig anflehen, ihm auszuweichen?“ Und die gefalteten Hände des ſchönen Mädchens ſtreckten ſich „Alexander iſt im Stande, die Waffe gegen Sie zu zücken!“
„Unbeſorgt, Comteſſe“, lächelte Weikert,„ich führe eine Waffe bei mir, welche ſeiner Klinge die Spitze abbrechen wird!“
Soll es vor meinen Augen zum Zweikampf kommen?“
rief ſie in höchſter Angſt.
„Wohin denken Sie, mein liebes gnädiges Fräulein!“
Die Worte klangen wie ein milder Vorwurf, der indeſſen der Hörerin eher wohl als weh that, zumal da der Künſtler ſie unmittelbar darauf durch eine Handbewegung bat, Platz zu nehmen und ſich ſelbſt, als wäre er hier zu Hauſe, leicht
auf die Lehne des Fauteuils ſtützte, den der Baron vorher
innegehabt. Margarethe, ſeinem Wunſch gehorſam, ließ ſich
nieder und ſah geſpannt zu ihm empor. Welche Waffe konnte es ſein, die er gegen ihren Bruder bereit hatte? Sie hoffte,
er werde ſie hierüber aufklären; ſtatt deſſen ging er auf etwas über, was ihr augenblicklich ſehr fern lag.„Bevor der Herr Graf ſichtbar wird, beſte Comteſſe, gönnen Sie mir
„
die Freiheit, die geſchäftliche Frage zu beantworten, die Ihre liebenswürdigen Zeilen an mich gerichtet. Sie haben ſich um einen Abnehmer für meinen Cromwell bemüht, das iſt unendlich gütig und dankenswerth; allein die Arbeit iſt mir nicht feil. Verſtehen Sie hierunter nicht, daß ich ſie übertrieben hoch tarire! Nein, ich will ſie einfach nicht verkaufen.— Unter Umſtänden“, ſetzte er etwas langſamer hinzu,„würde ich eine Copie davon nehmen und das Hriginal verſchenken.“
„Verſchenken?“ wiederholte Margarethe und fühlte, wie
das Blut in ihre Wangen bis zu den Schläfen ſtrömte; denn ſie glaubte zu errathen, wem das Geſchenk gelten ſollte.
„Wer iſt der Käufer“, fuhr Weikert fort,„den Sie mir gewonnen?“ 3
„Er will vorderhand ungenannt bleiben“, ſagte ſie un⸗ ſicher,„bis ich in ſeinem Namen mit Ihnen handelseinig geworden.“
„Soll ich Ihnen den Namen nennen, Comteſſe?“
„Sie kennen ihn?“ fragte ſie voll Erſtaunen.
„O ja, ich kenne ihn: Sie ſelbſt ſind es!“
„Gott!“ rief ſie erſchrocken und verbarg ihr flammendes Geſicht.
Der Künſtler ſchöpfte tief Athem, als wolle er Kraft zu dem Wort einſaugen, das jetzt geſprochen werden mußte. Dann begann er in abgeriſſenen Sätzen:„Schon einmal, aber auch nur einmal hab' ich ein Herz gekannt wie das Ihre.— Sie verdienen alles Glück der Welt.— Ohne Ihnen zu begegnen, hätte ich den Stoff meines Bildes nicht be⸗ meiſtert— nicht ſo bemeiſtert. Ich ſtehe im Begriffe, unſer Vaterland zu verlaſſen.— Ich gehe auf unbeſtimmte Zeit nach Italien.“
Die Comteſſe richtete ſich empor:„Was ſagen Sie?“
Er ſtrich über ſeine Stirn:„Ich nehme heute Abſchied von Ihnen, mein gnädiges Fräulein!“
„Sie ſah ihn ſtaar an:„Weshalb wollen Sie gehen?“
„Italien iſt das Land der ewigen Sehnſucht für Jeden meiner Art. Nun mein Name bekannt geworden, erwerbe ich dort wie hier mühelos die Mittel zur Beſtreitung meiner geringen Bedürfniſſe. Sie bleiben zurück, Comteſſe, und mit Ihnen ein Mann, der— ich weiß es— Sie liebt!“
„Woher wiſſen Sie?“ flüſterte Margarethe.
„Als ich im Kaffeehauſe hinter meiner Zeitung ſaß und er mit Ihrem Bruder ſprach, ging wiederholt Ihr Name über ſeine Zunge. Man erkennt an dem Ausdruck, der einen Namen begleitet, wie theuer er und das Weſen, das ihn trägt, dem Sprecher ſind.“
„Wenn mir nun aber“, fiel die Comteſſe entſchloſſen ein,„der Mann gleichgültig wäre und ewig gleichgültig bleiben wird?“
„Das hoffe ich nicht“, verſetzte Weikert ſanft,„wenigſtens würde es mich ſchmerzen um Sie Beide. Kaum, Comteſſe, werden Sie ein zweites Herz auf Erden finden, das Ihnen ſo unbedingt gehört, wie das des Barons.“
„Meinen Sie?“ fragte die junge Dame mit zuckender Lippe. Es rann ihr eiskalt durch die Glieder, nur um ihr Herz goß es ſich ſiedend heiß; ihr war, als kralle ſich eine eiſerne Fauſt in ihren Buſen und zerdrücke den Sitz des Lebens darin.
Dem ſcharfen Auge Weikert's entging nicht, was die Arme
litt. Er ſah zur Erde, weil die Qual des Mädchens ihm ſelbſt die Seele zerſchnitt.„Sie haben mich oft Ihren Freund genannt, Comteſſe“, nahm er nach einer Pauſe von neuem das Wort,„ich kann nicht beſſer beweiſen, daß ich es bin, als indem ich Ihnen rathe: werden Sie die Gattin Hoch⸗ berg's, und wenn Sie es werden, nehmen Sie als Braut⸗ geſchenk von mir ein Werk, daß Sie mehr geſchaffen, als ich!“
Magarethe erhob ſich. In der Art, wie ſie es that, prägte ſich der Vorſatz aus, raſch eine Entſcheidung herbeizu⸗
führen. Weikert zog die Hand vom Stuhl, Beide ſtanden ſich dicht gegenüber.„Sie ſind entſchloſſen zu reiſen, Herr Weikert?“
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