—————
nicht ſchuldigen tauſend Gulden gibt, glauben wir, ohne be⸗ ſonderen Widerſpruch fürchten zu müſſen, getroſt behaupten können.—
Recht zart und poetiſch— gegenüber der etwas gar zu proſaiſchen Derbheit des Vorigen, lautet dieſes Sprich⸗ wörtlein: E jet räinjeltchen.
Fainjt se fäingerchen. Ein jedes Ringelchen findet ſein Fingerchen.
Es iſt dabei recht ſinnig auf den Trauring angeſpielt, der die Hand der Braut ſchmücken ſoll. Unwillkürlich denken wir dabei an die Sage, wonach das Gold, aus welchem einſt ein Trauring geformt werden ſoll, noch tief im Schachte im Muttergeſtein verborgen, mit leuchtenden Strahlen den dunklen Raum erhellt. irdiſchen Klüften ihr Weſen treiben, wiſſen das ſehr gut zu deuten, und verſammeln ſich dann andachtsvoll vornehmlich gern an ſolchen Orten.—
Daß eitle Vorliebe für die eigenen Kinder, und nament— lich Töchter, nicht nur in den höheren, gebildeten Ständen anmaßende, wuchernde Ranken treibt, auf deren ſchwankenden Stengeln Eitelkeit und Hochmuth oft zu ſchwindelnder Höhe emporklimmen, ſondern ſelbſt im Volke oft geneigten Boden finden, beweiſen die Sprichwörter, worin ſolch Treiben oft arg
— 541„—
Die klugen Gnomen, welche in den unter⸗
gedemüthigt wird, und die mit beißendem Spotte die ſich ſelbſt
vergötternden Mütter und Töchter geißeln. Auch in den blonden Köpfchen der drallen Bauerndirnen des Siebenbürger Sachſenlandes ſpukt oft ein Hochmuthsteufelchen, und ihre Mütter wiſſen mit geläufiger Zunge die zahlreichen Vorzüge ihrer Töchter vor allen anderen Mädchen zu rühmen. Recht drollig ſagt das Sprichwort:
En jet kré
dickt är düchter wer en pö.
Es denkt jede Krähe traun,
ihre Tochter gleich' den Pfau'n.
Ob folgendes Sprichwort, welches wir ſchließlich an⸗
führen, mehrfacher Erfahrung ſeine Entſtehung verdanke, wollen
wir unentſchieden laſſen, da es für die Frauen nicht gerade ſehr ſchmeichelhaft lautet, und wir ſelbſt— galanter Weiſe — nur das Beſte von ihnen zu denken gewohnt ſind; doch als getreuer Berichterſtatter glaubten wir es immerhin im Original und in getreuer Ueberſetzung unverändert geben zu müſſen:
De fräen dinke se were schin trä
wa se éne läewen— ond nöch zwin derzä!
Die Frauen denken, ſie wären ſchon treu,
wenn ſie Einen lieben— und noch Zwei dabei!
Wilh. Hausmann.
Feuilleton.
Eine öffentliche Hinrichtung in Mexich. Ehe ich von Mexico Abſchied nahm— erzählt ein Reiſender—
war ich in der Hauptſtadt des Landes Zeuge einer Hinrichtung zweier
Verbrecher, die des Raubes und der Tempelſchändung überführt waren. Um 11 Uhr Vormittags verließen dieſelben ihr Gefängniß und wur— den von einer ſtarken Militär⸗Escorte, unter Vortritt der weltlichen Behörden und mehrerer Hundert Perſonen, welche mit brennenden Wachskerzen verſehene chineſiſche Laternen trugen, nach dem Richtplatze geführt.
Die beiden Verbrecher ritten auf Eſeln, waren in weite wollene Röcke gekleidet und mit Kappen bedeckt, auf denen man rothe Kreuze erblickte. Sie waren an die Sättel feſtgeſchnallt. Von den letztern lief eine eiſerne Stange bis ans Genick des Verurtheilten hinauf, und an dieſer war ein ſtarker eiſerner Ring angebracht, der um den Hals des Delinquenten lag.
Die beiden Verbrecher waren von mehreren Prieſtern umgeben, die unaufhörlich mit ihnen beteten. Die Proceſſion bewegte ſich langſam durch die Straßen. An den Fenſtern, auf den Balkonen und auf den platten Dächern der Häuſer drängten ſich die Neugierigen. Zur Ehre des ſchönen Geſchlechts ſei es geſagt, daß ſich nur wenige Damen an den Fenſtern blicken ließen. Die Volksmenge verhielt ſich übrigens ſehr ruhig und zeigte mehr Mitgefühl mit den armen Ver— urtheilten, als ſich erwarten ließ. Manche von den Damen, welche ich ſah, vergoſſen Thränen und murmelten Gebete für die Verbrecher.
Endlich langte der Zug unweit des. Thores an der Straße nach Vera⸗Cruz an, woſelbſt das Schaffot errichtet war. Auf demſelben befanden ſich zwei einfache Sitze, auf denen die vor Angſt zitternden Verurtheilten, nachdem man ihnen die Hände auf dem Rücken zu⸗ ſammen gebunden hatte, Platz nahmen. Nach einigen einleitenden Gebeten erſchien der Nachrichter, welcher jedem der Verurtheilten einen eiſernen Reif um den Hals legte, der durch eine kunſtvoll angebrachte Schraube ſo ſchnell verengert werden kann, daß der Verurtheilte innerhalb einer Minute erſticken muß. Nachdem alle Vorbereitungen getroffen und die Todescandidaten an ihre Sitze unbeweglich feſt ge— bunden waren, wodurch ihr Todeskampf für die Zuſchauer weniger gewaltſam erſchien, richtete der dienſtthuende Geiſtliche die Auf⸗ forderung an die Menge, für die Verurtheilten zu beten, und auch er ſelbſt bat den Himmel um Gnade für die Seelen derſelben. Dann that der Nachrichter ſeine Pflicht und Alles war vorüber.
Nachdem die Leichname der Hingerichteten von den Sitzen ge⸗ nommen waren, ſchlang man ein Seil um ihren Hals und zog ſie an dem Galgen in die Höhe, um ſie der Volksmenge zu zeigen. Nach einigen Minuten wurden die Leichname herabgenommen, in die bereit
Der Hausfreund erſcheint in Bänden von je 16 Heften à 6 großen Bogen mit ſchönen Original⸗Illuſtrationen, mit einem mit humoriſtiſchen Bildern illuſtrirten Umſchlag elegant geheftet.
Ordnung.
gehaltenen Särge gelegt und dann den Angehörigen der Todten über⸗ geben. Das Volk entfernte ſich ſchweigſam und in der größten
Pariſer Weltausſtellung.
Der kaiſerliche Palaſt. Der kaiſerliche Palaſt, am Ein⸗ gange vom Pont d'Jena gelegen, zieht eine Menge von Beſuchern herbei. Derſelbe iſt vom Architekten Lehmann erbaut und beſteht aus einem großen Saale im Stile Ludwigs XIV. und zwei kleineren Salons im algeriſchen und im Stile Ludwigs XVI. Eine Veranda, welche um das ganze Gebäude läuft, und zu welcher man auf einer Treppe von vier Marmorſtufen gelangt, umgibt das ganze Gebäude.
Die ruſſiſchen Pferdeſtälle. Wir bedauern aufrichtig, daß der Raum uns nicht geſtattet, alle die Eigenthümlichkeiten und Schön⸗ heiten aufzuführen, welche den Theil der Ausſtellung, wo die ruſſiſchen Pferde untergebracht ſind, zu einem der intereſſanteſten machen. Wir empfehlen allen Beſuchern, denſelben einer genauen Beachtung zu würdigen. O. W.
Ein armer College.
Der auch in Deutſchland bekannte Violiniſt Sinori ſtand einſt mit mehreren Herren um Mitternacht vor der Thür des Café Brebant in Paris. Ein kleiner Italiener, unter dem Arm eine Geige haltend, trat heran und pflanzte ſich vor den Herren wie ein lebendiges Frage⸗ zeichen auf. Mit ausgeſtreckter Hand und flehendem Auge nahm er die Mildthätigkeit der Nachtſchwärmer in Anſpruch, aber Niemand achtete des armen hülfloſen Knaben. Sinori bemerkt ihn, ruft ihn heran, nimmt ihm ſein Inſtrument aus der Hand und ſpielt ein Pizzicato; noch nie waren der ſchlechten, ſchmuzigen Geige ähnliche Töne entlockt. mochte ſeinen Augen und Ohren nicht trauen. Immer mehr Menſchen traten hinzu, nachzwei Minuten hatte Sinori ſchon über hundert Zuhörer.
Die Muſik ſchweigt. Sinori nimmt ſeineh Hut ab und macht die Runde in der nächtlichen Geſellſchaft, indem er mit den Worten: „Für einen armen Collegen“ Gabe ſammelt. Der Ertrag war für den kleinen braunen Burſchen ſo, wie er ihn vorher niemals erreicht hatte und wol auch ſchwerlich je wieder erreichen wird. W. O.
Kleine Boſt der Redaction.
⸗ Herrn Fr. Sch. Das Manuſcript: Eine wichtige Erſindung auf dem Gebiete der Luftſchiffahrt, eignet ſich nicht zur Aufnahme. Wir bitten bei dieſer Gelegenheit abermals, daß wir von uns unbekannten Au⸗ toren Manuſecripte und Zuſchriften nur frankirt annehmen und für Aufbewahrung und Zurückſendung unbrauchbarer Beiträge nicht ſtehen können.
Preis pro Heft 5 Sgr.
—
Verlag der Hausfreund⸗Expedition(Lemke und Comp.) in Berlin, Kronenſtraße Nr. 21. Verantwortlicher Herausgeber: Hans Wachenhuſen.
Haupt⸗Expedition und Druck bei F. A. Brockhhaus in Leipzig.
Der kleine Italiener ſtaunte das Mirakel an und


