Jahrgang 
1867
Seite
541
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Briefwechſel mit ihm ſtehe. Hierüber ſchwebten ziemlich reiz⸗ bar geführte Verhandlungen, als den jungen Grafen ebenfalls der jähe Tod erreichte.

Damit ſchwand der Gefangenen wieder die Hoffnung und ihre Lage rückte in ein neues gefährlicheres Stadium, denn ſie kannte genug ihre jüngere Schweſter und deren Gemahl Slavata, welche Beide die offenbare Abſicht an den Tage legten, in dem alleinigen Antritt der großen Erbſchaft ſie höchſtens als läſtiges Erbſtück einer närriſchen Gefangenen im Thurme mit in den Kauf zu nehmen, anſtatt ihr wenigſtens die Hälfte der Güter auszuantworten, obwol ihr als der älteren Schweſter, da die Güter Manns- und Weiberlehen waren, die ganze Erbſchaft zunächſt zukam. Gerade dieſes ihr Recht ließ ihre Befreiung ganz hoffnungslos erſcheinen,

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Beide kannten einander nicht, denn Wartenberg war erſt ſeit einigen Jahren aus Sachſen eingewandert, um das kleine Erbe ſeiner früh verſtorbenen Frau für die Kinder zu ver⸗ walten. Plötzlich ſah die Gefangene eines Tages einen fremden Mann vor ſich in ihrer Zelle ſtehen, wohin er kühn durch die Beſtechung einer Magd gelangt war. Die Geſtalt eines hübſchen, ſchöngekleideten Mannes aus der Welt, eines Mannes in ſeinen beſten Jahren, ſetzte das einſame Mädchen in namenloſen Schrecken, denn ſie hatte während ihrer langen Gefangenſchaft ihre Geſtalt und ihre Kleidung vernachläſſigen

müſſen, weil es ihr oft am nöthigſten gebrach. Ihr braunes

ſchönes Haar hing ihr ungeordnet um die Schläfe, ihren gelb⸗ lichen ſlaviſchen Teint hatte die ewige Zellenluft zwar ge⸗ bleicht, allein Sorge und Kummer hatten ihm jede Farbe

Pariſer Welt⸗Ansſtellung. Rnuſſiſche

denn mit derſelben würden ihr die Mittel gekommen ſein, ihre unzweifelhaften Anſprüche auf die Lehensfolge zu verfechten.

Nun lebte in der Nähe von Schwarz⸗Koſteletz ein armer unverheiratheter Adeliger, ein Herr von Wartenberg, der, klug und intriguant genug, die hülfloſe und doch ausſichtsreiche

Leben verleiht.

Lage der Erbtochter des erſten Hauſes in Böhmen zu be⸗

greifen, wenn auch nicht auf die Perſon der Gefangenen,

deren guter Ruf als zweifelhaft verſchrieen, doch auf ihre be⸗

deutungsvollen Erbesanſprüche ſein Augenmerk richtete. Er ließ zunächſt zu dem geängſtigten Mädchen heimlich unzweifel hafte Berichte gelangen, daß ihr geliebter Theologe in Kurheſſen eine Pfarrſtelle angenommen und ſich dort verheirathet habe. Das Mädchen gerieth in Verzweiflung und die Ohn⸗ macht ihrer Lage im Gefängniß in Verbindung mit all den widrigen Wendungen, denen ihr Schickſal wiederholt erlag, dazu vor ſich die troſtloſe Ausſicht, in die Gewalt ihres Schwagers zu kommen, der ſchon die Güter bereiſte und ſich öffentlich als den alleinigen Erben der Smirczickyſchen Be⸗ ſitzungen gerirte, alles das waren Umſtände, die den Plänen Wartenberg's in mehr als einer Richtung zu Hülfe kamen.

verſchworen haben!

Pferdeſtälle.

geraubt, die auch dem weniger hellen Teint das anmuthige Ihr ſchwarzes, feuriges, wildſcheues Auge wandte ſich von dem Fremden, indem ihre gereizte Stimmung in die ſchreienden Worte ausbrach:

Sieh mich nicht an, wer du auch ſeieſt! Wende dein Geſicht von einer Hülfloſen, gegen die ſich Himmel und Erde

Und mit dieſem Ausruf ſprang ſie behend wie eine Wilde hinter die Gardine ihres Himmelbettes. Hochedles Fräulein! erwiderte der Ritter,erſchreckt nicht und fürchtet Euch nicht. Ich kam her, um Euch zu ſehen und zu ſprechen Sprecht was Ihr wollt, aber anſehen dürft Ihr mich nicht, denn der Jammer hat mich elend gemacht. Ich bin der Ritter, der ſich Eure Erlöſung zur Auf⸗ gabe geſtellt hat. Ha, ſeid Ihr jener Junker, der mich von meiner Liche abſpenſtig machen will? Geht! geht! Ihr habt das ſchlimmſte Herzeleid in meinem Buſen aufgerührt! Verlaßt Eure Nachrichten ſind böslich, der Himmel vergebe ſie Eu