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Hertlichkeit jeder krankhaften Reizung irgend eines Schleim⸗ hautbezirkes dieſen Namen beizulegen. Von dieſem Geſichts⸗ punkte betrachtet, beruht die Eigenthümlichkeit des katarrhaliſchen Krankheitsvorganges in der Beſchaffenheit ſeiner anatomiſchen Grundlage, der Schleimhaut, d. h. desjenigen Gebildes, welches das Innere aller ſchließlich mit der Außenwelt in Verbindung tretenden Körperhöhlen überzieht und ſich im Gegenſatz zu der Bekleidung der äußeren Körperoberfläche— der„Haut“ ſchlechtweg— auszeichnet durch ein zarteres, ſehr blut⸗
reiches, deshalb lebhaft rothes Ausſehen, ſowie durch die Abſonderung einer waſſerhellen, fadenziehenden Füſſigkeit, des Schleimes, als deſſen Quellen das Mikroſkop eine Unzahl von ſo viele Einſtülpungen der
Drüſen, entſtanden durch eben
Durch Betrachtung der Innenſeite des welches man zu dem Ende ein wenig Vorſtellung von einer ſolchen Schleim⸗
Oberfläche, nachweiſt. unteren Augenlides, lüftet, mag man ſich eine haut verſchaffen.
Die gewöhnlichſten katarrhaliſchen Erkrankungen betreffen, Schleimhaut der
entſprechend jener populären Anſchauung, die Luftwege, d. h. jenes Bezirkes, welcher von der Oeffnung des Mundes und der Naſe aus ſich durch den Kehlkopf, die Luftröhre und ihre Aeſte(Bronchien) bis in die Bläschen des Lungengewebes erſtreckt, und welchem ein derartiger Zuſammen⸗ hang eigen iſt, daß bei Erkrankung eines Abſchnittes die übrigen mehr oder weniger mitleiden. Während nun die Wiſſenſchaft zwiſchen Naſen, Schlund⸗, Kehlkopf⸗, Bronchial⸗ und Lungenkatarrh unterſcheidet, iſt es für das praktiſche Bedürfniß ausreichend, ganz allgemein von einem Katarrh zu reden, allenfalls wohl denjenigen der Naſe als Schnupfen
und denjenigen des Kehlkopfes als Heiſerkeit(engl. Sore throat) beſonders zu nennen. Die Symptome des Katarrhs erklären ſich ebenfalls aus
Wachenhuſen's Hausfreund. 12.
Eine öffentliche Hinrichtung in Merich.
dem anatomiſchen Vorgange, welcher in Schwellung, geſteigerter Blutzufuhr(Congeſtion) und vermehrter Abſonderung beruht. Durch dieſen Vorgang wird unter anderm die Spannung und die Schwingungsfähigkeit der auch von der Schleimhaut über⸗ kleideten Stimmbänder, welche gleich muſikaliſchen Saiten den Ton der Stimme vermitteln, beeinträchtigt, und deshalb iſt bei jedem Katarrh die Stimme„belegt“ auch der Ton des Huſtens in verſchiedener Weiſe verändert. Ferner iſt die katarrhaliſch erkrankte Schleimhaut wund, wehthätig, und über⸗ dies übt die krankhafte Abſonderung einen mechaniſchen Reiz auf die Nerven derſelben, auf welchen Reiz das ganze Athmungsorgan mittels Nieſen, Huſtens und Räusperns ant⸗
wortet. So entſteht der Auswurf, welcher bei friſchem
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(acutem) Katarrh dünn, flüſſig, mit Luft vermiſcht, daher ſchaumig iſt, und zu ſeiner Entleerung häufigere, wenn auch nicht erhebliche Huſtenanſtrengungen erfordert. Zieht ſich aber der Katarrh in die Länge, wird er chroniſch, ſo nimmt auch der Auswurf eine zähe, luftleere, gelbe, ja eiterähnliche Beſchaffenheit an und es bedarf größerer Anſtrengungen, in Folge deren ſich Stiche auf der Bruſt einſtellen, namentlich in den unteren Partien, wo das hier ganz beſonders in Anſpruch genommene Zwerchfell ſich anheftet. Durch die Huſtenſtöße erleidet auch wohl der Blutlauf zwiſchen Kopf und Bruſt eine ſolche Hemmung, daß vorübergehende Kopſ⸗ congeſtion und damit heftiger Kopfſchmerz eintritt. Ein ſolcher chroniſcher Katarrh iſt eine der häufigſten Erkrankungen des
reiferen Alters und kann ſo habituell werden, daß er das Allge⸗
meinbefinden kaum ſtört, wenn er nicht etwa mit Eintritt der rauhen Jahreszeit Verſchlimmerungen erfährt; ſonſt macht er ſich nur durch den ſogenannten Morgenhuſten auffällig, indem während des Schlafes der Auswurf ſich angehäuft hat und Entleerung treibt,
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im Augenblicke des Aufſtehens derartig zur


