Wie eine Sonne ſtrahlt die Expoſition, wenn wir den inneren Garten erreicht haben, die verſchiedenen Länder vor uns aus. Zur äußerſten Linken die Niederlande und Belgien, denen Frankreich noch ein Stückchen von ſeiner Hälfte abge⸗ geben, ſie gleichſam unter ſeinen Schutz nehmend und ihnen andeutend, an wen ſie ſich im Nothfall anzulehnen haben. Dann Preußen und Norddeutſchland, Süddeutſchland, Oeſter⸗ reich, die Schweiz, Spanien, Portugal, Griechenland, Däne⸗ mark, Schweden und Norwegen, Rußland, Italien, der Kirchen⸗ ſtaat, die Donau⸗Fürſtenthümer, die Türkei, Aegypten, China, Siam und Japan, Perſien, Afrika und Oceanien, die Ver⸗ einigten Staaten Amerikas, Mexico, Braſilien, die ſüdameri⸗ kaniſchen Republiken, Großbritanien und Frland, welche letztere beide ein Drittel der ganzen fremdländiſchen Hälfte ein⸗ nehmen.
Dieſes Innere des Palaſtes wird nun durch ein eiſernes Band umfaßt, durch die genannte große Maſchinen⸗Galerie, unſtreitig das Intereſſanteſte der ganzen Ausſtellung, ein tauſendräderiges, millionenarmiges, ſchnaubendes, klapperndes und ſchreiendes Ungeheuer, das die geſammte europäiſche und transatlantiſche Fabrik⸗Thätigkeit repräſentirt und von der feinſten Nähnadel bis zur rieſigſten Dampfmaſchine Alles in ſich ſchließt, was der Gewerbsfleiß des Jahrhunderts ſo un⸗ ermüdlich ſchafft.
Betäubend iſt der Weg durch dieſe Galerie, aber er iſt gleichſam der Schlüſſel zu all den Wundern, welche das Innere des Palaſtes in ſich trägt, denn was da drinnen an Pracht und Reichthum die Induſtrie zur Schau aufgeſtellt hat, hier zeigt man uns, wie das Alles geſchaffen wird, wie das Alles entſteht, vom gröbſten Rohprodnct bis zur blendend⸗ ſten Politur, vom Seidenwurm bis zur Atlas⸗Robe, vom Flachs zum Hemd, vom tiefſten, dunkelſten Schacht des Goldberg⸗ werks bis zum Diamantenſchmuck der Kaiſerin.
Hier in dieſer Galerie arbeitet der Webeſtuhl und zitternd fliegen die Schiffchen hin und her; in dieſer Galerie dröhnt der Hammer auf den Amboß, raſſelt das Schwungrad, ſchneidet die Säge, ziſcht das Ventil ſeinen heißen Athem, jagt das Waſſer die Räder über einander; hier arbeitet die fleißige Hand der Blumenfabrikantin, der Klöpplerin, der Nähterin, hier arbeiten Menſchenhand, Waſſer und Dampf mit den heiligen Narben am Finger und dem Hunger auf dem bleichen Antlitz, mit dem dröhnenden Waſſerfall und den ſchwarzen, eiſernen Gliedern des Gußſtahls. Hier iſt das ganze Reich der Fabrik⸗Thätigkeit mit ſeiner ganzen unglaublichen Ge⸗ ſchwindigkeit, der zuzuſchauen das erſtaunte Auge nicht müde wird, wenn es erleben muß, daß ſo zu ſagen ein Haſenfell hinten in die Maſchine hinein geſchoben wird und vorn ein fertiger Filzhut wieder heraus kommt.
Es kann nicht Sache dieſer kurzen Skizzen ſein, die ich dem Leſer hier vorlege, ſich des Längeren über die Expoſition auszuſprechen; mir iſt hier vorläufig nur ein allgemeiner Ueberblick geſtattet und in wie fern ſie ihre Aufgabe erfüllt, in wie fern überhaupt dergleichen Ausſtellungen gerechtfertigt ſind, wenn ſie nicht eben nur als eine gewinnreiche Speculation der betreffenden Stadt angeſehen werden ſollen; darüber mich auszuſprechen, behalte ich mir vor.
Ich verweiſe den Leſer noch auf die Abtheilung der ſchönen Künſte, auf die Bilder⸗Galerie, und führe ihn dann hinaus in den Park.
Treten wir in*der Mitte der den fremden Nationen ein⸗ geräumten Palaſt⸗Hälfte hinaus und zwar, um den Faden zu behalten, aus der Rue de Ruſſie, welche mit der vorhin be⸗ tretenen Rue de France den ganzen Palaſt gerade durch⸗ ſchneidet.
Hier haben wir uns wieder durch die Mauer des Schla⸗ raffenlandes hinaus zu ſpeiſen und zu trinken, die bekannt⸗ lich von lauter Würſten erbaut war.
Wer beim Betreten des Palaſtes an der Porte⸗Rapp keine Neigung verſpürte, irgend eine Erfriſchung zu nehmen, der verſagt ſich eine ſolche gewiß nicht, wenn er dieſe Welt⸗ reiſe durch alle Länder der Erde gemacht und ſich ermattet nach einem Ruheplätzchen ſehnt.
Wo Du auch hinaus treten magſt auf das Promenoi es wird dir unmöglich ſein, nicht von einem Wirthhaus in die Arme geſchloſſen zu werden, denn eins reicht dem Andern die Hand; die Nationen haben hier gleichſam einen Gürtel von Wirthshäuſern um den Erdball geſchlungen und jeder ihrer Angehörigen ſucht ſein Heimatland auf, wo er am häus⸗ lichen Heerde zu ſein träumt und ſeine heimiſche Sprache reden hört.
Die Wirthshäuſer gehören noch zum Palaſt ſelbſt. Bleiben wir alſo in dieſer durſtigen Galerie und machen wir eine Rundreiſe um den Erdball.
Uns zur Linken(von der Rue de Ruſſie) liegt Deutſch⸗ land. Wo gäb' es ein Land voll größeren Durſtes als das unſerige! Die deutſche Seite iſt ſchon als die Seite des Durſtes anerkannt und wird deshalb von den Dürſtendeu am liebſten aufgeſucht.
Hier haben Baiern und Heſterreich ihre Bierhäuſer etablirt. Zu jeder Tageszeit ſind dieſe belagert, und wenn der Sommer heiß wird, kann hier wohl ein kleiner Ocean von bairiſchem und Wiener Bier aufgeſogen werden. Auch im Parke ſelbſt wird die Dreher'ſche Brauerei in Klein⸗ Schwechat bei Wien ihre Bierquellen noch eröffnen, und ſo iſt die Ausſicht, daß Deutſchland ſeinen Ruf hinſichts der Bierbrauerei ſiegreich behaupten wird, zumal auch das ver⸗ einigte übrige Klein⸗Deutſchland und Preußen eben erſt ihre Reſtaurants eröffnen, um die Galerie vollſtändig zu machen.
In der öſterreichiſchen Abtheilung hat ſogar Ungarn ſeinen Tokaier und ſeinen Slibowitz ausgeſtellt, in der preußiſchen iſt der Rheingau mit Rüdesheimer, Liebfrauenmilch u. ſ. w. vertreten, und es ſoll mich nicht wundern, wenn Berlin auch ſein Weißbier noch ſenden wird.
Neben dem durſtigen Deutſchland liegen die Reſtaurants der Schweizer, der Spanier, der Griechen, Dänen, Schweden und der Ruſſen. 1
Namentlich iſt der letztere ſo theatraliſch herausgeputzt, daß der Pariſer anfangs den Verdacht hegte, man habe die in blauen, gelben und rothen Seidenblouſen bedienenden Mudſchils, die hinter dem Samovar den Thee ſchenkende blonde Ruſſin mit dem goldenen Barett und dem appetitlichen weißen Hemd über der vollen Bruſt ſich aus dem Theätre Porte St.⸗Martin geholt.
Indeß, ſie ſind echt wie Alles, was Rußland hergeſandt. Das Service iſt untadelhaft national, ſogar die Preiſe ſind es.
Folgen jetzt die Amerikaner mit einem großen„Restaurant des républiques américaines“, dann kommen verſchiedene engliſche Buffets, die augenblicklich noch nicht ausgepackt haben, und endlich das große„English and Australian Refreshment.“
Hier, lieber Leſer, ſtehſt Du vor einem langen, bei dem Gewühl der Gäſte unabſehbaren Buffet, das ſo engliſch wie je eines ſeinen Porter und Ale geſchenkt hat. Es iſt mit Blumen und Spiegeln reichlich geſchmückt, Flaſchen und Delicateſſen bilden eine impoſante Front, hinter dem Buffet aber ſtehen ein halbes Dutzend ſtumpfnäſiger Miſſes, welche die Gäſte bedienen.
Sie ſind blond, roth, braun, ſchwarz, kurz von allen Farben. Old⸗England iſt immer praktiſch. Sie tragen ſchwarze Seiden⸗Roben, Blumen im Haar, Toupets auf dem Kopf, die ganz unberechenbar ſind, lange wilde und phantaſtiſche Zöpfe auf dem Rücken, goldene Ketten und lebende Blumen auf der Bruſt, und verſäumen niemals, jede Pauſe zu benutzen, um rückwärts in die Spiegel des Büffet zu blicken und ſich zu überzeugen, ob die Coiffüre noch eben ſo verführeriſch, wie ſie der Friſeur am Morgen zurecht gebaut.
Ihre blonden und braunen Augen wechſeln zärtliche Blicke mit ihren Landsleuten, die ſtets in ganzen Reihen das Büffet belagern; ihre Blicke wetteifern mit den Korinthen⸗ Augen, die uns aus den vor ihnen liegenden Plumpuddings anlächeln, und nimmſt Du an einem der Tiſche Platz, lieber Leſer, ſo bietet Dir John Bull, die Elnbogen auf das Buffet
ſtützend, ſeine reſpectable Rückſeite, an der du ſtudiren kannſt,


