Jahrgang 
1867
Seite
512
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waren nicht im Stande, die faulenden Maſſen völlig zu verzehren; ein alter Aligator lag unter den Fiſchen auf dem trockenen Schlamm und ſtarb vor Durſt.

Bei ſolcher Noth iſt es für die Bakuene(die Eingeborenen)

gleichſam ein Geſchenk des Himmels, daß ſich Vüffel, Nashörner, Zebras, Giraffen, Gnu's und eine Menge von Antilopen an den Waſſerlöchern verſammeln, an welchen ſie den brennenden Durſt zu ſtillen vermögen. Dann bauen die Menſchen eine beſondere Art von Fallen, um der Thiere habhaft zu werden. Sie veranſtalten Hopo⸗ jagden. Ein Hopo beſteht aus zwei Zäunen, welche die Geſtalt einer römiſchen V bilden. Sie ſind an den Winkeln ſehr ſtark und dick, laufen aber an der Spitze nicht etwa ſo zuſammen, daß ſie ſchließen, ſondern ſie bilden einen ſchmalen, etwa 50 Schritt langen Gang, an deſſen Ende ſich eine, 5 bis 6 Ellen tiefe und 8 Ellen breite Grube befindet. Vom Gange ſelbſt her kann die Falle aber nicht bemerkt werden, weil Baumſtämme über dieſelbe weit hingelegt werden und eine Art von Ueberhang bilden. Das Ganze wird mit Binſen und Rohr überdeckt und ſo gleicht dieſe Fanggrube einer verborgenen Falle. Manchmal ſind dieſe Zäune eine halbe Wegſtunde lang und liegen an ihren äußeren Enden eben ſo weit auseinander. Vor dieſen letzteren bilden dann die Jäger einen Kreis von ein paar Wegſtun⸗ den Ausdehnung; ſie ſchließen denſelben allmählich immer enger, ſo daß das Wild gleichſam in einen Keſſel getrieben wird und in den Hopo läuft, weil ihm kein anderer Ausweg bleibt. Während es dorthin von außen her verfolgt wird, liegen Männer hinter dem ſpitz zulaufenden Ende des Zaunes. Dieſe ſchleudern ihre Speere in die Maſſen der eingeſchüchterten Thiere hinein, welche einander immer weiter vorwärts drängen und endlich in die Grube fallen. Es iſt ein entſetzlicher Anblick, zu ſehen, wie dort Alles übereinander ſtürzt, und wie namentlich die hübſchen Antilopen getödtet werden. Ver⸗ mittels ſolcher Hopojagden haben die Bakuene nicht ſelten im Laufe einer einzigen Woche mehr als 60 Stack Hochwild erlegt. Die Beute wird redlich vertheilt, und man bedenkt dabei ebenſo wol die Armen wie die Reichen.

Die franzöſiſche Armee.

Es wird unſeren Leſern im Augenblicke nicht ohne Intereſſe ſein, eine Ueberſicht der franzöſiſchen Armee, ihrer Organiſation und der Verwaltung zu erhalten.

Der oberſte Chef iſt der Kriegsminiſter Marſchall Adolph Niel. Geboren im Jahre 1802 zu Muret(Haute⸗Garonne), trat er 1821 in die polhtechniſche Schule, wurde 1827 Lieutenant und avancirte bis zum Jahre 1859 zum Marſchall von Frankreich.

Der militäriſche Haushalt des Kaiſers beſteht aus einem Mar⸗ ſchall, elf Diviſions-Generälen, ſechs Brigade⸗Generälen, drei Ba⸗ taillons⸗ oder Escadron⸗Commandeuren, zehn Kapitänen.

Die Zahl der Marſchälle von Frankreich beläuft ſich im Frieden auf höchſtens ſechs, im Kriege zwölf. Augenblicklich leben folgende Mar⸗ ſchälle: Vaillant, Graf Baraguah dHilliers, Graf Randon, Canrobert, Regnaud de Saint⸗Jean d'Angély, Herzog von Magenta(Mac⸗Mahon), Niel, Forey, Bazaine(Commandant der mexicaniſchen Expedition).

Die franzöſiſche Armee zählt 92 active und 67 disponible Divi⸗ ſions⸗Generäle, und 161 active Brigade⸗Generäle. Der Generalſtab beſteht aus 35 Obriſten, 35 Obriſt⸗Lieutenants, 110 Escadron⸗Chefs, 300 Kapitäns und 400 Lieutenants.

Die kaiſerliche Garde wird von 1 Bataillon Jäger zu Fuß, 4 Regimentern Voltigeurs, 3 Grenadier-Regimentern, 1 Regiment Zouaven, 1 Regiment Gensdarmen zu Pferde, 1 Regiment Chaſſeurs zu Pferde, Dragoner, Lanciers, Carabiniers, Küraſſiere, Fußartillerie und berittener Artillerie gebildet.

Linien-Infanterie: 100 Regimenter gewöhnlicher Linientruppen, 20 Bataillone Jäger, 3 Regimenter Zouaven, 1 Regiment Sapeurs, 3 Bataillone leichte afrikaniſche Infanterie, 5 Compagnien Schützen, 2 Compagnien Pionniere, 1 Fremden⸗Regiment, 3 Regimenter algeriſche Tirailleurs, 1 Compagnie Veteranen-Unteroffiziere.

Cavalerie: 10 Regimenter Reſerve⸗Cavalerie(Küraſſiere), 20 Regimenter ſchwere Reiterei, nämlich 12 Regimenter Dragoner, 8 Regimenter Lanciers; 23 Regimenter leichte Reiterei: 12 Regimeter Chaſſeurs, 8 Regimenter Huſaren, 3 Regimenter Chaſſeurs d'Afrique; endlich 3 Regimenter Spahis.

Die Artillerie beſteht aus 20 Regimentern. W. O.

** Wie man ſeine Schulden bezahlt.

Der ſpaniſche General Prim, von deſſen verunglücktem Inſurrections⸗ Verſuch die Zeitungen kürzlich erzählten, kam einmal als junger Offizier nach Paris. Er hatte in Madrid 40,000 Franes verloren, die er nicht beſaß, hatte dort acht Tage Friſt zur Bezahlung dieſer

Schuld erbeten und reiſte nach Paris in der Hoffnung, hier ſeine

alten Freunde anzupumpen. Seine Hoffnung ward getäuſcht. Seine Freunde waren nicht

zu ſehen.

die Taſche und ſchlenderte mit großer Gewiſſensruhe ins Bois de

Er kaufte ſich alſo ein Piſtol, lud daſſelbe, ſteckte es in

Boulogne, eine der vorzüglichen Cigarren rauchend, die er liebt.

Hier begegnet ihm ein Italiener ſeiner Bekanntſchaft. Wohin gehen Sie? fragt der Italiener. Ich will mir eine Kugel vor den Kopf ſchießen, Prim mit Seelenruhe. Und warum denn? Um meine Schulden zu bezahlen! Können Sie nicht noch ein Bischen warten? Einen Tag höchſtens.

antwortet

Am andern Morgen erhält Prim 40,000 Francs. Der Italiener

hatte ſie an der Börſe gewonnen. bezahlt ſeine Spielſchuld.

Einige Jahre vergehen. Prim macht eine reiche Heirath, ſteigt von Grad zu Grad und erinnert ſich ſeines Italieners. Er kommt wieder nach Paris, um ihm das Geld zurückzugeben, und hört, daß ſein Freund in Clichh, im Schuldgefängniß, ſei. Prim fährt einige Tage darauf zu ihm nach Clichh und ladet ihn, trotz ſeiner Schuld⸗ haft, für den nächſten Morgen zum Frühſtück ein.

Wirklich erſcheint der Italiener und findet die 40,000 Franes unter ſeiner Serviette.

Was iſt das? fragt der Freund.

Das Geld, das ich Ihnen ſchuldig bin!

Aber Sie haben, wie ich geſtern Abend hörte, ſchon das Dreifache bezahlt. Francs gegeben!

Ich zahlte ſie ihm nicht, um mich meiner Schuld zu entledigen, antwortete Prim,ſondern um das Vergnügen zu haben, mit Ihnen frühſtücken zu können. Speiſen wir!

** Graf Goltz und Luxemburg.

Prim reiſt nach Madrid zurück und

In einer Pariſer Geſellſchaft glaubte eine Dame den preußiſchen

Geſandten ausfragen zu können und ſagte deßhalb zu ihm;: Was denken Sie von Luxemburg, Herr Graf? O, es iſt ein ſehr intereſſantes Gebäude, in welchem ich ſtets den liebenswürdigſten Empfang gefunden habe, antwortete der Ge⸗ ſandte. 6 Er meinte den Palaſt Luxemburg in Paris.

Die nachſtehende Anekdote, für deren Wahrheit wir allerdings keine Bürgſchaft übernehmen mögen, wird von den franzöſiſchen Journalen als Beweis für das wunderbare Gedächtniß des Kaiſers erzählt. 5

Während ſeines Aufenthaltes in Amerika hatte Napoleon die Bekanntſchaft eines Mannes mit Namen James Buttler gemacht. Lange Zeit war darüber vergangen, als vor wenigen Monaten James Buttler nach Europa kam, um hier das Glück zu ſuchen, das er in Amerika nicht finden konnte.

Ohne alle Verbindungen und Mittel, kam der intelligente Ameri⸗ kaner auf die Idee, die Gaſtfreundſchaft ſeines kaiſerlichen Bekannten in Anſpruch zu nehmen. Er ging nach Paris, und ſchickte ein Fäß⸗ chenAppel⸗ſack(ein farbiger Liqueur, eine Specialität des Staates New⸗Jerſey in den nordamerikaniſchen Freiſtaaten) nach den Tuilerien mit einer Karte, auf welcher ſich nur die Worte befanden; Dem Kaiſer Napoleon von James Buttler. Vierundzwanzig Stunden

ſpäter erhielt der Letztere ſchon ein vom Kaiſer geſchriebenes Billet,

welches ihn zu demſelben Abend in die Tuilerien einlud.

Der Kaiſer erwartete ſeinen Gaſt in einem Speiſeſaal. Er empfing ihn aufs freundlichſte, ohne alle Ceremonie, und erkundigte ſich während des Mahles nach allen Bekannten jenſeits des Oceans, erwähnte alle ihre Eigenthümlichkeiten, alle Namen und tauſend geringfügige Dinge waren ihm ſo gegenwärtig, daß James Buttler wahrhaft erſtaunt über das Gedächtniß des Kaiſers den Palaſt ver⸗ ließ. Ob die hohe Bekanntſchaft dem ſpeculativen Amerikaner die

gehofften Vortheile erſchafft hat, darüber ſchweigen leider die S

Kleine VBoſt der Bedaction.

A. J. P. Die Gedichte ſind ſehr zart gedacht und gut gebaut, wir müſſen aber leider die Aufnahme verweigern, wir bringen grundſätzlich keine Gedichte.

Herrn G. S. Deutschprod. Senden Sie uns die Novelle zur Anſicht, aber wenn es möglich iſt, keine Gedichte wieder.

Der Hausfreund erſcheint in Bänden von je 16 Heften à 6 großen Bogen mit ſchönen Original⸗Illuſtrationen, mit einem

mit humoriſtiſchen Bildern illuſtrirten Umſchlag elegant geheftet.

Preis pro Heft 5 Sgr.

Verlag der Hausfreund-Expedition(Lemke und Comp.) in Berlin, Kronenſtraße Nr. 21. Verantwortlicher Herausgeber; Hans Wachenhuſen.

Haupt⸗Erpedition und Druck bei F. A. Vrockhaus in Leipzig.

Sie haben dem Gläubiger, der mich in Clichh hielt, 90,000

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