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den Binden, Einer hinkt, aus der Fußwunde blutend, und mit leuchtenden Blicken hält ein kräftiger Burſche die dreffarbige Fahne, mit„Italia liberata“ beſchrieben, in der verbundenen Hand. Die Mönche bitten: ſchnell einzutreten. Die Ruhe des Kloſters iſt geſtört, aber die Geſichter der Soldaten zeugen von der harten Arbeit, die ſie heute vollendet. Jetzt hört die Strenge auf, die Mönche begreifen, daß hier Hand angelegt werden muß, der Abt hebt den Bann auf, welcher die Brüder des Ordens belaſtet, die Eiſengitter öffnen ſich und in wenig Minuten lagern die Ermatteten in der Kirche des Kloſters. Es ſind Leute, die vielfach mit Prieſtern und Mönchen verkehrt haben, aber ſie ſind heute ſo ungebunden, ihre ſchwere Tagesarbeit hat ihnen Alles gleichgültig gemacht. In den Taufſtein werfen ſie die Torniſter, am Fuße deſſelben ruht die Trommel, gerade ſo, als wenn der Seraphskopf durch ſie geſtützt würde, Casquets und Gewehre lehnen an dem heiligen Gefäß, und gegen die Säule, an welcher die Gläubigen ihr ſtummes Gebet verrichten, die ſie küſſen, denn ein Stück Geſtein aus dem heiligen Grabe iſt eingemauert, hat der Fahnenträger ſein Zeichen geſtellt, die Dreifarbige bedeckt die heilige Stelle.„Italia liberata“ ſo heißt jetzt das Gebet, und die Waffen ſind nicht mehr Worte, ſondern es ſind die Büchſen und Seitengewehre, die an den Pfeilern des Kirch⸗ leins hängen, wo ſonſt ein Bildchen oder eine Stiftung: ein aus Wachs geformtes Herz, ein ſilbernes Bein, prangte. Die hungrigen und ermatteten Soldaten haben ſich ſchnell häus⸗ lich niedergelaſſen, und weil gerade die Zeit des Abendtiſches iſt, hat man aus der Kloſterküche den ungebetenen Gäſten eine warme Koſt verabreicht. Auf der nackten Flieſe ſitzt es ſich nicht ſo gut als auf dem Torniſter, und nun noch den letzten Reſt aus der Feldflaſche, die Erbſenſuppe des Kloſterkoches dazu, dann eine kurze Betrachtung und das Mahl beginnt. Wie glücklich ſind die in der Kirche Verſammelten, ohne Beſchädigung aus dem mörderiſchen Feuer gekommen, mit feſter Hoffnung auf die Befreiung Italiens und im Gefühl ihre Schuldigkeit gethan zu haben! Sie haben ſchrecklich auf⸗ geräumt unten den Feinden, dieſe Berſaglieri mit den ſelten fehlenden Schüſſen, und ſie können mit Recht ſtolz um ſich blicken, ſelbſt nach dem verlorenen Tage von Cuſtozza, und was das Beſte iſt: ſie ſind gewichen vor einem ſtarken und braven Feinde, die Oeſterreicher haben ſich geſchlagen wie es
ſolchen Truppen geziemt, die ihre Namen auf allen Schlacht⸗ feldern Italiens mit Ruhm bedeckten. auch bei den Mönchen das Irdiſche die Oberhand. Sie ſchleichen herbei und hören die Erzählungen vom heißen Tage der Schlacht bei Cuſtozza mit an. Einen prüfenden Blick wirft der Frater Angelo auf den ſtarken Soldaten, der ſeine Schmerzen verbeißt, indem er an der tabackleeren Pfeife ſaugt. Ein Wink des Fraters und der Soldat erhebt ſich, der Mönch ſtreift ihm den Aermel auf, entfernt die flüchtige Bandage und erblickt nun die klaffende Wunde. Er ruft den nächſten Bruder heran, die Schränke in der Kloſterapotheke werden geöffnet, man beginnt das Liebeswerk, indem die Verwundeten gepflegt und verbunden werden. Aus der Tiefe des Kellers ſchleppt der Guardian die Krüge mit Wein gefüllt herbei, die Leinenkammer liefert Binden, mit denen ſich der am Fuß Verwundete den blutenden Knöchel umhüllt. Als dies Alles geſchehen iſt, kommt der Pater zurück und nimmt ſchweigend neben Angelo und den Soldaten Platz. Die vollen Flaſchen kreiſen, die Unterhaltung wird immer lebendiger, endlich nicken die müden Krieger im Halbſchlafe. Nur einmal werden ſie noch geweckt durch die Runde, welche das Quartier inſpieirt, um zu ſehen, ob Alles am Poſten iſt, denn der Feind kann vielleicht der zurückgezogenen Armee folgen. Die Nacht hüllt Goito in ihren Schleier, nur das Lärmen der durchziehenden Truppen dauert unausgeſetzt fort. Die Schläfer in Uniform erwachen, als eine Glocke hell durch die Stille des Kloſters ſchallt.„Laßt Euch nicht irren, meine Kinder“, ſagt der Pater.„Die Hora beginnt.“ Gleich darauf ſchreiten die Mönche paarweiſe in die Kirche, die Orgel ſummt halblaut, die Geſänge tönen dumpf und einförmig. Einige der Sol⸗ daten ſind näher getreten und ſingen mit, es iſt vielleicht das letzte Mal in dieſem Leben, daß ſie eine Kirche betreten, und eine Anwandlung von Frömmigkeit zieht durch ihre Seele. Die ſchnarchenden Kameraden drehen ſich unwillig auf ihrem Strohlager herum; ſie ſchlafen weiter, der Orgelklang weckt ſie nicht mehr— erſt am Morgen verſcheucht den Schlummer das helle Schmettern der Reveille, welches von draußen her in den Hallen der Kirche das Echo weckt. Einige Minuten ſpäter iſt Alles auf dem Sammelplatze, der Marſch geht auf Torre⸗Malimberti, wo Victor Emanuel ſein Hauptquartier genommen hat.
—— Das Meerweib.
Erzählung von Hans Wachenhuſen. Schluß.)
Erwartungsvoll, nicht ohne ſichtbare Beklommenheit, blickte das ſeltſame Weſen ihn an; ihrem Auge fehlte jede Sicher⸗ heit, ſie zeigte das Benehmen eines auf der Unwahrheit er⸗ tappten Kindes, und dies machte Leopold deſto muthiger.
„Vor etwa acht Tagen“, begann er, während er den
Blick nicht von dem Antlitz des Mädchens ließ, das in ſeiner Verlegenheit nur noch ſchöner erſchien,„vor etwa acht Tagen ließ ich mich halb wachend, halb träumend auf dem See her⸗ umtreiben. Ein leiſer Nachtwind hatte meinen Nachen dem Ufer zugeführt, ohne daß ich es bemerkte, da ich die Sterne zählend mich in dem Kahn ausgeſtreckt hatte. Plötzlich fühlte ich eine ungewöhnliche Bewegung des Nachens. Ich erwachte aus meinen Träumereien, ich ſah auf dem Rande des Bootes zwei kleine reizende Hände, die ſich an daſſelbe klammerten, ich ſah ein Frauenantlitz, ſo ſchön wie es je in einem Märchen gelebt, wie es ſich über den Rand des Nachens hob, ſah zwei große, wunderbare, bezaubernde Augen, die neugierig in das Boot ſchauten... Als dieſe Augen mich erblickten, vernahm ich einen Schrei. Das Frauenantlitz verſchwand, der Zauber war gebrochen. Ich richtete mich auf. Ich blickte in das Waſſer. Nichts war zu ſehen. Ich glaubte an einen Traum; aber noch bewegte ſich das Waſſer, noch zitterte und raſchelte das Schilf über demſelben. Es war kein Traum, es mußte
eine Nixe des Sees geweſen ſein, die mir erſchienen. Aber wohin war ſie verſchwunden; wo ſollte ich ſie wiederfin⸗ den?.. Die ganze Nacht hindurch lag ich am Ufer, um ſie noch einmal zu belauſchen. Sie kam nicht wieder. Acht Tage, acht Nächte hindurch ſuchte ich meine Fee, ich fand ſie nicht. Da geſtern Abend“.
Ines zuckte merkbar zuſammen, ſie zerdrückte die Blume, die ſie in ihrer Zerſtreuung von den Ranken der Laube ge⸗ pflückt. Leopold ſah dies; er ſah, welche Wirkung ſeine Erzählung auf das Mädchen übte.
„Da, geſtern Abend, führte mich ein guter Stern die Straße durch das Dorf hinab. Ich ſah daſſelbe ſchöne Weib, das mir in jener Nacht auf dem See erſchien, ſah dieſelben wunderbaren, bezaubernden Augen, und dieſes Weib waren Si
Ganz gegen ſeine Erwartung ſchlug Ines plötzlich das Auge auf. Ihr Antlitz überflog daſſelbe trotzige Lächeln wieder; ihre Verlegenheit war gewichen und in der größten Unbefangenheit begegnete ſie dem Antlitz des jungen Mannes.
„Ei, Sie haben mich wieder erkannt?“ rief ſie lachend. „Sie haben mich für eine Waſſernixe gehalten? Das iſt reizend, das iſt herrlich!“ ſetzte ſie hinzu, indem ſie lachend die Hände zuſammenſchlug....„Aber ich bitte Sie, ich be⸗
Nunmehr gewinnt


