it
ie m n, eit ot, ie en en, vei 3, ten
e ige hen ur ter
1tet
nd
ℳ
— 501„
Hinter dem Concordienplatz erſcheinen die Champs Elysées. Hin und her rollt es auf dem breiten Mac⸗Adam, hin und her wogt es namentlich auf der rechten Seite. Die Blinden muſiciren und betteln, die Puppentheater annonciren und exerciren ihre Vorſtellungen unter freiem Himmel; die Savoyarden klimpern als Theater⸗Orcheſter auf ihren Harfen, und auf den Stühlen ſitzt das Publikum der Ammen, Bonnen und Kinder, um dem Drama zuzuſchauen.
Ein Pavillon neben dem andern bietet dem Spazier⸗ gänger ſeine Erfriſchungen, ein Café chantant neben dem anderen verkündet auf großen hölzernen Tafeln ſeine abend— lichen Concerte.
Immer wilder rollt es über die Straßen, vorbei an dem alten Palais de I'Industrie, der die frühere Weltausſtellung beherbergte und jetzt namentlich zu Bilder⸗Ausſtellungen benutzt wird.
Speculanten hatten die Idee, das Palais für die Zeit der gegenwärtigen Expoſition zu miethen und ein großartiges Karavanſerai für die Fremden daraus zu machen; indeß ward ihre Offerte refuſirt.
Vor uns erhebt ſich der Arc de triomphe, ein Monument napoleoniſcher Größe, an der Place de Etoile, 1806 begonnen, 1836 vollendet. Alle napoleoniſchen Großthaten ſind an dieſem 152 Fuß hohen Bogen verherrlicht; eine Treppe von 120 Stufen führt auf ſeine Plattform und bietet eine herr⸗ liche Ausſicht über Paris und ſeine Umgebung.
Zwölf Boulevards führen ſeit den baulichen Veränderungen des Jahres 1854 von dieſem Platz nach allen Richtungen. Hinter vem Triumphbogen führt die Avenue de 1'Impératrice in das Bois de Boulogne, einſt eine Widniß, in der man um der erſten beſten Lorette willen ein paar Kugeln zu wechſeln pflegte, um dann verhöhnt ins Maisons dorée, ins Café anglais oder zu den Frẽres Provenceaux zu fahren und ein Poulet zu ſpeiſen.
Andere ſuchten das Bois auf, um ſich an irgend einen Baum zu hängen, nachdem ſie eine halbe Million vergeudet, wenn ſie nicht das Waſſer der Seine vorzogen. Ein Fremder konnte verirren in den wüſten Gängen.
Franz I. ließ dieſen Wald mit einer Mauer umgeben, um ſein Wild darin zu hegen, und erbaute darin ſein
Schlößchen„Madrid“; Karl IX. ließ ſeine„Muette“ darin
aufführen. In beiden Schlößchen iſt es liederlich zugegangen, doch ſchweigen wir darüber. Napoleon I. that viel für das Gehölz, hatte aber keine Freude davon, da die Verbündeten in den Jahren 1814 und 15 hier ihre Bivouaks aufſchlugen und Alles wieder zerſtörten. Was nach ihnen Ludwig XVIII. that, ruinirte die Juli⸗Revolution wieder, und ſo konnte das Bois zu keiner anſtändigen Toilette gelangen.
Napoleon III. übergab endlich das Bois der Stadt, die es mit Aufwand von zwei Millionen verſchönern mußte, und ſo ward denn ein Feengarten aus dem verrufenen und ver⸗ wilderten Gehölz. Zuerſt entſtand der Pré Catalan mit den reizendſten Avenuen und Park⸗Anlagen; die beiden Seen mit ihren Cascaden wurden angelegt, Chälets und Pavillons wurden geſchaffen, der Jardin d'acclimatisation angelegt und das Ganze zu einem Zaubergarten umgeſchaffen, wie ihn die Welt nicht noch einmal aufweiſt.
Ich habe hier keinen Raum für umſtändliche topographiſche Mittheilungen. Der Leſer wird ſich leicht zurechtfinden, wenn er ſeinem Kutſcher die Führung überläßt. Mich intereſſirt mehr die Welt, welche das Bois zwiſchen 4 und 5 Uhr Nach⸗ mittags ſucht.
Jener Mann, der mit ſo ernſter, ſelbſtbewußter Miene am Ufer des Sees vorüberfährt, iſt einer der Vertrauten Napoleon's; jener Andere dort, der ſo herablaſſend grüßt, iſt ebenfalls ein Mann des neuen Kaiſerreichs, und Der dort, und der Andere da und alle die Uebrigen, ſie ſind meiſt Kinder der neuen napoleoniſchen Epoche. Sie waren einſt gar nichts, jetzt ſind ſie Alles.
Jene vornehme Familie in der glänzenden Equipage mit dem ſtolzen Wappen an derſelben trägt einen der bekannteſten Namen der neueren Zeit. Sie beſitzt Millionen, Schlöſſer
und Landgüter. Vor zwanzig Jahren noch war das Haupt dieſer Familie ein obſcurer Advocatenſchreiber, ein Commis irgend eines Bankiers, ein ganz unbedeutender Beamter. Aber er hat es verſtanden, ſich zu„lanciren“. Jener Miniſter, der dort hinfährt, jener General, jener Börſenmann— Du würdeſt die Hände zuſammenſchlagen, Leſer, wenn ich Dir die Geſchichte ihrer Erfolge mittheilte! Die ganze Geſellſchaft iſt von neuem Datum, aber ſie hat unfehlbar ihre Verdienſte um das neue Kaiſerreich und ſpricht nicht gern vom 2. December. In Paris iſt jetzt nämlich Geld, viel Geld, mehr Geld als jemals, dafür aber ſelbſtverſtändlich weniger Ehr' und Redlichkeit als je. Die Bronce der franzöſiſchen Geſchichte lebt noch immer grollend in ihren Schlöſſern oder in der Verbannung; hier iſt nur Vergoldung. Eine Bewegung entſteht in der ganzen Reihe der Equi⸗ pagen, die ſich in den ſchönen Avenuen dahin ziehen. Die Geſichter unter den hohen Bärenmützen, welche die Ordnung aufrecht erhalten, zeigen plötzliche Spannung, die Reiter ſetzen ſich ſtolzer in ihre Sättel. Der Kaiſer und die Kaiſerin kommen. Aufregung. Da kommt eine ſchlichte Equipage, à la Paumont geführt. Des Kaiſers gelbes und müdes Geſicht, das lächelnde, liebenswürdige Antlitz der Kaiſerin ſind der Zielpunkt Aller Augen. Die Cavalcaden machen Front, die Equipagen halten an. Das Kaiſerpaar fährt vorüber, begrüßt von Allen, aber Napoleon iſt verdrießlich. Vor wenigen Wochen erſt hat er ſeinem Volke eine Freiheit gegeben, über die er ſo lange Jahre nachgedacht. Sie mußte alſo wohl die beſte Freiheit von allen ſein, und dennoch war Niemand damit zufrieden. Die Deputirten ſtiegen ihm auf die Tribüne und Thiers ſchrie, man mache nur Fehler, es dürfe kein einziger mehr begangen werden. Die Journaliſten ſchrieben, das ſei gar keine Freiheit, und das Volk glaubte, was die Journaliſten ſchrieben. Endlich kam die Luremburger Frage und machte dem armen Kaiſer den Kopf warm. Man ſchrie nach Krieg und hatte doch die Erpoſition noch zu beſorgen! Und die Kaiſerin! Die Arme hat auch ihre Sorgen um den ſo viel geprüften Papſt. Sie hat über dem Himmelreich ihre Pariſerinnen vergeſſen; ſie redigirt das Modenjournal nicht mehr, weil ja das Heil der Seele mehr werth iſt als alles Uebrige, was doch keine Pariſerin begreifen wird! Dahin ziehen ſie, und hinter ihnen ſchließen ſich wieder die Reihen der Wagen. Die Schwäne kommen ans Ufer des Sees geſchwommen und begrüßen ihre ſchönen Schweſtern mit den Schwanen⸗ hälſen; zarte Hände werfen ihnen die ſchönſten Leckerbiſſen zu. Vor den Kiosks ſitzen die Feen von Breda, die Kinder ſpielen mit dem Federball auf dem grünen Raſen, und die Sonne ſcheint ſo mild, ſo wonnig herab auf Alles, was ins Bois gezogen. Pferdegetrappel, luſtiges, übermüthiges Gelächter. Dort kommt eine der reizendſten Cavalcaden, eine kleine leichte Schwadron von„Biches“ im ſchwarzen Reitcoſtüm, den wehenden Schleier am Cylinderhut, der ſo keck über dem dunkeln Haar ſitzt, während die Hand die Gerze ſchwingt und der Leib ſich ſo graziös über den unverſtellten Hüften ſchaukelt. Kein ſchöneres Weib hat je ein Zelter getragen, kein luſtigeres, aber auch kein— koſtſpieligeres. Umſchwärmt von den Reitern jagen oder cvurbettiren ſie auf der Straße dahin. Keine Sorge umdüſtert dieſen üppigen Mund; mögen Andere für ſie ſorgen! Dieſes Auge iſt nur da, um zu lächeln und glücklich zu ſein; dieſe Büſte iſt nicht umſonſt ſo rund, dieſe Taille nicht umſonſt ſo ſchlank, dieſe Hüften— o Millionen ſind ſie werth, und Millionen ver⸗ ſchwinden um ihretwillen wie die Seifenblaſen. In dieſer Bruſt hat nie ein Herz um Anderes als um Banknoten ge⸗ ſchlagen, denn es iſt die Cavalerie von Breda, die Nach⸗
Alles iſt in


