dieſe Spaziergänge unentbehrlich für ſein Wohlbefinden be⸗ zeichnete.
Wer hätte wol ahnen können, daß ſie ihm in Wahr⸗ heit unentbehrlich ſeien, freilich nicht zur Erhaltung ſeiner Geſundheit, ſondern zur Ausführung eines nach genau er⸗ langter Kenntniß der Oertlichkeit wohl erſonnenen kühnen Planes, die Rettung der Prinzeß durch Flucht zu ermög⸗ lichen!
Nur eine einzige Seele wußte um dieſen Plan, Sybille, die Kammerzofe Anna's. Auch ſie würde denſelben nicht er⸗ fahren haben, wenn nicht das Ohngefähr ſie zur Mitwiſſerin des Geheimniſſes zwiſchen ihrer Herrin und Agathos gemacht hätte. Sie hatte Beide überraſcht, als Anna an die Bruſt des Arztes gelehnt, ſich des ſüßen Bewußtſeins freute, eine treue Seele auf dieſer Erde ihr eigen zu nennen. Das Ge⸗ heimniß Beider war verloren, wenn Sybille nicht zum Schweigen zu bewegen war. Dies gelang jedoch wider Erwarten. Dieſe junge Zofe ſah mit Bangen einer drohenden Zukunft an der Seite eines bei Hofe angeſtellten und von der Frau Kurfürſtin beſonders begünſtigten, ihr aber ungemein widerwärtigen Mannes entgegen. Sybille verabſcheute den durch das ent⸗ ſchiedene Machtwort der Kurfürſtin ihr aufgedrungenen Zu⸗ künftigen, und welche andere Auswege wären ihr, ſich der ihr verhaßten Verbindung zu entziehen, geblieben, als Flucht oder Tod? Darum ließ ſie ſich leicht zur Mitgenoſſenſchaft bei Agathos' Plan beſtimmen. Im fernen Lande glaubte ſie ein beſſeres Glück zu finden als das, welches ihr aufgezwungen werden ſollte.
Don Garcia leitete im Stillen Alles zur Ausführung des Planes ein, nachdem er durch die wieder gehobene Lebens⸗ kraft Anna's ſich verſichert glaubte, daß bei ihr körperliche Schwäche nicht mehr ein Hinderniß ſein werde. Er war von der Prinzeß überzeugt, daß ihr reſoluter Geiſt keine Gefahr ſcheue, ſie mit einer Hingebung ohne Gleichen ihm vertraue und ihr Geſchick feſt an das ſeine knüpfe. Wäre es denn auch möglich geweſen, einen Zweifel in ſeine zu jedem Opfer bereite Treue zu ſetzen!
Keine ſinnlich verlangende Leidenſchaft feſſelte ihn an ſie, ja hatte ihn früher nicht an ſie gefeſſelt. Anna beſaß keine Reize, die einen Mann zu blenden vermochten; aber ſie beſaß einen Reiz, den er, der durch Geburt und Studien zu einer glänzenden Laufbahn Berufene, bei den Frauen der hohen Geſellſchaftskreiſe nicht gefunden hatte. Sie war natürlich, ohne Rückhalt, gab ſich, wie ihr Denken und Fühlen ſie be— ſtimmte, ſich zu geben, und obwol eine große, ja ſogar heftig ungeſtüme Leidenſchaftlichkeit ſie oft über die Schranken jener ſchönen, den Hauch der Milde tragenden Weiblichkeit hinweg⸗ riß, ſo fand doch dies Sichvergeſſen in den Umſtänden, die wie verwundende Dornen ihren Lebenspfad einengten, wenigſtens eine Minderung der dabei ihr zur Laſt fallenden Schuld. Ohne ungerecht zu ſein, konnte Niemand ſie geradezu ver⸗ dammen. Anna von Dranien beſaß Charakter, und daß dieſer nicht rein und makellos ſich in ihrem Benehmen ausſprach, daß ihr die Kunſt der Selbſtbeherrſchung fehlte, die eine ſo vorzügliche Eigenſchaft ihres glorreichen, der Geſchichte für immer angehörenden Vaters geweſen war, durch welche er in einer wirren, von Parteiwuth durchtobten Zeit ſo Großes vollbracht, das ſprach in Garcia's Augen eher für als gegen ſie.
Verwaiſt, ohne von zärtlicher Liebe in ihren jungen Jahren geleitet zu werden, ſtand ſie, die auf ihres Helden⸗ vaters Ruhm ſtolze Tochter, an des Oheims Hofe, wo Niemand ſie weiter beobachtete, als die üblichen Hofformen es ver⸗ langten. Dieſes ihr Herz tief verletzende Gefühl hatte ihrem Weſen eine Bitterkeit beigemiſcht, die durchaus nicht geeignet war, ſie zur ruhigen Ertragung fernerer ſie treffenden Schick⸗ ſalsſchläge zu befähigen und eben dieſe leicht zum Trotz ge⸗ reizte Stimmung war eine der Haupturſachen, die ihr Leben durch die ſchmerzlichſten Erfahrungen ſo ſchwer verdüſterten.
Zwiſchen dieſen Schatten hindurch blitzten aber die Strahlen einer edlen, an alles Schöne und Erhabene ſich ſchnell anrankenden Seele, geläutert durch wiſſenſchaftliche
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Kenntniſſe, die ſie in der Vereinſamung an ihres Oheims Hofe ſich zu eigen gemacht.
Garcia liebte ſie, wie ſie war mit ihren Fehlern und mit den Ausſtrahlungen ihres edleren beſſeren Theiles, er glaubte, die einzige Rettung zu ihrer Selbſterkenntniß, zur Kräftigung für das Treffliche und Schöne in ihrem Denken und Fühlen, zu ihrer Selbſterhebung über die Macht ſie be⸗ herrſchender Leidenſchaftlichkeit in dem Uebertritte zu ſeiner Kirche zu ſehen, und als dies geſchehen, fühlte er die heilige Verpflichtung, für ſie zu handeln, damit ſie von den Feſſeln ihrer mit dem Oranier, der ſelbſt ihre Kinder ihr hatte ent⸗ reißen laſſen, geführten Ehe frei und durch Zurückgabe des von Alba's Truppen ihr entzogenen Leibgedinges ſelbſtſtändig, unabhängig von dem Willen Anderer werde.
Seine damals zu dieſem Zwecke nach Brüſſel unter⸗ nommene Reiſe war jedoch von einem anderen Reſultate, als er erwartete, begleitet. Einige von ihm in Unmuth gemachte und dem Herzog Alba hinterbrachte Aeußerungen des Tadels und Rügen über deſſen gefühl- und mitleidsloſes Regiment brachten ihm Haft und die Anklage, Sympathien für die Empörer zu hegen. Als Gefangenen ließ ihn der allmächtige Alba nach Spanien bringen, wo es nach Verlaufe eines halben Jahres erſt den raſtloſen Bemühungen ſeiner Familie gelang, den des Verrathes ſchuldlos Angeklagten aus dem Kerker zu erlöſen. Der König verwies ihn aus beſonderer Gnade auf eine Reihe von Jahren aus allem ſpaniſchen Gebiet; Don Garcia begab ſich nach Italien, wo er ſich ſeiner Neigung zufolge mit alchymiſtiſchen und ärztlichen Studien beſchäftigte und durch den Umgang mit gelehrten Männern ſeine ohnehin großen Kenntniſſe in dieſen Fächern des Wiſſens vermehrte.
Seine Mühe, über Anna's Schickſal etwas zu erfahren, blieb lange vergeblich, endlich erfuhr er ihre durch Kurfürſt Auguſt, ihren Oheim, über ſie verhängte Gefangenſchaft, und ſogleich ſtieg der Entſchluß in ihm auf, ſie, wenn irgend mög⸗ lich, aus derſelben zu retten.
Ha, welchen ſyſtematiſch zu ihrem Unglücke bereiteten Schlägen war ſie unterlegen! War auch die Trennung von ihrem Gemahle als eine Wohlthat für ſie zu betrachten, ſo mußte doch die Thatſache, wenn dieſe nämlich zu ihrem Ohre gedrungen war, daß der Oranier, gleich nach der Scheidung von ihr, ſich mit Charlotte von Bourbon vermählte, ſie ſchwer verletzen. Und doch ging dieſer auf ihr Haupt gehäufte Hohn als eine nur geringe, nicht der Beachtung werthe Aeußerung ihres feindſeligen Geſchickes ſpurlos unter in dem letzten gegen ihre Freiheit und ihr Leben geführten Schlag deſſelben, in dem ſtreng bewachten Gewahrſam, der ſie gleichſam bei Jebendigem Leibe in das Grab ewigen Schweigens bettete!
Don Garcia betrachtete die ſeine Seele ganz erfüllende Mahnung, der Glaubensgenoſſin, welche als Gefangene ſicher auch die volle Wucht des religiöſen Haſſes ihres ſtreng luthe⸗ riſchen Oheims werde empfinden müſſen, ſelbſt mit Aufopferung ſeines eigenen Lebens ein Befreier zu werden, als eine Miſſion, die ihm ſeine Religion, an welchem er mit vollem Herzen hing, auferlegte. Genau unterrichtet vom Charakter des Kurfürſten Auguſt, trat er als griechiſcher Arzt Agathos in Dresden und am Hofe daſelbſt auf, und ehe die Hälfte des Decembermonats vergangen, war die Ausführung des Entführungsplanes ſo weit gediehen, daß eben nur noch das Abenddunkel mit ſeinem ſchützenden Mantel die Flucht Annas verhüllen ſollte.
laufen, der Zeiger des Schloßthurmes ließ bereits das ſtets vor den erfolgenden Schlägen übliche Geräuſch hören. Das Zimmer der Prinzeß war durch zwei Kerzen erhellt, ſie ſelbſt ſtand am offenen Fenſter in männlicher Kleidung, die eiſernen Haken einer ſeidenen Strickleiter am innern Fenſterſims, wie Garcia ihr gezeigt hatte, befeſtigend. Von unten herauf tönte ein leiſer Ton, wie das halblaute Gekreiſch eines aus ſeiner Nacht⸗ ruhe aufgeſtörten Vogels; Anna huſtete als Antwortszeichen. Mit dem ſiebenten Glockenſchlage ſollte ſie ſich auf die Fenſter⸗
brüſtung ſchwingen und die ſchwankende Leiter herabſteigen.
Die ſiebente Abendſtunde war in wenig Minuten abge⸗
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