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deſſen Heilkunſt man⸗Wunderdinge erzählte, und welcher, wie
Wachenhuſems Hausfreund. X. 11.
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Hlluſtrirtes Volksblatt.— Herausgeber: Hans Wach
enhuſen.
X. Jahrgang.
1867.
Anna von Granien (Kurfürſt Moritz' Tochter) und ihr Schickſal. Hiſtoriſche Erzählung von Franz Lubojatzky. (Fortſetzung.)
— m.
n der kurfürſtlichen Reſidenzſtadt Dresden tauchte die Er⸗ innerung an die Prinzeß Anna von Hranien wieder auf die Anweſenheit des griechiſchen Arztes Agathos, von
durch
der Augenſchein lehrte, beim Kurfürſten, der dieſen gelehrten Fremden nicht nur ſeiner großen ärztlichen Kenntniſſe wegen, ſondern auch wegen deſſen Erfahrungen in der Alchymie be⸗ ſonders auszeichnete, in hohem Anſehen ſtand.
Leider war es nicht möglich, daß Jemand näheren Umganges mit ihm ſich rühmen konnte, denn der Fremdling verſtand die deutſche Sprache nicht und gebrauchte, ſich und
ſeine Diener verſtändlich zu machen, die Dienſte eines armen
deutſchen, der lateiniſchen Sprache mächtigen Gelehrten. Ohne Vermittelung dieſes Dollmetſchers— der Kurfürſt bedurfte, da er lateiniſch ſprach, deſſelben nicht— war der griechiſche Heilkünſtler für Jedermann unzugänglich, und aus dieſem Umſtand entſprang die Urſache, daß er ſich von der Zudring⸗ lichteit Neugieriger verſchont ſah. So blieb denn nur das, was er in Bezug auf die gefangene kranke Prinzeß durch ſeine Heilwiſſenſchaft bewirkte, der Kern aller jener erſtaun⸗ lichen Fabeleien, die als Auswuchs einer tollen, in den Bereich des Lächerlichen überſpringenden Phantaſie ſich im Volksmund raſch verbreitet hatten. Man befand ſich auf dem beſten Wege, den Fremdling als einen Zauberer zu betrachten, der im vielverrufenen Aegyptenlande ungeheuerliche Kenntniſſe er⸗ worben haben ſollte..
Der kurfürſtliche Leibarzt Dr. Neefe glaubte vor allem Urſache zu haben, dieſen Collegen, im Hinblick auf die ſich ſo unverhohlen für denſelben ausſprechende Gunſt des Kurfürſten, als einen Feind anſehen zu müſſen, welcher faſt abſichtlich, wie es den Anſchein hatte, ihn am Hofe zu verdunkeln beſtrebt ſei. Mit größtem Misvergnügen ſah Dr. Neefe den Einfluß des fremden Nebenhuhlers wachſen, er mußte fürchten, ganz von demſelben in Schatten gedrängt zu werden, und der an ihn ergangene Befehl ſeines kurfürſtlichen Herrn, die ſichtbar angebahnte Wiedergeneſung der Prinzeß Anna nicht durch
ſeine Beſuche zu ſtören, weil Agathos die Ueberzeugung aus⸗ geſprochen, daß jede Perſon von ihr fern gehalten werden müſſe, deren Anblick einen unangenehmen Eindruck auf ſie be⸗ wirke, belehrte ihn, wie ſehr ſein Nebenbuhler Agathos im Vertrauen des Kurfürſten geſtiegen.
In der That war eine ſtark ins Auge ſpringende Ver änderung mit Anna vorgegangen, ſichtbar die bis zur Sehn⸗ ſucht nach dem erlöſenden Tode bei ihr geſunkene Lebensluſt wieder gehoben, und ſelbſt ein leichter Anflug von Röthe über⸗ glitt manchmal wieder ihre bleichen Wangen. Der Kurfürſt, der durch ſeine Beſuche bei ihr den günſtigen Verlauf vor Augen hatte, machte zugleich die ihm höchſt erfreuliche Be⸗ merkung, daß mit Anna's leiblicher Beſſerung auch der ſo oft von ihr bezeigte Trotz, ihr unverhohlen ihm bewieſener Haß einer Wandlung unterliege und ihre Gemüthsäußerungen den Ausdruck einer Milde, der Nachgiebigkeit gewannen, die er an ihr gar nicht kannte. Er fand ſie ſogar zur Epfüllung ſeines Wunſches, dem Rücktritt vom Katholicismus zur Luther⸗ lehre und der beſchränkten Freiheit als Herrin eines von ihm ihr eingeräumten Schloſſes ſich zu unterwerfen, geneigt, nach⸗ dem Agathos ſie dazu vorbereitet hatte.
Das hohe Anſehen, in welchem durch dies bewirkte Wunder der griechiſche Arzt bei dem Kurfürſten kam, war daher nur ein ganz natürlich folgerechtes, und des Fremden Bildung, von großer Wiſſenſchaftlichkeit unterſtützt, verfehlte nicht, ihn bald zum Liebling deſſelben zu machen.
So war der Decembermonat herangekommen. Der Winter ſtürmte mit allen ſeinen Schreckniſſen einher, ohne jedoch ſeine wärmende Schneehülle länger als über Nacht der Erde zu leihen; es war unheimlich geworden in der Natur, und wen nicht eiſerner Zwang hinaus auf die Straße trieb, der blieb daheim, wohl geſichert vor den Unbilden des feindſelig tobenden Wetters. Trotz alledem machte Ahathos ſeinen täglichen Spaziergang auf dem Walle, der damals die kur⸗ fürſtliche Reſidenzſtadt ungürtete und mit ſeinen ſieben Baſtionen ſie zu einer für jene Zeit höchſt reſpectabeln Feſtung erhob. Nur mit kurfürſtlicher Erlaubniß ward es Jemand geſtattet, den Wall zu beſuchen; Dr. Agathos hatte ſie für ſich und
ſeinen ihn überall hingeleitenden Diener leicht erlangt, da er
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