Jahrgang 
1867
Seite
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hinter den zertrümmerten Gebäuden auf. Es ſind die ehe⸗ ab und ſingt ein Lied dabei. Die Vertriebenen ziehen ſich

maligen Beſitzer. Sie nähern ſich ihrer verbrannten Wohnung. wieder zurück. Sie dürfen ihre Heimat noch nicht betreten Ein Feuer glüht den Trümmern. Die Feldwache kocht hier ihr Bett iſt das Kornfeld.

Feuilleton.

Boot, brachte letzteres mit ſeinem Beſitzer nach Candia und übernahm

Ein Fiſchmenſch. es dann, nach Canea zurückzuſchwimmen, um die Familie des ver⸗ W..

Ein neapolitaniſches Journal erzählt von einem Taucher, dem loren Geglaubten zu beruhigen. ſein Gewerbe ſo zur Gewohnheit geworden iſt, daß er ſein Leben faſt nur auf und unter dem Waſſer zubringt. Man nennt ihn all⸗ Wie die Juden nach Jeruſalem ehrerbietig als nach ihrer Stamm⸗ gemeinden Fiſch. Dieſer Menſch, ſeines Gewerbes ein Korallen⸗ ſtätte ſchauen wobei uns nur wundert, daß ſie doch keine große fiſcher, wohnt auf dem Cap Matapan und heißt Nicolas. Das Waſſer Sehnſucht haben, wieder dorthin zu gehen, wo ſie hergekommen iſt ihm ein ſo nothwendiges Lebenselement geworden, daß er kaum ſo müßten unſere Buchhändler Lyon in Ehren halten. Lyon hatte auf dem Lande zu leben vermag. Man ſieht ihn beſtändig in hoher bereits zu den Zeiten der Römer Buchhandlungen, in welchen griechiſche See, er ſchwimmt vom Cap Matapan nach den benachbarten Inſeln, und lateiniſche Manuſcripte verkauft wurden. Der Lyoner Jean ſelbſt bis zu den ziemlich entfernten Chkladen. Coral verpflanzte die Buchdruckerkunſt, bald nach ihrer Erfindung

Wenn die See in heftigſter Bewegung iſt und keine Barke ſich in Deutſchland, im Jahre 1470 nach jener franzöſiſchen Stadt, wo durch die Brandung wagt, verläßt Nicolas ſeine Wohnung, ſtürzt ſich ſie im darauf folgenden Jahrhundert einen ſehr hohen Aufſchwung in die Wellen und durchſchneidet ſie mit der Geſchwindigkeit und erhielt. Sebaſtian Gryphe allein gab damals innerhalb zweiund⸗ Sicherheit des Fiſches, ſteigt auf ein in Noth befindliches Schiff, ver⸗ zwanzig Jahren mehr als dreihundert Bücher heraus. Um dieſe Zeit läßt es wieder und erbietet ſich zu Botendienſten nach dem Lande. war Lhon vorzugsweiſe der Stapelplatz der proteſtantiſchen Werke, Er dient oft als Communicationsmittel zwiſchen den einzelnen Inſeln ſo daß man erzählt, der Jeſuit Edmund Anger, der im Jahr 1563 und trägt die ihm anvertrauten Briefe in einer waſſerdichten Leder- beauftragt wurde, die ketzeriſchen Schriften zu Lhon zu confisciren, taſche. habe eine ſolche Maſſe davon zuſammengebracht, daß man mit dem

Dieſe menſchliche Amphibie hat vor einigen Wochen eine That Verbrennen derſelben drei Nächte zugebracht habe. Seit dieſen katho⸗ vollbracht, die geradezu ans Wunderbare grenzt. liſchen Beförderungen des alleinſeligmachenden Glaubens verſchwand

Ein Bewohner von Canea war zum Vergnügen in einem leichten der Buchhandel von Jahr zu Jahr mehr und mehr aus den Mauern Fahrzeuge ins Meer hinausgefahren, ein Unwetter überfiel ihn, und Lyons. In der letzten Zeit hat ſich das Geſchäft aber ſehr gehoben, er wurde bis in die Gegend von Candia verſchlagen. Der berühmte da die Franzoſen nicht alleinſchnell fertig mit dem Worte ſind, griechiſche Taucher ſtieg mit einem Male aus dem Meere in ſein ſondern auch mit der Feder. T.

Aen die deutſche Nation.

Für Ferdinand Freiligrath, für den edlen Dichter eines großen Volkes, ertönt unſer Ruf. Sein Name iſt bekannt, ſoweit die deutſche Zunge klingt, denn ſeine Lieder leben im Herzen unſeres Volkes. Sein Lebenslauf iſt kein froher und ſorgenfreier geweſen. Nach den Jahren der Bewegung, die auch ihn aus dem Stillleben herausriſſen, die ſeinen regen Geiſt mächtig erfaßten, war er gezwungen, das Brot der Verbannung zu eſſen. Ein bitteres Lvos für einen deutſchen Dichter! Auf engliſchem Voden gelandet, belaſtet mit der Sorge um eine zahlreiche Familie, begann ſein Kampf um die Eriſtenz. Er hat ihn tapfer durchgeführt. Indem er ſich ſeinem Berufe, ſeinen Pflichten gegen Weib und Kind ausſchließlich widmen mußte, lehnte er ſeine Leyer an die Seite und nur ſelten noch entlockte er ihr Töne, die dann aber hinüberklangen über den Kanal und Widerhall fanden im deutſchen Lande. 8o hat er die Herzen unſerer Jugend entflammt, ſo hat er in unſer Aller Bruſt zu erhalten gewußt die Friſche und Begeiſterung für das Gute, Edle und Schöne, ohne welche der Genius unſeres Volkes das hohe Ziel der Größe unſeres

Vaterlandes, welches heute nicht allein mehr in unſeren Hoffnungen lebt, niemals erreichen würde.

Das Ziel, nach dem er unter angeſtrengter Arbeit ſtrebte, hat er nicht erreicht. Nach faſt zwanzigjährigen Mühen und Sorgen auf fremder Erde, am Abend ſeines Lebens ſtehend, ſchaut er in eine ungewiſſe, unſichere Zukunft.

Da wenden wir uns an die deutſche Nation. Ihre Pflicht iſt es, dem ergrauten Dichter die Lebensſorgen zu er leichtern und ihm dadurch den Dank und die Anerkennung ſeines Vaterlandes darzubringen.

Wie oft iſt unſerem Volke vorgeworfen worden, daß es die Todten zu feiern, den Lebenden nicht zu huldigen weiß.

Die eigenen Worte Freiligrath's rufen wir ihm zu:

O lieb' ſo lang Du lieben kannſt!

O lieb', ſo lang' Du lieben magſt!

Die Stunde kommt, die Stunde kommt, Wo Du an Gräbern ſtehſt und klagſt!

Es ſei ein Weck⸗ und Mahnruf!

Die Unterzeichneten, perſönliche Freunde des Dichters aus dem Wupperthal, in welchem er einige Jahre ſeines Lebens verbrachte, ſind zunächſt zuſammen getreten, um die Initiative zu einem Nationalgeſchenke für Freiligrath zu ergreifen. Sie fordern die Freunde und Verehrer des Dichters auf, in allen Städten Special Comités zu gleichem Zwecke zu bilden, oder ſich dem hieſigen Comite anzuſchließen. Zugleich erſuchen wir alle Zeitungs⸗Redactionen um gütigen Abdruck dieſes Aufrufs und um Entgegennahme von Beiträgen.

Wir hoffen ſomit in den Stand geſetzt zu werden, dem verdienten Manne zu ſeinem Geburtstage im Sommer oder ſpäteſtens zu Weihnachten einen anſehnlichen Fond übergeben zu können im Auftrage der Geber und im Namen des deutſchen Volkes.

Barmen, im April 1867.

F. A. Boellinug. Ludwig Elbers. Ernſt von Cynern. Reinh. Neuhaus. Emil Rittershaus. Ed. Schink. Karl Siebel.

N

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Wenngleich ſich überall bereits Vereine gebildet haben, ſo ſind doch auch wir zur Weiterbeförderung etwa an uns eingehender Beiträge gern bereit. Erpedition des Hausfreund.

Verlag der Hausfreund⸗Expedition(Lemke und Comp.) in Berlin, Kronenſtraße Nr. 21. Verantwortlicher Herausgeber: Hans Wachenhuſen.

Haupt⸗Expedition und Druck bei F. A. Vrockhans in Leipzig.