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die Schattenſeiten der Theater Frankreichs und Italiens, und ich hoffe, es wird Mancher unter ihnen ſein, der mit
mit derjenigen Schritt zn halten,
riß, indem er mit einer Eiſenſtange ihm ſeinen Weg vor⸗
Eintritt ins Haus gut disciplinirt.
mir darin übereinſtimmen wird, daß das deutſche Theater
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— trotz ſeiner vielfachen Mängel noch nicht den letzten Rang in
Europa einnimmt. Julius Steinitz.
Das induſtrielle Berlin.
I. Hausgeiſter.
Zauberei iſt von jeher bei den Menſchen getrieben und
geliebt worden; es gab immer Solche, die ein bischen Vor⸗
ſehung und lieben Gott zu ſpielen ſuchten, und immer eine Menge, die daran glaubten und aberglaubten. Die Griechen hatten ihr delphiſches Orakel, die Römer ihre Auguren; im Rittelalter gabs Heren, die man als gottlos verbrannte, weil die Prieſter nur ihre Propheten für Wunderverrichter gelten laſſen wollten, und die Zauberer in unſeren Märchen ſpielen zu allen Zeiten. Das vorige Jahrhundert hatte ſeine Alchymiſten, welche die geſcheidteſten Monarchen anführten, denn ſie verſtanden nichts von den chemiſchen und phyſikali⸗ ſchen Kniffen, mit denen die Caglioſtro, Meßmer und andere berühmte und berüchtigte Viſionäre, Abenteurer und Zauberer ihr Publikum verblüfft machten. Und noch in unſerer Zeit, die ſich auf ihre Ungläubigkeit und Aufklärung etwas zu Gute thut, haben Tiſchrücken und Pſychographen eine große Rolle in der„feinen Geſellſchaft“ geſpielt.
Aber dieſe Art Zauberei vermag heute gar nicht mehr die gerade der Un⸗ gläubigſte als die unzweifelhafte verehrt. Was ſind all die Künſte, berechnet, den Aberglauben der Thoren auszubeuten, gegen die Wunder, die von der nüchternen Vernunft aner⸗ kannt werden. Seitdem Franklin dem Himmel den Blitz ent⸗ ſchrieb ſeitdem Watt in einem Theekeſſel mit kochendem Waſſer die Geiſtermacht des Dampfes entdeckte und Volta die Säule erfand, in welcher die Dämonen der Elektricität auf⸗ und ab⸗ ſchlichen, bereit, mit Blitzesſchnelle auch durch das Weltall ſich ſchicken zu laſſen: ſeitdem geht alle Zauberei großartiger denn je, aber ſo natürlich wie möglich vor offenen Augen vor ſich. Wie jämmerlich ſind alle die Zaubereien der Mythologie und des Pberglaubens gegen die Wunder des Dampfes und der Elektricität! Unſere Großmütter hätten in ihrer Jugend, als ſie heiratheten, ihre Kinder den Gottſeibeiuns verfallen ge⸗ glaubt, wenn man ihnen geſagt hätte, die würden es erleben, daß man ohne Pferde in zwei Stunden von Berlin nach Magdeburg fahre, und daß man an einem Tage von Berlin nach New⸗York einen Brief ſchicken und darauf Antwort er⸗ halten könne.
Wir hexen und zaubern jetzt ſo viel und ſo toll, daß die alten, wunderholdigen Hexereien bankrott geworden ſind. Was ſind die böſen und guten Hausgeiſter der guten alten Zeit gegen die unſrigen! So ein alter Hausgeiſt chicanirte die Bewohner, zeigte ihnen Glück oder Unglück an, und ſie
mtßten ſich viel Mühe geben, den unſichtbaren Kobold immer
bei guter Laune oder in unſchädlichem Schlaf zu halten. Heute haben wir auch Hausgeiſter und mehr wie ſonſt; aber ſie müſſen unſerem Willen gehorſam ſein und werden gleich beim Ja(alle guten Geiſter loben Gott den Herrn!) man kauft ſich heute ſo einen Haus⸗ dämonen wie irgend einen anderen nöthigen Luxus, ſtellt ihn an, wie man will, gebraucht ihn, wozu es Einem beliebt, und er macht gar keine Bedingungen wie der Geiſt, der erſchien, wenn Aladin ſeine Nachtlampe rieb. Dieſe Geiſter, die man ſich kaufen kann, und die ein jeder fortgeſchrittene Hauswirth und Bequemlichkeit liebende Miether ſich heute kauft, die wer⸗ den ſogar fix und fertig ſchockweiſe fabricirt und es wird ihnen ohne viel Umſtände je nach Bedarf eine Seele ein⸗ oder ausgeblaſen, ohne daß irgend ein Zeus ſolchen Prometheus dafür an den Felſen ſchmieden und ihm von Geiern täglich die Leber abhacken läßt.
Solche Prometheus⸗Werkſtätten für moderne Hausgeiſter gibt es ſchon längſt in New⸗York, London, Paris und Frank⸗ furt a. Main, und natürlich auch in Berlin, denn wie könnte es ſonſt Weltſtadt werden? Unter der harmloſen Firma Keiſer& Schmidt fabriciren daſelbſt in hellen, lichten Räumen der Oranienburgerſtraße Nr. 27 dieſe Berliner Prometheus alles Mögliche, was für die Zauberkunſt der Elektricität und des Galvanismus vom Staat, von Eiſen⸗ bahnen, Geſellſchaften und Privatleuten erfordert wird, und hauptſächlich auch dieſe jetzt überall ſich einbürgernden Haus⸗ geiſter Läßt man ſich ſo ein Ding zeigen, ſo ſteht man da⸗ vor und begreift nichts: ein Topf, darin wieder ein Topf und Draht, damit ſoll man ſich begnügen. Und ehe man ſich's verſieht, iſt dann das Unbegreifliche geſchehen es klingelt neben Einem, über Einem, unter Einem, hinten und vorn; der Teufel iſt los, der Hausgeiſt rumort, bis er auf einen Wink gehorſam auf der Stelle ſchweigt und ein ſo einfältiges Weſen wieder wird wie zuvor. Die Seele iſt ihm ausge⸗ blaſen, indem man den Draht wegzieht; ſie wird ihm gleich wieder eingeblaſen, wenn man den Draht anlegt. In dieſem Draht ſteckt alſo die Seele, das„Feuer vom Himmel“, wie bei Prometheus im Rohre Narthexr, und um die Zauberei mit den Hauptgeiſtern, d. h. der Zimmertelegraphie, klar zu machen, müſſen wir wol zuſehen, wie dies„Feuer vom Himmel“ geſchmort und entführt wird.
Taucht man zwei verſchiedene Metalle, Zink und Kupfer, in ein mit verdünnter Schwefelſäure gefülltes Glas, ſo geht die poſitive Elektricität vom Zink durch die Schwefelſäure zum Kupfer, die negative Elektricität vom Kupfer durch die Schwefelſäure zum Zink. Auf dem hervorragenden Ende des Kupfers ſammelt ſich daher freie poſitive, auf dem des Zinks freie negative Elektricität. Dieſe Vorrichtung iſt ein galvani⸗ ſches Element: es braut das unſichtbare Feuer, welches man auf dem Draht entführt, wohin man will, und wirken läßt, wie man wünſcht. Verbindet man die beiden hervorragenden Enden, die Pole, mit Kupferdraht, ſo vereinigen ſich die ent⸗ gegengeſetzten Elektricitäten, bilden einen dauernden Strom, der die elektriſche Wirkung erzielt, und der aufhört, wenn man von einem der Pole den Draht entfernt. Führt der Strom auf einen Klöpfel zur Klingel, ſo wird er gegen die Glocke geſchlagen und dieſe gibt Ton von ſich; läßt man den Strom aufhören, ſo hört auch das Klingeln auf. Auf dieſe Weiſe ſchafft man ſich jetzt in Form eines galvaniſchen Elements, welches durch Drähte mit Klingeln in Verbindung geſetzt iſt, ſeinen Hausgeiſt an, der ſchellt, wann und wie man es will; der ſich beruhigt, wenn man es wünſcht; der ſeinen Ruf, je nach der Vorrichtung, überall da in ſeines Herren Namen er⸗ tönnen läßt, wo der Herr es wünſcht. Und der brave Haus⸗ geiſt, der nie ſeinen Dienſt verſagen darf, und der zu ſeiner Nahrung nur alle ſechs Monate etwas neues chemiſches Feuer, etwas Hel auf der Lampe braucht, läßt ſich für geringen Preis erkaufen. Für eine Wohnung von 6—8 Zimmern gibt er ſich um 20 Thlr. hin; ein ganzes Haus verſorgt er nach allen Richtungen ewig für ein paar hundert Thaler. Man kann ihn zu Gebot haben, wo man es in ſeiner Wohnung wünſcht; es gehört nur ein kleiner, eleganter, elfenbeinerner Knopf dazu, den man an der Wand bei ſeinem Bett, beim Schreibtiſch, beim Sofa, beim Büffet, beim Eßtiſch, ja auf
demſelben anbringen läßt. Zwei feine, beſponnene, unter die Tapete oder unter den Fußboden gelegte, unſichtbare Drähte
laufen nach den Glocken hin, die man anſchlagen laſſen will.


