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gebracht hat, auf dem ſie ſich jetzt befinden. Dieſer Geſchmack eben iſt es, der die Theaterdirectvren im Intereſſe der Selbſter⸗ haltung zwingt, das Theater zum Spielplatze unſauberer Leidenſchaften herabzuwürdigen, dieſer Geſchmack eben hat es hervorgerufen, daß die Mehrzahl der Theater einem Genre gewidmet ſind, das der Unmoralität begeiſterte Lobhymnen ſingt und in dem Sitte, Anſtand, Tugend, überhaupt Alles dem gebildeten Menſchen Heilige und Theuere geradezu ver⸗ höhnt und verſpottet wird. Die Demi⸗Monde⸗Komödien des Herrn Alexander Dumas Sohn und die muſikaliſchen Poſſen⸗ reißereien des Herrn Offenbach waren für das Theater die Uebergangsperiode, die jetzige Verkommenheit hat dieſen Herren und ihren zahlreichen Nachahmern ihre Vaterſchaft zu verdanken, das Publikum war die belebende Gottheit und die Theaterdirectoren waren nur paſſive Werkzeuge, die ſich willig drein finden mußten, dem lüſternen Geſchmacke der Menge zu huldigen.
Um die nach und nach ſich abſtumpfenden Sinne wieder anzufachen, wurde zu immer ſtärkeren Doſen gegriffen, und jetzt vermögen nur noch die ſchamloſeſten Nudidäten irgend⸗ welche Anziehungskraft auf das Publikum auszuüben. Im Gegenſatze zu dieſem, meiſt für die ſogenannte gute Geſellſchaft beſtimmten Genre huldigt man in Paris in den niederen Klaſſen der Bevölkerung einem Cultus, der auf möglichſt ſtarke Nervenaffectionen berechnet iſt, und in dem neben dem hohlen Pathos der Darſteller Mord, Gift, Blut, Ehebruch, Flüche und andere derartige bekannte Bühnenrequiſiten die Haupt⸗ rolle ſpielen. Es exiſtirt hier eine Reihe von Theatern, die allabendlich vor gefüllten Häuſern jene Sorte von Blutdramen abſpielen, die glücklicherweiſe auf der deutſchen Bühne ihr Heimatsrecht bereits verloren haben und hoffentlich nie mehr auf derſelben ihre Einbürgerung finden werden. Sämmtlich nach derſelben Schablone gearbeitet, unterſcheiden ſie ſich von ein⸗ ander nur durch die öfters variirende Anzahl der Todesfälle, während ſie mit anerkennungswerther Conſeguenz als Schluß ſtets den Sieg der Tugend in bengaliſchem Feuer proclamiren. Ob dieſes ewige Brennen, Sengen und Morden von wohl⸗ thätigen und belehrenden Einwirkungen auf den Zuſchauer ſein kann, dies zu entſcheiden, überlaſſe ich meinen Leſern; ich glaube aber nicht zu übertreiben, wenn ich die in neueſter Zeit in wahrhaft erſchreckender Weiſe ſich mehrenden Ver⸗ brechen gegen das Leben, namentlich unter jungen, kaum dem Knabenalter entwachſenen Leuten, theilweiſe auf Rechnung dieſer Schauerkomödien ſetze. Die erhitzte Phantaſie eines Knaben ſieht in dem Verbrecher, der durch ſechs oder ſieben Acte hindurch ungeſtraft ſein blutiges Handwerk treibt, einen Helden, ſie betrachtet die ſchließlich ihn ereilende Strafe als ein Märtyrerthum, und die Sucht nach Nachahmung erfüllt ſeine Seele. Ich male wahrlich nicht zu grell, und auf dieſe Weiſe findet die in Frankreich im Vergleiche zu anderen Ländern ganz abnorme Verbrecherzahl wenigſtens eine theil⸗ weiſe Erklärung. Welches von den beiden hier beſchriebenen Genres man nunmehr verdammen ſoll, iſt ſchwer zu ent⸗ ſcheiden, beide ſind ſie giftige Geſchwüre, die den geſunden Kern und den edlen Zweck des Theaters faſt unheilbar an⸗ genagt haben, ohne daß bis jetzt irgend welche Rettung in Ausſicht wäre. Eine Rettung, wenn ſie überhaupt möglich iſt, kann nur vom Publikum ausgehen, und dieſes ſcheint bis jetzt durchaus keine Luſt zu verſpüren, den Theaterarzt zu ſpielen. In den franzöſiſchen Provinzen liegen die Theater⸗ verhältniſſe, wenn dies überhaupt möglich, noch mehr im Argen, als in Paris ſelbſt. Die gute Geſellſchaft hält ſich in den Provinzen dem Theater meiſt fern, und darum findet das erſtbeſchriebene Genre dort einen nur wenig fruchtbaren Boden, während dagegen das Blutdrama in vollſter Blüte ſteht. Ein beſonderer Hebel für den Theaterbeſuch in den Provinzen iſt die Skandalſucht, für die die Unſitte der Debuts die willkommenſte Gelegenheit bietet. In ſämmtlichen fran⸗ zöſiſchen Provinzialtheatern ſteht nämlich dem Publikum das Recht zu, beim Beginne einer Saiſon die Künſtler, die es engagirt haben will, zu wählen, und ebenſo die ihm etwa Mißfallenden zurückzuweiſen. Da das Abſtimmen des ganzen
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Publikums häufige Differenzen hervorrufen könnte, ſo iſt dieſes Recht in die Hände der Jahresabonnenten gelegt, die über das Wohl und Wehe der debütirenden Künſtler zu entſcheiden haben. Nach drei geſpielten Rollen erfolgt die Entſcheidung; der Director muß ſich unbedingt den Entſchlüſſen der Abonnenten unterwerfen und darf keinen Künſtler mehr auftreten laſſen, der einmal zurückgewieſen wurde. Dem Publikum ſteht während der Dauer der Debuts, die häufig Monate lang dauern, das Recht zu, von der Direction Aufklärungen über die Begabung und Eigenſchaften der Debutanten zu verlangen, ein Recht, das allabendlich zu langen, ſtörenden, aber für die Skandalliebhaber ſehr beluſtigenden Scenen führt. Ein be⸗ ſonderer Régisseur parlant iſt engagirt, der die Converſation mit dem Publikum zu führen hat, da die Directoren den häufigen Inſulten des Publikums ſich auszuſetzen, durchaus keine Luſt verſpüren. Ich will hier eine kleine Epiſode einſchalten, der ich ſelbſt als Zeuge beiwohnte und die ich daher vollſtän⸗ dig verbürgen kann.
In Toulon wurde als Debut der Operntruppe„Lucia von Lammermoor“ geſpielt und die Vorſtellung nahm, ei⸗ nige kleine Unterbrechungen abgerechnet, ihren ziemlich ruhigen Verlauf. Zum Schluß des zweiten Actes ereignete ſich aber eine ſo hochkomiſche Scene, die mir ſtets unvergeßlich bleiben wird, und die ich, wenn ich ſie eben nicht ſelbſt mit angeſehen hätte, geradezu als unglaubhaft bezeichnen würde. Das be⸗ kannte Schlußſextett des zweiten Actes, das mit ziemlicher Präciſion geſungen wurde, erlitt nämlich durch den Ruf nach dem Regiſſeur eine unerwartete Unterbrechung, ſo daß der Vorhang inmitten der unbeendeten Scene fallen mußte. Der Regiſſeur erſchien darauf alsbald und fragte nach dem Begehren des hochgeehrten Publikums, worauf von einer Stimme aus dem Parterre die Frage laut wurde,„warum denn der Tenor in dem Serxtett nicht mitgeſungen habe?“ Niemand, als dieſe eine Perſon im Parterre hatte bis jetzt dieſe Bemerkung gemacht, aber auf die bloße Frage hin wollten es auf einmal Alle beobachtet haben und verlangten mit lautem Lärmen eine Erklärung des Regiſſeurs. Der Regiſſeur gab natürlich an, er kenne die Motive des Tenors nicht, die Jenen zum Stillſchweigen bewogen hätten, er wolle denſelben aber ſofort darnach befragen. Das Publikum gab ſeine Zuſtimmung und der weißbehandſchuhte Herr Regiſſeur verſchwand in der Seitencouliſſe, um nach wenig Minuten mit der Erklärung des Tenors zurückzukehren, daß er nicht habe ſingen können, weil er eine vom Componiſten vorge⸗ ſchriebene Pauſe gehabt habe.
Nun war man befriedigt, das Sertett begann von Neuem und die ganze Unterbrechung hatte etwa eine halbe Stunde angedauert, während welcher das Theater weit eher einer Kneipe denn einem Kunſttempel glich. Derartige Fälle ſtehen durchaus nicht vereinzelt da, ſie wiederholen ſich mit kleinen Abwechſelungen in allen Theatern, und wehe dem Director, der es wagen wollte, dieſen kleinen Volksbeluſtigungen Ein⸗ halt zu thun.
Der Director des Theaters zu Lyon wollte im ver⸗ gangenen Jahre die Debuts abſchaffen. Vergebens! Die ganze Stadt erhob ſich wie ein Mann und der arme Director mußte trotz des Beiſtandes der Behörden bei Nacht und Nebel flüchten, nachdem man ſein Haus faſt gänzlich demolirt hatte. Man ſieht hieraus, daß ein Reformator hier ein ſehr gefähr⸗ liches Spiel haben dürfte, und nach dem Erfolge des Lyoner Directors wird ſich wohl ſchwerlich noch Jemand finden, der für reformatoriſche Beſtrebungen Leib und Leben einſetzt.
Sehr häufig gerathen auch die Abonnenten mit dem großen Publikum in ernſte Händel. Das Letztere iſt öfters mit den Beſchlüſſen der Erſteren nicht zufrieden, und dann kommt es zu tumultuariſchen Auftritten, die ſchließlich mit Räumung des Theaters ſeitens der Behörden endigen Die Directoren finden während der Dauer der Debuts ihre gute Rechnung, das Theater iſt in dieſer Zeit ſtets gefüllt, und das bleibt ja für den Geſchäftsmann immer die Hauptſache.
So ſind die Theaterzuſtände in Frankreich, und ich habe ſie wahrlich nicht zu grell geſchildert. In Vergleich hierzu
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