wähnte Kunſtſtraße den Hauptgegenſtand der Bewunderung für den Beſucher dieſer Gegend, denn nicht ſelten iſt ſie in ſchroff abfallende Felſen eingeſprengt worden, und ſtarke Mauerkegel mit dazwiſchen liegenden Holzſtangen faſſen ſie eip, um den Wanderer vor dem Sturz in die jähe Tiefe zu be⸗ wahren. Theilweiſe werden dieſe Schutzwehren auch durch Mauern gebildet, die ſich in langen, weißen Linien an den grünen Felswänden dahinziehen und mit ihrer ſtarren Ruhe einen ſeltenen Contraſt zu dem Fluße bilden, der ſeine jugend⸗ liche Wildheit noch ganz beibehalten. Bei dem Dorfe Prutz, wo 1809 ſiebentauſend Baiern zu Gefangenen gemacht wur⸗
den, nimmt der Inn einen reißenden Bergbach— den aus Gebatſchfernen herabkommenden Fackenbach— auf und ver⸗
ſtärkt dadurch ſeinen ohnehin ſchon mächtigen Fall. Gegen Landeck hin verengt ſich das Oberinnthal wieder zu einer ge— waltigen Kluft, und der Fluß bricht ſich bald ſchäumend zwiſchen engen Felsblöcken hindurch Bahn, bald fließt er wie⸗ der ſtill in tiefen Schluchten dahin.
Bei dem überaus maleriſch gelegenen Landeck, daß von einem alten, in Trümmern liegenden Schloß beherrſcht wird, nimmt der Inn den Roſanabach auf, und von nun an zeigt das Oberinnthal einen bedeutend freundlicheren Charakter. Die Felſen, die den Fluß bisher als treue Kumpane begleitet, weichen mehr zurück, an die Stelle der Viehzucht tritt hie und da ſchon der Ackerbau, und zahlreiches Bauholz wird ſtromab— wärts den tiefer gelegenen Städten zugeflößt. Am rechten ufer erhebt ſich hier auf dieſer Strecke in bedeutender Höhe das reizende Kloſter Stambs in der unmittelbaren Nähe zweier ſchöner Waſſerfälle. Die Mutter des unglücklichen letzten Kaiſerſproſſen der Hohenſtaufen ſtiftete dieſes Kloſter zum Seelenheile ihres gemordeten Sohnes, und hierher führte ſie auch die ſterblichen Ueberreſte des jungen Konradin, die ihr von ſeinen Henkern ausgeliefert worden waren. Die prächtige Kloſterkirche, die ſehr ſchöne Frescogemälde und einen uralten, kunſtreich aus Holz geſchnitzten Altar beſitzt, enthält außerdem noch die Grabdenkmäler Friedrich's mit der leeren Taſche und ſeines Sohnes Sigismund, ſowie auch der zweiten Gemahlin des Kaiſers Maximilian I., Bianca Sforza. Im Jahre 1497 empfing auch auf der ſogenannten Herzogswieſe zu Stambs der letztgenannte Kaiſer den Abgeſandten Bajazet's und be⸗ wirthete ihn unter freiem Himmel.
Hier und da begegnet man nun auf dem Inn, der ſich in vielfachen Windungen und Krümmungen durch das Thal ſchlängelt, auch ſchon den ſogenannten Plätten, d. h. Schiffen,
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welche ungefähr 10 Klaftern lang, 9 Fuß breit und nicht mehr als 2 Fuß tief ſind. Sie ragen nur wenige Zoll aus dem Waſſer empor und tragen gewöhnlich eine Art Kajüte, die theils zum Schutze für die Waaren, die vor Näſſe be⸗ wahrt werden müſſen, theils für die Paſſagiere beſtimmt ſind, die ſich indeß nur ſelten dieſen Schiffen anvertrauen. Durch die zahlreichen Bergbäche nämlich, welche der Inn auf ſeinem Laufe durch das Oberinnthal aufnimmt, wird eine gewaltige Maſſe von Steinen und Schutt in ſein Bett gewälzt, und der Fluß iſt daher reich an Untiefen und Sandbänken. Die Schiffer kennen allerdings ziemlich genau die gefährlichen Stellen und laſſen ihre Plätten durch Pferde über die Sand⸗ bänke ſchleppen, häufig indeß geſchieht es doch, daß die Kähne auf dem Steingeröll ſitzen bleiben, leck werden und an das Land gezogen werden müſſen, um zur Weiterfahrt wieder flott gemacht zu werden. Unſere Illuſtration zeigt eine ſolche Scene, wo eine dieſer Plätten von Pferden über eine ſeichte Stelle gezogen wird, und die romantiſche Umgebung, das Schreien und Jolen der Schiffer und Roſſelenker pflegen der⸗ gleichen Fälle originell genug zu machen.
Bei dem Dorfe Zirl eilt der Inn an den ungeheuren, glatten Felſen der berüchtigten Martinswand vorüber und erweitert ſich dann zu einem 40 Klaftern breiten Strom, der ein breites, ſchönes Thal mit zahlreichen Hütten, Kapellen und Schlöſſern durchſchneidet. Ueberall fällt das Auge auf die Erzeugniſſe der Cultur, die Aecker und Wieſen ſind ſchön be⸗ ſtellt, die Wohnhäuſer bequem und feſt, die Kirchen ſtattlich und gewöhnlich reizend gelegen. Noch einmal hat er Inn eine von ſchönen Tannen- und Lärchenwäldern beſchattete Thalenge zu durchbrechen, dann verläßt er das Oberinnthal, und ein herrliches Panorama bietet ſich dem Auge des Wande⸗ rers dar. Der Strom erreicht hier eine Breite von 57 Klaftern, mit reißender Schnelle eilt er vorwärts, aber ſein Waſſer iſt von durchſichtiger Klarheit und einer ausnehmend ſchönen Färbung. Das Unterinnthal, das hier ſeinen Anfang nimmt, iſt breit und von üppiger Vegetation, die herrſchende Pempe⸗ ratur mild und erlaubt den Maisbau im ausgedehnteſten Maße. Am oberſten Ende des herrlichen Thales breitet ſich die Hauptſtadt des Landes, Innsbruck, an den beiden Ufern des Stromes aus, die eine feſte, ſtattliche Brücke mit einan⸗ der verbindet, und der Charakter des Inn wird von hier ab ein weſentlicher anderer, da die Schifffahrt ſich ſeiner be⸗ mächtigt und die Einſamkeit, die ihn bisher gekennzeichnet, dem regſten und bunteſten Leben weichen muß.
Feuilleton.
Die arabiſchen Klageweiber.
Wenn in Perſien die Bewohner eines Ortes die zu beerdigende Leiche mit ihrem Heulen, Klagen und Jammern begleiten, werden in Arabien zu dieſem Zwecke beſondere Frauen gemiethet, welche aus dieſer Beſchäftigung ihren Erwerb ziehen und den Namen„Klage⸗ weiber“ führen.
Dieſelben ſetzen ſich vor dem Hauſe, in welchem ſich der Todte befindet, auf der Straße nieder, nur bekleidet mit Lappen und Lumpen, tauchen alsdann ihre Hände in den in ihrer Mitte ſtehen⸗ den Topf mit blauer Farbe und ohrfeigen ſich ſelber eine Stunde lang auf die lebhafteſte Weiſe, wobei ſie Töne gleich denen wilder Thiere ausſtoßen.
Hierauf tritt zur Erholung eine Pauſe ein, in welcher ſie ſich in der unbefangenſten Weiſe und mit heiteren Mienen unterhalten und Brot, Zwiebeln und Waſſer genießen, worauf alsdann die Pfeife im Kreiſe herum geht. Todtenklage in der angegebenen Weiſe aufs Neue und wird mit der bezeichneten Unterbrechung den ganzen Tag fortgeſetzt.
Wenn der Abend gekommen iſt, ſchmücken ſich dieſe Frauen das Geſicht und die offene Bruſt mit Straßenkoth. So, das Geſicht
Der Hausfreund erſcheint in Bänden von je 16 Heften
mit humoriſtiſchen Bildern illuſtrirten Unſchlag elegant geheftet.
Eremplaren verbreitete Werkchen:
Iſt die Letztere ausgebrannt, ſo beginnt die
durch die darauf haftende Indigofarbe und die in Folge des Schlagens entſtandenen Anſchwellungen und das aus den gemachten Verletzungen der Wangen fließende Blut beſudelt, bieten ſie einen ſcheußlichen Anblick dar. Dabei halten ſie in der einen Hand die Pfeife mit dem Tabaksbeutel, in der andern Brot, Zwiebeln ꝛc., was natürlich wenig geeignet iſt, ihre Erſcheinung angenehm zu machen, namentlich wenn man bedenkt, welchen Beruf ſie unter den bezeichneten Ver⸗ hältniſſen zu erfüllen haben. B.
Als weiterer Beitrag zur Kriegsgeſchichte des verfloſſenen Jahres empfiehlt ſich das kürzlich erſchienene, aber bereits in vielen Tauſend „Die Königlich Sächſiſche Armee im deutſchen Feldzuge 1866“(Preis 1 Thlr. Verlag von Karl Minde in Leipzig)..
Der anonhme Verfaſſer beſchreibt darin ſpeciell die Thaten der Königlich Sächſiſchen Armee ſeit Beginn der auch für ſie ſo verhäng⸗ vollen Kriegs⸗Epoche, läßt der Tapferkeit derſelben alle Gerechtigkeit widerfahren und gibt neben Mittheilung vieler Einzelheiten ein anſchau⸗ liches Bild jener gewaltigen Zeit von einer Seite, die bisher noch nicht dargeſtellt iſt.
16 großen Bogen mit ſchönen Original Illuſtrationen, mit einem
Preis pro Heft 5 Sgr.
Verlag der Hausfreund⸗Expedition(Lemke und Comp.) in Berlin, Kronenſtraße Pr 21. Verantwortlicher Herausgeber: Hans Wachenhuſen.
Haupt⸗Expebition und Druck bei F. A. Brockhaus in Leipzig⸗ 3


