Jahrgang 
1867
Seite
461
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Medaillen gelehrter und ungelehrter Geſellſchaften werden erkämpft, Hospitäler werden verſorgt, bis das Mitttel in Aller Munde iſt.

Wie iſt es denn aber möglich, daß ſo viele Aerzte ſich dazu hergeben, mit Unterſchrift und Siegel die große Wirk⸗ ſamkeit derartiger Artikel zu beglaubigen und ſie zu allge⸗ meinem Gebrauche zu empfehlen? Darauf muß ich Ihnen

Nun gibt es aber viele Mittel, die man gar nicht als Medi⸗ camente bezeichnen kann. Malzbier z. B. iſt kein Medica⸗ ment im geſetzlichen Sinne des Wortes, dagegen hat der Staat keine Strafgewalt. Wenn aber Herr Petſch, der große Erfinder des Apfelweins, ſich unterfängt, ärztlichen Rath zu ertheilen und für dieſe Conſultationen ein angemeſſenes

Honorar zu nehmen, ſo hat der Staat ſchon ein größeres

leider antworten, daß auch viele Aerzte durchaus nicht un⸗ Recht, einzuſchreiten, und es iſt dies, wie Sie wiſſen, mehr

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Currende Schüler.

empfindlich ſind gegen den Segen des Mansfelder Bergbaus. So betrübend es iſt, eine ſolche Wahrheit auszuſprechen, ſo muß ſie doch ausgeſprochen werden, denn die Aerzte machen ſich zu Mitſchuldigen des medicinalpfuſchigen Treibens. Ohne ihre Zeugniſſe, ohne ihr Giro würde es wahrhaftig nicht gelingen, Malz und Salz, Schnaps und Raps und andere auf die Dummheit der Menſchen ausgeſtellte(Gebrauchs⸗) Anweiſungen in den Cours zu bringen.

Fragen Sie nun weiter: Wenn dadurch der allgemeinen

Geſundheit möglicher Weiſe ein großer Nachtheil zugefügt werden kann, warum geſchehen keine Schritte dagegen? Das, meine Herren, iſt ein ſehr kitzeliger Punkt. Der Staat hat

allerdings Geſetze, nach denen Mediecinalpfuſcherei zu beſtrafen.

fach geſchehen. Herr Petſch iſt ſchon wiederholentlich als Medicinalpfuſcher in Strafe genommen worden. Aber ſolche Maßregeln werden immer erfolglos bleiben. Denn die große Maſſe glaubt einmal an die Erfolge, die in den Zeitungen öffentlich und laut geprieſen werden, ein gewiſſer Nachahmungs⸗ trieb macht ſich in ihr geltend, der Menſch iſt ein Stückchen Affe. Es geht mit ſolchen Dingen wie mit einer Theater⸗ poſſe, die ſchon 100, 200 Male gegeben worden. Sie iſt grundſchlecht, eine Schande für die Reſidenz und für die Intelligenz, man wendet ſich von ihr ab; nachdem ſie aber ſo oft gegeben und Tagesgeſpräch geworden, ſagt man:Ja, ſehen muß man ſie doch einmal. So iſt vor mehreren Jahren das Anacahuite⸗Holz bei Schwind⸗ und anderen Suchten