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und tritt mit ſeinem Verlangen vor die Aeltern Makrina's. Iſak der Wolf zieht die Stirn in krauſe Falten; Schmerz durchzieht ſeine Bruſt, denn einen beſſeren und wohlhabenderen Eidam bringt ihm das Schickſal gewiß nicht mehr! Um ihn feſtzuhalten, ſchlägt er Eudokia vor. Andronik hört den Vor⸗ ſchlag mit Entſetzen an; iſt doch Eudokia im ganzen Dorfe nur ihrer Häßlichkeit wegen bekannt, und veranlaßt doch nur Eudokia, die ſchwarze genannt, das Unglück, daß die drei Töchter Iſak's des Wolfes ohne Mann bleiben und immer mehr ins alte Eiſen gerathen! Andronik gibt ganz unzwei⸗ deutige Beweiſe, daß er auf den Vorſchlag Iſak's nicht ein⸗ gehen kann, obgleich Iſak der Wolf in einem mächtigen Wortſchwall Alles aufzählt, was er dem Bräutigam Eudokia's als Mitgift zu geben entſchloſſen ſei. Andronik ſieht zwar ein, daß dies Alles ein enormes Heirathsgut ſei, aber der Verluſt Makrina's kann durch daſſelbe doch nicht aufgewogen werden, deshalb grüßt Andronik die Aeltern ſeiner geliebten Makrina und verläßt das Haus.
Aber Iſak der Wolf iſt ein ſchlauer Mann oder, wie die Romänen ſprichwörtlich ſagen, ein Kani patut(ein ge⸗ ſchlagener Hund).
Andronik geht ihm nicht aus dem Kopfe. Er ſpeculirt Tag und Nacht, wie er ſich des jungen Mannes verſichern könne.„Muth! Muth!“ meint er endlich, läßt Andronik zu ſich beſcheiden, und nach einigen Scheinmanövern zu Gunſten der ſchwarzen Eudokia, die natürlich wirkungslos bei dem jungen Mann abprallen, führt er Makrina zur Hand Andronik's und gibt beiden Kindern ſeinen Segen. Freilich malt ſich dabei in ſeinen Zügen eine Art Verzweiflung; Iſak der Wolf nimmt das Ausſehen ſeines wilden Namensbruders an, aber darnach fragt weder Andronik noch Makrina; Beide zerfließen in Wonne über die plötzliche Wandlung und beſprechen mit dem Alten die Hochzeit. Dieſe wird auf den Petritag feſt⸗ geſetzt, und es geſchehen alle Vorbereitungen, um die ſchöne Makrina auf das beſte herauszuſtaffiren.
Der Petritag iſt endlich da. Die Gäſte treten in die ſauber geputzte Stube, auch der Prieſter erſcheint an der Seite ſeines Deaken, der merkwürdige Dinge mit ſich trägt, ein mächtiges Weihwaſſerbecken, ein Räuchergefäß u. dgl. Auf das Geräuſch und Geſchwätz der Verſammelten folgt lautloſe Stille,— da tritt aus dem Nebengemach die ſchöne Makrina. Nach der landesüblichen Sitte iſt ſie mit einem farbigen Tuch bedeckt, das ihr nicht blos den Kopf, ſondern auch die Bruſt und den Nacken verhüllt.
So herausgeputzt ſtellt ſich Makrina zu Andronik. Die lautloſe Stille wird unterbrochen, denn der Prieſter ſpricht ſeine Gebete und üblichen Formeln. Der Einſegnung des Brautpaares wohnt blos die weinende Mutter bei; Iſak der Wolf hat ſich, vielleicht wegen Verluſtes ſeiner ſchönen Makrina, aus dem Staub gemacht. Feierlichkeit iſt beendet. Ceremonie: die Tuchabnahme, kommt an die Reihe; auch dieſe erfolgt, aber ſiehe: von der ſchönen Makrina iſt keine Spur wahrzunehmen,— die ſchwarze Eudokia ſteht da, wie ſie leibt und lebt, in aller Häßlichkeit und Dummheit dem Andronik angetraut.
Andronik ſteht wie vernichtet da. Dann beginnt er zu toben und zu lärmen, erſt gegen ſeinen betrügeriſchen Schwieger⸗ vater, dann gegen ſeinen eigenen Leichtſinn, der ihn für ſein ganzes Leben ſtraft. Hatten wirklich beide Mädchen eine ſo täuſchende Aehnlichkeit ihrer Geſtalten, ſollten ſie wirklich wie aus einer Form gegoſſen ſein, von ganz gleicher Größe und Beſchaffenheit? Andronik ſchlug ſich vor die Stirne; er wollte von der Hochzeit nichts wiſſen und nannte Iſak den Wolf einen ſchamloſen Betrüger, der auch nicht einen Schatten ſeines Vertrauens verdient habe. In ſeinem Ungeſtüm rang er lange vergeblich nach Faſſung, aber da fielen die Hochzeits⸗ leute über ihn her und ſuchten das empörte Gemüth zu be⸗ ruhigen, bis denn auch Andronik ſeinerſeits zur Einſicht kam, daß man ſchließlich zum böſen Spiel dennoch ein freundliches Geſicht machen müßte.
Die
Der letzte Act der
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Der alte Iſak, der es bis dahin nicht gewagt hatte, unter die Augen ſeines Schwiegerſohnes zu treten, athmete auf und entſchloß ſich, nun auch vor dem Tobenden zu erſcheinen. Freilich durfte er auch jetzt dieſe Kühnheit nicht anders als unter prieſterlicher Aſſiſtenz wagen. Um den Friedensver⸗ handlungen eine ſolidere Baſis zu geben, ſah ſich endlich Iſak der Wolf zu folgenden Propoſitionen veranlaßt. Er ver⸗ ſprach dem Andronik zwei Ochſen und eine Kuh, zu Pfingſten ein paar tüchtige Stiefel und zu Weihnachten eine Pelzmütze, und die Sache war ein⸗ für allemal ausgeglichen. Andronit gab ſich zufrieden und führte die ſchwarze Eudokia heim.—
Iſt die Trauung in der Kirche vollzogen, dann wird die Rückkehr mit eben ſo großem Lärm und Geräuſch unter⸗ nommen, wie der Zug zur Kirche. Zu Hauſe angelangt, ſammeln ſich auch noch andere Hochzeitsgäſte, die gleicher⸗ weiſe wie die zu allererſt Eingetroffenen allerlei Geſchenke mitbringen, wie Wein, Branntwein, Käſe, Butter, Kolatſchen, Pelz⸗ und Wollärmel und ähnliche Dinge. Nach ceremoniellen Beglückwünſchungen werden die Plätze am Hochzeitstiſch ein⸗ genommen, wobei die beſten Plätze für wie älteſten und an⸗ geſehenſten Perſonen beſtimmt ſind. Die Braut, umgeben von Freundinnen, nimmt wenig Antheil an der allgemeinen Luſtbarkeit, ſie ſitzt ſtill und lautlos da, hält einen großen, faſt betäubenden Blumenſtrauß in der Hand und— weint! So will es die Sitte. Weint ſie nicht, ſo wird ihr dieſe Unart als eine Schande angerechnet und muß ſie ſich in Folge deſſen mancherlei Schimpfreden und Schmähworte ge— fallen laſſen. Je mehr ſie dagegen weint, deſto mehr wächſt das günſtige Vorurtheil für ſie. Aber wie bekannt, verſiegt auch der Brunnen, um wie viel eher erſt die Thräne. Des⸗ halb bewährt ſich der urſprünglich blos zur Zierde genommene gewaltige Blumenſtrauß als ein ganz treffliches Mittel, das Lärvchen zu verſtecken, wie nicht minder die Branntweinflaſche, die auch an ihrem Arme hängt, ſich ganz dazu eignet, durch einen herzhaften Zug ſich wahre Herzensthränen zu entlocken.
Während des Mahles ſpielen zwei bis vier Zigeuner⸗ buben traurige Volksweiſen auf der Geige; ein Mann der Geſellſchaft ſteht vor den Muſikanten und ſingt in näſelnden Tönen ein wehmüthiges Volkslied. Draußen feuern ein paar Dorfburſchen eine Piſtole nach der anderen ab, indem ſie die fehlende Kapſel durch eine Kohle erſetzen.
Nach beendigtem Mahle nimmt das Geräuſch immer mehr zu, indem Wein⸗ und Branntwein ihre guten Wirkungen nicht bezwingen laſſen. Ueberdies beginnt der Tanz, der ent⸗ weder im Hofe oder auf einem freien Platz des Dorfes, zu⸗ meiſt natürlich vor der Schenke ſtattfindet. Die Braut ge⸗ nießt dabei die größten Ehren, da ſich Jung und Alt zum Tanze mit ihr herandrängt. Sie iſt noch immer bräutlich geſchmückt; ein Kranz aus natürlichen oder Kunſtblumen, unter dieſem ein zweiter aus Kupfer oder gelbem Blech ſchmiegen ſich um ihren Kopf, während zwanzig und mehr Fäden von Korallen und Glasperlen, darunter auch einige aus Gold⸗ und Silbermünzen ſich um ihren Hals winden. Bei dem eintönigen Bum bum! der Trommel und dem ſchrillen Klang der Violine tanzt die Geſellſchaft bis zum Anbruch der Nacht, um welche Zeit ſich die Gäſte zu zerſtreuen beginnen und hier das Haus oder dort die Schenke ſuchen.
Um eben dieſelbe Zeit ſetzt die Braut die Haube auf, was natürlich unter Beobachtung gewiſſer herkömmlicher Formen geſchieht, nimmt dann von ihren Aeltern einen rührenden Ab⸗ ſchied und wird von den wenigen Getreuen, die aus dem Kreiſe ihrer Freunde und Freundinen noch zurückgeblieben ſind, in das Haus des Bräutigams begleitet. Dieſes iſt fortan ihre Wohnung. Schon in den erſten Momenten wer⸗ den hier ſonderbare Gebräuche befolgt. So darf die Braut z. B. nicht ohne alle Umſtände in das Haus des Bräutigams treten. Dieſer empfängt ſie mit weit geringerer Zärtlichkeit, als wir glauben möchten, denn anſtatt mit Liebkoſungen und Freudenbezeigungen ihr entgegen zu kommen, wirft er der Braut einen Zügel um den Hals und gibt ihr in der Regel drei recht empfindliche Peitſchenhiebe. Dieſe eigenthümliche Procedur, die ſich jede Braut gefallen laſſen muß, deutet auf
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